Schweizer Innovation

29. Mai 2012 20:31; Akt: 30.05.2012 16:20 Print

Neues Pflaster mit Rillen fördert schnelle Heilung

Forscher der ETH Zürich haben ein Pflaster entwickelt, das mit seiner Rillenstruktur den Körper bei der Wundheilung buchstäblich «führt». Ein weiteres Plus des neuen Verbandes: Er lässt sich jederzeit schadlos entfernen.

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Die Struktur des neuartigen Pflasters erinnert an ein miniaturisiertes Wellblech. (Bild: A. Marmaras / ETH Zürich)

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Das an der ETH Zürich entwickelte Silikonpflaster funktioniert dank feiner Rillen wie eine Art Kriechhilfe für Fibroblasten, jene Unterhaut-Zellen, die Wunden verschliessen. Normalerweise wachsen diese ungeordnet von den Wundrändern ins verletzte Gewebe ein. Vor allem bei grossflächigen Wunden wie Brandwunden kann dies sehr lange dauern.

Das Team um Anastasios Marmaras vom Labor für Thermodynamik unter der Leitung von Dimos Poulikakos konnte nun zeigen, dass mit ihrem Pflaster die Fibroblasten gezielt an ihren Einsatzort wandern, wie die Forscher im Fachjournal «Soft Matter» berichten. Dafür sorgen zahlreiche winzige Rillen im Silikon, die wie ein Miniatur-Wellblech aussehen.

Beim Experiment an einer einfachen Zellschicht im Labor bestand die Verletzung aus einem Kratzer. Legten die Forschenden das Pflaster mit den Rillen parallel zum Kratzer auf, wuchsen die Fibroblasten normal schnell. Lagen die Rillen jedoch im rechten Winkel zur Wunde, wuchs diese schneller zu, wie die Wissenschaftler unter dem Mikroskop beobachten konnten.

Problemlos entfernbar

Ganz neu ist an dem Pflaster, dass es sich jederzeit entfernen lässt, ohne dass Gewebe oder Zellen daran hängen bleiben, wie einer der Projektleiter, Vartan Kurtcuoglu, am Dienstag in einer Mitteilung der ETH Zürich erklärte. In früheren Versuchen wurden Materialien verwendet, an die sich die Fibroblasten anlagerten und das Pflaster auf der Wunde festwuchs. Beim neuen Pflaster werden die Zellen rein mechanisch geführt.

Im nächsten Schritt wollen die Forschenden das Pflaster an Tieren oder Menschen testen. Ihre Hoffnung ist es, dass auch grosse Wunden wie Brandwunden damit wesentlich schneller heilen und durch das gleichmässige Zellwachstum weniger Narben entstehen. Für runde Wunden könnten die Rillen auch sternförmig angeordnet werden, erklärte Aldo Ferrari, der Biologe im Team.

Laut Stefan Lux von ETH-Transfer, der Kontakte zu interessierten Firmen herstellt, haben sich bereits Interessenten aus der Industrie gemeldet.

(sda)