Ratten-Lungenwurm

13. April 2017 12:18; Akt: 13.04.2017 12:18 Print

Tödlicher Gehirn-Parasit lauert in Obst und Gemüse

Hawaiianische Mediziner warnen davor, Schnecken zu berühren. Denn die Tiere übertragen einen Parasiten, der Menschen töten kann.

Bildstrecke im Grossformat »
Die Insel Maui ist vor allem als Ferienparadies bekannt. Doch ganz so paradiesisch ist es dort derzeit nicht. In den letzten drei Monaten haben sich dort mindestens sechs Menschen mit dem gefährlichen Parasiten Angiostrongylus cantonensis infiziert. Einmal im menschlichen Körper angekommen, bohrt sich der Parasit ins Gehirn vor, verursacht heftige Schmerzen, neurologische Ausfälle und kann im schlimmsten Fall zum Tod führen. Der Parasit wird auch als Ratten-Lungenwurm bezeichnet, weil er in ausgewachsener Form nur in Ratten vorkommt. Diese scheiden die Larven des wurmartigen Schmarotzers jedoch wieder aus. Schnecken, Krabben, Krebse, Fische und Frösche nehmen diese dann auf und tragen so ihrerseits zur Verbreitung bei. Medienberichten zufolge tragen rund 80 Prozent der Schnecken auf den hawaiianischen Inseln die Larven in sich. Deshalb wird nun davor gewarnt, potenzielle Überträger mit blossen Händen zu berühren. Oft verschwindet der Parasit unbemerkt. Doch in schlimmen Fällen frisst er sich ins Gehirn der Befallenen vor, wo er eine Meningoenzephalitis – eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute – auslösen kann, die mit starken Schmerzen, Zittern, Taubheit und Fieber einhergeht. Eine Betroffene berichtet, wie sich das anfühlt: «Es war, als würde mir jemand plötzlich mit einer langen Nadel durch eine weiche Stelle oben am Kopf stechen, die er dann weiter Richtung linkes Ohr, dann wieder hoch zur Schläfe und schliesslich von hinten nach vorn hinter mein rechtes Auge schob.» Weil ihre Beine taub sind, ist sie zudem auf eine Gehhilfe angewiesen. Ratten-Lungenwürmer sind jedoch nicht die einzigen Parasiten, die im Essen lauern können. Welches die 15 schlimmsten sind, erfahren Sie in den folgenden Bildern. Trichuris trichiura befällt ausschliesslich den Menschen. 750 Millionen Menschen sind infiziert, hauptsächlich in den Tropen und Subtropen. Der bis fünf Zentimeter lange Wurm lebt vom Inhalt der Darmschleimhautzellen. Bei über 100 Würmern kommt es zu Durchfall, Blutungen und seltener zu einem Darmverschluss. Der Lungenwurm ist ein Saugwurm, der Menschen und Säugetiere befällt, die rohe Schalentiere essen. Er verursacht die Lungen-Paragonimiasis. Nach einer akuten Erkrankung, die unter anderem Fieber und Schüttelfrost auslöst, folgt später die chronische Phase. Bei Befall des Gehirns kommt es zu Epilepsie, Enzephalitis, Meningitis, Blindheit und Lähmungen. Der Einzeller löst eine Magen-Darm-Entzündung aus. Im schweren Fällen kommen zu Durchfall und Übelkeit auch Erbrechen, starker Gewichtsverlust und Muskelschmerzen dazu. Der Parasit kommt hauptsächlich in unterentwickelten Gebieten der Tropen und Subtropen vor - und auf von dort importierten Früchten. Die Gattung Fasciola enthält vier Arten von Saugwürmern. Zwei Arten, der Grosse Leberegel (Bild) und der Riesenleberegel, befallen Wiederkäuer und den Menschen. Sie lösen die Fasziolose aus, die Leber und Gallengänge schädigt. Die aus Europa stammende Krankheit kommt heute auch in den Tropen vor. Zu einer Infektion kommt es unter anderem beim Verzehr von verseuchtem Kopfsalat. Der einzellige Parasit kann Menschen, Säugetiere, aber auch Amphibien, Reptilien und Vögel befallen. Er gelangt über verseuchtes Wasser in den Darm und verursacht die Krankheit Giardiasis. Symptome sind Durchfall und Blähungen. Selten kommt es zu Fieber und in schweren Fällen zu einer Mangelernährung. Der einzellige Parasit überträgt die Chagas-Krankheit, die zu teils tödlichen Herz- und Darmproblemen führt. Der Parasit ist hauptsächlich in Mittel- und Südamerika verbreitet und wird durch blutsaugende Raubwanzen übertragen. Menschen können sich zudem anstecken, wenn sie mit verunreinigtem Essen Exkremente der Wanzen zu sich nehmen. Spulwürmer leben im Darm und werden bis 40 cm lang. Ein Viertel der Weltbevölkerung ist infiziert, was die Spulwürmer zum häufigsten Parasiten im Menschen macht. Nach der Einnahme (z.B. über ungewaschenes Gemüse) schlüpfen im Darm die Larven, die über Blutgefässe in die Lunge wandern. Von dort werden sie hochgehustet und wieder geschluckt. Erst dann werden sie im Darm zu ausgewachsenen Würmern. Bei massenhaftem Auftreten kann es zum Darmverschluss (im Bild) und Mangelernährung kommen. Saugwürmer, die hauptsächlich in Südostasien heimisch sind. Zur Infektion kommt es beim Verzehr von rohem oder zu wenig erhitztem Fisch, der von Larven befallen ist. Diese entwickeln sich in einem Säugetier oder Menschen zu Würmern, die sich im Gallengang und der Gallenblase einnisten. Chronische Infektionen können zu Leber- und Gallengangkrebs führen. Die Fadenwürmer lassen sich vor allem im quergestreiften, gut durchbluteten Muskelgewebe nieder. Sie verursachen die Trichinellose. Symptome sind Fieber, Muskelschmerzen und Ödeme im Augenbereich. Wird der Herzmuskel befallen, verläuft die Krankheit tödlich. Zur Infektion kommt es durch den Verzehr von nicht oder ungenügend erhitztem Schweinefleisch, das infiziert ist. Trichinellose ist hierzulande bei Mensch und Tier meldepflichtig. Der einzellige Parasit verursacht die Amöbenruhr, eine Infektion des Dickdarms. Sie äussert sich in blutigem und schleimigem Stuhl, verbunden mit Durchfall, Bauchschmerzen und Fieber. Bei starker Erkrankung können 40 bis 50 Stuhlentleerungen pro Tag vorkommen. Wenn sich der Parasit im Körper ausbreitet, kann es zu tödlichen Geschwüren in der Leber und anderen Organen kommen. Kryptosporidien kommen weltweit vor. Sie werden über verunreinigtes Wasser oder mit solchem gewaschene Lebensmittel übertragen. Eine Infektion äussert sich bei gesunden Menschen in akutem Durchfall. Bei Personen mit geschwächtem Immunsystem kann sie zu chronischem Durchfall führen. So sollen etwa drei Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit Aids auf Kryptosporidien zurückgehen. Der einzellige Parasit befällt Katzen. Als Zwischenwirt dient ihm praktisch jedes andere Wirbeltier. Die Infektionsrate beim Menschen liegt je nach Region zwischen 10 und 80 Prozent. Die Infektion verläuft meist ohne Symptome. Problematisch wird es bei Schwangeren, wenn der Parasit in die Plazenta eindringt, was zu einer Fehlgeburt führen kann. Bei Personen mit gestörtem Immunsystem kann eine Toxoplasmose zu Wesensveränderungen, Lähmungserscheinungen und Krampfanfällen führen. Der Fuchsbandwurm kann beim Menschen die bläschenartige Echinokokkose, eine lebensgefährliche Wurmerkrankung auslösen. Dabei bilden sich Zysten in den inneren Organen. Die Zysten können sich unbemerkt wie Tumore ausbreiten, was unbehandelt innerhalb von zehn Jahren in über 90 Prozent der Fälle zum Tod führt. Eine Infektion erfolgt durch das Verschlucken von Eiern des Fuchsbandwurms. (Im Bild: von den Larven gebildete Bläschen in der Bauchhöhle einer Baumwollratte) Der Bandwurm ist nur drei bis sieben Millimeter lang, kann aber beim Menschen die zystische Echinokokkose auslösen. Die Bandwurmlarven, Finnen genannt, können in Leber, Lunge, selten auch in Milz, Nieren und Gehirn zur Bildung von Zysten führen. Die Symptome können jahrelang unentdeckt bleiben. Menschen können sich durch die Einnahme von Eiern aus Hundekot infizieren, entweder über verunreinigte Lebensmittel, direkten Kontakt oder verunreinigte Erde. Der Schweinebandwurm lebt im Darm des Menschen und kann mehr als acht Meter lang werden. Die Infektion erfolgt durch die Einnahme von Larven in nicht oder ungenügend erhitztem Schweinefleisch, das infiziert ist. Im Darm wächst der Wurm, indem er fortlaufend neue Glieder bildet. Er ernährt sich von den Nährstoffen im Darm, was beim Wirt zu Mangelernährung führen kann. Werden statt Larven Eier eingenommen, können diese eine Zystenbildung hervorrufen, die Epilepsie auslösen kann.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Es klingt wie ein Horrorfilm: Parasiten bohren sich ins Gehirn, verursachen heftige Schmerzen, neurologische Ausfälle und können im schlimmsten Fall zum Tod führen. Genau das kommt auf den Inseln des US-Bundesstaats Hawaii derzeit gehäuft vor.

Umfrage
Haben Sie sich schon einmal mit einem Parasiten infiziert?
3 %
15 %
34 %
48 %
Insgesamt 2392 Teilnehmer

In den vergangenen drei Monaten infizierten sich dort mindestens sechs Menschen mit dem Parasiten Angiostrongylus cantonensis, berichtet die US-Gesundheitsbehörde CDC. Aus den zwei Jahrzehnten zuvor sind dagegen nur zwei dokumentierte Fälle bekannt.

Über Tiere und Nahrung zum Menschen

Der Parasit wird auch als Ratten-Lungenwurm bezeichnet, weil er in ausgewachsener Form nur in Ratten vorkommt. Diese scheiden die Larven des wurmartigen Schmarotzers jedoch wieder aus. Schnecken, Krabben, Krebse, Fische und Frösche nehmen diese dann auf und tragen so ihrerseits zur Verbreitung bei.

Wenn Menschen nun mit diesen oder mit kontaminiertem Obst und Gemüse in Berührung kommen, können auch sie sich infizieren. Medienberichten zufolge tragen rund 80 Prozent der Schnecken auf den hawaiianischen Inseln die Larven in sich. Deshalb wird nun davor gewarnt, potenzielle Überträger mit blossen Händen zu berühren.

Bestialische Schmerzen

Oft verläuft die Infektion ohne Symptome und der Parasit verschwindet unbemerkt. Doch in besonders schlimmen Fällen frisst sich Angiostrongylus cantonensis ins Gehirn der Befallenen vor, wo er eine Meningoenzephalitis – eine Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute – auslösen kann, die mit starken Schmerzen, Zittern, Taubheit und Fieber eingeht.

Wie sich das anfühlt, schilderte eine Betroffene dem Online-Portal «Honolulu Civil Beat»: «Es war, als würde mir jemand plötzlich mit einer langen Nadel durch eine weiche Stelle oben am Kopf stechen, die er dann weiter Richtung linkes Ohr, dann wieder hoch zur Schläfe und schliesslich von hinten nach vorn hinter mein rechtes Auge schob.» Weil ihre Beine taub sind, ist sie zudem auf eine Gehhilfe angewiesen.

Eine spezielle Behandlung gegen den Parasiten gibt es übrigens nicht: Patienten erhalten lediglich Antibiotika gegen die Infektion und Schmerzmittel.

(fee)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • SmilingFish am 13.04.2017 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Offene Nahrungsmittelgrenzen

    Aus der Region ... für die Region! Das hat eben schon was ...

    einklappen einklappen
  • Worrmester am 13.04.2017 12:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erkrankung

    Ich habe eine bekannte in Hawaii, diese hatte den Wurm, es war so schrecklich, nicht vorstellbar...

    einklappen einklappen
  • CookingSamurai am 13.04.2017 13:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So gemein...

    Da möchte ich mich ein wenig gesünder ernähren und dann lese ich diesen Titel! Na danke schön!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ozzly am 14.04.2017 07:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf in die nächste Runde!

    Die Pest wurde dereinst auch von Ratten übertragen. Unhaltbare hygienische Zustände trugen das ihre bei. Vielerorts auf der Welt herrschen wieder ähnliche Zustände wie damals. Nur, heute wird viel mehr und viel schneller gereist. Ring frei für die nächste Geisel der Menschheit. Diesmal sind es vielleicht Würmer...

  • Chris am 13.04.2017 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Globalisierung...

    Tja, als Mitte der 80er Jahre im US-Städtchen Lyme die Bewohner gehäuft an Gelenkserkrankungen litten, hatte man das untersucht. Gefunden wurde der Erreger rasch und man benannte die Krankheit nach eben jenem kleinen Ort. Kaum 15 Jahre später war das Bakterium bereits bei uns verbreitet. Geht mit diesem Parasiten wohl auch so.

    • Zecke am 14.04.2017 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Chris

      Hoch lebe die Lyme-Birreliose! Ich denke aber, dass es die hier schon gab, nur hat man sie nicht hier entdeckt sondern in Lyme.

    einklappen einklappen
  • Condorman am 13.04.2017 19:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Normal

    Etwas gibt es immer! Was sind 100 Menschen zu 7 Milliarden? Natürlich!

  • Martin am 13.04.2017 18:45 Report Diesen Beitrag melden

    Kratzt mich wenig

    Ich esse zum Glück nur Schweizerfleisch mit Schweizer-Teigwaren jeden Tag.

  • Jacqueline am 13.04.2017 17:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    jaja und und und

    Ich hab heute ein Smiley face denn mir ist so ein "unmögliches" beinahe Crash mit einem Lastwagen auf der Autobahn Richtung Basel geschehen wie in Videos die man manchmal sieht, wo eine Person glimpflich davon kommt. Lustiges Gefühl, da ist nicht mal Zeit für geschockt zu sein. Drum sag ich euch einfach mal so. Statt immerzu Angst zu haben lebt doch einfach den jetzigen Moment :)... Habt eine schöne Zeit