Treffsichere Tiere

24. November 2015 16:21; Akt: 24.11.2015 16:21 Print

In der Krebsdiagnose sind Tauben top

Ärzte tun sich bei der Diagnose von Brustkrebs schwer. Unterstützung könnten sie dereinst von Vögeln bekommen. In Tests erwiesen sich Tauben als treffsicher.

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In Städten sind Tauben nicht gern gesehen. Denn einerseits können die «Ratten der Lüfte» Krankheiten übertragen, andererseits zerfressen ihre Hinterlassenschaften ganze Fassaden. Was bei der abschätzigen Haltung ihnen gegenüber gerne vergessen wird, ist, dass sie auch einiges auf dem Kasten haben. So haben sie nicht nur ein erstaunliches Orientierungsvermögen, sondern auch bemerkenswerte visuelle Fähigkeiten, wie verschiedene Studien gezeigt haben.

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Dass letztere auch für den Einsatz im medizinischen Bereich ausreichen, haben nun Forscher um Richard Levenson von der University of California nachgewiesen: In ihrer Studie entpuppten sich die Tauben der Art Columba livia als äussert zuverlässig, was das Unterscheiden von gesundem und von Krebs befallenem Brustgewebe angeht. Mit einer Genauigkeit von bis zu 99 Prozent erwiesen sich die Vögel als äusserst treffsicher.

Tauben im Labor

Gemeinsam mit seinem Team hat Levenson die Diagnosefähigkeit der insgesamt 16 tierischen Probanden in verschiedenen Experimenten untersucht. In einem ersten Schritt wurden die Tauben darauf konditioniert, zwischen erkranktem und gesundem Gewebe zu unterscheiden: Auf einem Monitor wurden ihnen beiderlei Proben gezeigt. Per Touchscreen mussten sie einen blauen oder einen gelben Knopf picken und damit angeben, ob das Gewebe ihrer Meinung nach von Krebs befallen war oder nicht. Lagen sie richtig, wurden sie mit Futter belohnt.

Ein Training, das sich lohnte, wie die Forscher im Fachjournal «PLOS One» schreiben: Lagen die Tiere am Anfang nur in 50 Prozent der Fälle richtig, fällten sie nach zwei Wochen Training bereits in 85 Prozent der Fälle die richtige Entscheidung. Damit war jede einzelne so gut wie ausgebildete Mediziner.

Als die Forscher schliesslich die Entscheidungen mehrerer Vögel kombinierten, kamen sie sogar auf einen Wert von 99 Prozent.

Noch kein Einsatz geplant

Trotz dieser überraschend guten Resultate ist es unwahrscheinlich, dass die tierischen Diagnose-Helfer in nächster Zeit in Spitälern zum Einsatz kommen. Denn als es schliesslich darum ging, die Dichte von Brustgewebe in Mammografien zu bestimmten, erzielten die Vögel – wenn überhaupt – nur noch Glückstreffer. Ausserdem dürften viele Patienten Bedenken haben.

Als vergebene Liebesmüh sehen die Forscher ihre Studie aber nicht: So könnten die Fähigkeiten der Tauben künftig durchaus bei der Weiterentwicklung diagnostischer Technologien genutzt werden. Allerdings bräuchte es dafür noch weitere Forschung, so Levenson in einer Mitteilung der Hochschule.


Bei der Brustkrebserkennung können Tauben den Menschen das Wasser reichen. (Video: Youtube/Victor Navarro)


(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • G Wunder am 24.11.2015 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    Alles aus der Natur hat ihre Aufgabe

    Ja, vielleicht lernt der Mensch endlich, dass in der Natur zusammengearbeitet werden muss, miteinander und nicht immer gegeneinander, aber das dauert wohl noch tausende von Jahren, wenn der Mensch dann überhaupt noch lebt.

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  • H. K. am 25.11.2015 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierische Diagnose

    Aha interessant. Wenn Tiere den Menschen nützlich sein können haben sie also plötzlich sogar eine eigene Meinung. Schade dass wenn es um das Wohl der Tiere geht nicht auch nach ihrer Meinung gefragt wird.

  • Leser am 24.11.2015 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Spannende Geschichte

    Und: Wenn Tauben lernen können, solche Bilder zuverlässiger zu beurteilen, können das vielleicht auch Ärzte und via Internet könnte man die Meinungen vieler Ärzte pro Bild sammeln um die Zuverlässigkeit der Diagnose weiter zu steigern.

Die neusten Leser-Kommentare

  • H. K. am 25.11.2015 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierische Diagnose

    Aha interessant. Wenn Tiere den Menschen nützlich sein können haben sie also plötzlich sogar eine eigene Meinung. Schade dass wenn es um das Wohl der Tiere geht nicht auch nach ihrer Meinung gefragt wird.

  • Büpfi am 25.11.2015 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Machen gurrende Tauben glücklich?

    Wenn man die ausgebildeten Mediziner ebenfalls zwei Wochen lang trainieren würde, lägen sie möglicherweise in mehr als 85% richtig. Aber nein, es wäre viel lustiger, Tauben in der Diagnostik einzusetzen. Gurrgurrrrr!

  • Bonifatz am 25.11.2015 03:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na dann...

    Super..dann verkleide ich mich als "Luftratte" und spiele Lotto..

  • Leser am 24.11.2015 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Spannende Geschichte

    Und: Wenn Tauben lernen können, solche Bilder zuverlässiger zu beurteilen, können das vielleicht auch Ärzte und via Internet könnte man die Meinungen vieler Ärzte pro Bild sammeln um die Zuverlässigkeit der Diagnose weiter zu steigern.

  • Walter am 24.11.2015 19:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist noch gar nichts

    Ich habe einen Goldfisch, welcher einen dreifachen Salto aufführt, wenn er merkt, dass ich mich vom übermässigen Alkohol bald übergeben muss!

    • Büpfi am 25.11.2015 08:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Walter

      Und vielleicht sind Goldfische unter Alkoholeinfluss ja noch besser in der Brustkrebserkennung als Tauben. Sofort einen Doktoranden auf diese vielversprechende Idee ansetzen. Mit dem richtigen Statistikprogramm wird er dies oder etwas anderes "signifikantes" Lustiges herausfinden und gegen Geld in einer wissenschaftlichen Zeitschrift publizieren können.

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