Geschlechtskrankheit

06. August 2008 11:15; Akt: 06.08.2008 12:38 Print

Syphilis wird zum «wöchentlichen Geschäft»Syphilis wird zum «wöchentlichen Geschäft»

von Marius Egger - Ungeschützter Oralverkehr ist laut Experten die Hauptursache, dass eine längst überwunden geglaubte Krankheit wieder auf dem Vormarsch ist. Dass die Aids-Hilfe-Schweiz und das BAG öffentlich Sex ohne Kondom verteidigen, ist deshalb Experten ein Dorn im Auge.

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Die Geschlechtskrankheit Syphilis ist weiter auf dem Vormarsch. Laut neuesten Zahlen des Bundesamts für Gesundheit stieg die Zahl der Erkrankten in der Schweiz seit Jahresbeginn auf 428. Zum Vergleich: Im letzten Jahr traten während der gleichen Zeitspanne 372 Fälle auf, 2006 waren es 238.

Seit 2006 die Meldepflicht für Syphiliserkrankungen wieder eingeführt wurde, zeigt die Kurve konstant nach oben. «Nur schon, dass die Meldepflicht wieder eingeführt wurde, zeigt, dass man besorgt ist», sagt Jean-Louis Zürcher vom Bundesamt für Gesundheit.

Homosexuelle als grösste Risikogruppe

Besorgt zeigt man sich auch im dermatologischen Ambulatorium des Triemli-Spitals in Zürich. Dort ist die Zunahme von Syphilis-Fällen ebenfalls spürbar: «Noch vor einigen Jahren hatten wir kaum Syphilis-Patienten. Mittlerweile ist es ein wöchentliches Geschäft», sagt Oberarzt Siegfried Borelli gegenüber 20 Minuten Online.

Wie beim HIV orten Experten auch bei den Syphilis-Patienten die grösste Gruppe bei den Homosexuellen. Das bestätigt auch Borelli.

Brisant: Ausgerechnet in der Phase steigender Infektionszahlen haben sich die Aids-Hilfe Schweiz und das BAG am Internationalen Aidskongress in Mexiko erneut dafür ausgesprochen, dass HIV-Infizierte unter bestimmten Voraussetzungen ungeschützten Sex haben können. Die öffentliche Proklamation stiess im In- und Ausland auf Kritik. In Zeiten steigender Geschlechtskrankheiten sehen dies Experten nicht gerne. Hinter vorgehaltener Hand wird die öffentliche Aussage selbst im BAG in Frage gestellt.

«Schon etwas kontraproduktiv»

Auch für Borelli ist die Aussage heikel. «Das Hauptproblem bei der Übertragung von Syphilis und anderen Geschlechtskrankheiten ist der ungeschützte Oralverkehr», erklärt er. Für den Oberarzt wäre es deshalb «mehr als wünschenswert», wenn Kondome nicht nur beim eigentlichen Geschlechtsakt, sondern gerade auch beim Oralverkehr «konsequent» angewendet würden. In diesem Kontext sei die Aussage der Schweizer Aids-Hilfe und vom BAG «schon etwas kontraproduktiv», findet Borelli.