Tückisches Treibhausgas

19. März 2012 11:25; Akt: 19.03.2012 17:04 Print

Kohlendioxid soll dick machen

Dänische Forscher stellen eine kühne Hypothese auf. Sie glauben, dass uns der steigende CO2-Ausstoss übergewichtig werden lässt - und stossen auf Widerstand.

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«Himbeeren sind eine gute Alternative, wenn man vom Verlangen nach Süssigkeiten gepackt wird», findet «usnews.com». Unsere Ernährungsberaterin stimmt den US-Kollegen zu: «Mit gerade mal 40 kcal/100 g, viel Vitamin C, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen (sie schützen vor allem die Gefässe) sind Himbeeren absolut empfehlenswert.» Die schnell verderblichen Beeren sollten allerdings rasch verzehrt werden. Wie «usnews.com» berichtet, steckt in der Wassermelone Vitamin A und C. 150 Gramm enthalten nur ca. 50 Kalorien. Tina Mazzola findet: «Mit einem Wasseranteil von bis zu 95 Prozent, Inhaltstoffen wie Kalium, Pantothensäure, Biotin, Vitamin C und Beta Carotin, sowie dem Pflanzenstoff Lycopin schützt die Melone vor freien Radikalen und hilft der Immunabwehr.» Allerdings enthält die Wassermelone auch Zucker und der heizt bekanntlich das Hungergefühl an. Die US-Kollegen loben die Avocado mit ihren einfach-ungesättigten Fettsäuren als gesunde Alternative zu Mayonnaise. «Gesund ist die Avocado, gleichzeitig ist sie aber auch die fettreichste Frucht überhaupt», wie die Expertin einschränkend hinzufügt. In der Avocado stecken Kalium und die Vitamine E und B6. Wer abnehmen möchte, sollte das gesunde Gemüse mit einem Fettgehalt von 24 Prozent höchstens ein bis zwei Mal pro Woche geniessen. Die Süsskartoffel ist in unseren Breiten noch nicht so beliebt, wie in den USA. Das Online-Magazin «usnews.com» lobt: «Eine faustgrosse Süsskartoffel enthält vier Gramm Ballaststoffe und deckt den Tagesbedarf an Vitamin A. Ausserdem hat sie nur halb so viele Kalorien, wie die herkömmliche Kartoffel, also 150 statt 300.» Tina Mazzola bestätigt diese Fakten, schränkt jedoch ein: «Süsskartoffeln enthalten viel Stärke aber auch mehr Zucker, deshalb der süssliche Geschmack.» Die Stärke wird im Körper zu Zucker gewandelt und der erhöht den Blutzuckerspiegel und damit das Hungergefühl. Also lieber massvoll geniessen! Auch der Lachs hat es den Redaktoren aus den Vereinigten Staaten angetan: Wie andere, besonders fetthaltige Fische ist er reich an Omega-3-Fettsäuren, die gut fürs Herz sind und sogar über entzündungshemmende Eigenschaften verfügen sollen. «Lachs ist durchaus ein gesunder Fisch», meint auch Tina Mazzola, ergänzt aber, dass «beim Kauf die Herkunft des Fisches» wichtig sei. Generell gelte: «Je intensiver die Farbe beim frischen Lachs, desto besser die Qualität.» Zwiebeln peppen praktisch jede herzhafte Mahlzeit auf. Die US-Redaktoren empfehlen das Lauchgewächs in Suppen oder frittiert. Dabei weisen die Kollegen auf das in Zwiebeln enthaltene Querecetin, einem sekundären Pflanzenstoff hin. Querecetin wird unter anderem nachgesagt, über entzündungshemmende Eigenschaften zu verfügen. «Zwiebeln sind sehr kalorienarm, enthalten Eiweiss, die Vitamine B unc C, Mineral- und Ballaststoffe», fügt unsere Ernährungsexpertin an. Ihr Tipp: «Nur glasig dünsten, nie zu braun braten, sonst werden sie bitter.» Weiter weisst Mazzola darauf hin, dass Zwiebeln Blähungen und Völlegefühl hervorrufen können. Der Griechische Joghurt enthält im Vergleich zum herkömmlichen Pendant mehr Fett. «Mit 150 Kalorien pro Portion ein eiweissreicher und sattmachender Snack» stellt «usnews.com» heraus. «In der Schweiz wird meist normaler Kuhmilchjoghurt konsumiert», erklärt Tina Mazzola. Wer auf fettreduzierten Joghurt schwört, sollte ihrer Meinung nach beachten, dass dieser mehr Zucker enthält, als der herkömmlicher Joghurt. Quinoa wird als Ersatz für polierten Reis oder Pasta empfohlen. Eine gute Idee, findet auch Tina Mazzola: «Die Sättigung hält lange an, weil der Blutzuckerspiegel langsamer ansteigt».

CO2? Verlassen Sie sich lieber auf eine ausgewogene Ernährung!

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Wenn man Lars-Georg Hersoug von der Universität Kopenhagen glauben darf, dann wurde jetzt ein wichtiger Verantwortlicher für die wachsende Anzahl übergewichtiger Menschen auf der Welt enttarnt: Das Kohlenstoffdioxyd, kurz CO2.
CO2 ist ein gefährliches Treibhausgas, entweicht in grossen Mengen aus Kraftwerken, Flugzeugen, Autos und Heizanlagen und trägt damit massgeblich zur Klimaerwärmung bei. Und was unserem Klima schadet, soll uns dick machen?

Gemeinsam mit seinen Kollegen Anders Mikael Sjödin und Arne Astrup stützt Hersoug seine gewagte Hypothese auf eine kleine Pilotstudie, an der sechs junge Männer im Jahr 2011 teilgenommen hatten. Dabei mussten sich die Probanden in speziellen Räumen aufhalten, in denen sie einer erhöhten Menge CO2 ausgesetzt wurden. Nach dem Test wurde ihnen Blut abgenommen. Sieben Stunden später durften die Herren dann essen, so viel sie wollten.

Saures Blut und erhöhter Appetit

Die Forscher fanden heraus, dass die Probanden, bei denen ein höherer CO2-Wert nachgewiesen werden konnte, sechs Prozent mehr Nahrung zu sich nahmen als die anderen Testpersonen mit «normalen» CO2-Werten im Blut.
«Wir stellten ausserdem fest, dass das zusätzliche CO2 die Herzschlag-Frequenz der Männer erhöht hatte. Das lässt darauf schliessen, dass das CO2 die Nervenzellen im Gehirn beeinflusst, das geschieht durch die Neuropeptid-Hormone Orexine, die unseren Appetit kontrollieren», sagte Hersoug im Gespräch mit Sciencenordic.com. Gemäss Hersoug hat bereits eine kleine Veränderung der Aktivität der Nervenzellen Einfluss darauf, ob jemand sein Gewicht hält oder übergewichtig wird. Der dänische Wissenschaftler beruft sich auf eine Studie aus dem Jahr 2007: Sie zeigte, dass das Säureverhältnis im Blut (PH-Wert) mit der Aktivität der Orexine zusammenhängt.

Lars-Georg Hersoug untermauert seine Hypothese durch Erkenntnisse, die er im Laufe jahrelanger Forschung bezüglich des möglichen Zusammenhangs zwischen CO2 und dem Essverhalten bei Tieren erlangt hat. In einer Studie aus dem Jahr 2010, in die 20 000 Labortiere eingeschlossen waren, konnte laut Hersoug gezeigt werden, dass alle Tiere an Gewicht zulegten, obwohl sie unter «kontrollierten Bedingungen» gefüttert wurden.

Eine luftige Behauptung?

Die Behauptungen des Forschers aus dem hohen Norden wirft auf der anderen Seite des grossen Teichs bereits hohe Wellen. «Diese Hypothese ist schlicht unerhört», findet Devanjan Sikder, vom Sanford-Burnham Medical Research Institute in Orlando (USA). Der Assistenz-Professor beteuerte gegenüber Foxnews.com, dass «Mediziner keine Hinweise auf Veränderungen des PH-Wertes bei Menschen über die vergangenen Jahre oder Jahrzehnte» gefunden hätten.

Sein Kollege David Katz, Direktor am Prevention Research Center der Yale University School behauptet hingegen, dass winzige Veränderungen des PH-Wertes nicht unwahrscheinlich seien. Doch die von den dänischen Wissenschaftlern genannte Reduktion von 7,4 auf 7,3 könne es bei «normal funktionierenden Lungen und Nieren», so Katz, nicht geben.
Dass die Probanden im Experiment aufgrund des hohen CO2-Gehalts in der Luft mehr assen, zaubert bei Katz ein mildes Lächeln auf die Lippen: «Um den erhöhten CO2-Gehalt auszugleichen, atmet man schneller. Dadurch verbraucht man mehr Energie.» Dass man dadurch mehr esse, sei wenig verwunderlich.

Also alles nichts als heisse Luft? Hersoug und seine Forscherkollegen wollen weiter an der «CO2 macht dick»-Hypothese forschen. Demnächst startet das Team eine Studie mit Ratten.

(rre)