Falsche Hoffnung

19. August 2017 16:16; Akt: 19.08.2017 16:16 Print

Alternative Krebsmedizin verdoppelt Sterberisiko

Menschen, die ihre Krebserkrankung mit alternativer statt mit konventioneller Medizin bekämpfen, laufen Gefahr, früher zu sterben.

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Eine Krebsdiagnose macht Angst. Aus Sorge, die Krankheit nicht zu überstehen, wenden sich einige Betroffene von der Schulmedizin ab und setzen all ihre Hoffnungen in alternative, das heisst nicht wissenschaftlich bestätigte, Methoden.

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Das scheint jedoch keine gute Entscheidung zu sein, wie eine im «Journal of the National Cancer Institute» erschienene Studie zeigt. Laut dieser haben die Ausweicher ein weitaus höheres Sterberisiko, wie die verantwortlichen Forscher der Yale University im US-Bundesstaat Connecticut schreiben.

Direkter Vergleich

Für die Arbeit wertete die Gruppe um Skyler Johnson die Daten von Krebspatienten aus, die in der amerikanischen National Cancer Database aufgeführt sind. Darin ist neben den Behandlungsmethoden auch jeweils der Ausgang der Therapie dokumentiert.

Bei der Auswertung identfizierten Johnson und seine Kollegen 281 Patienten, die entweder an Brust-, Prostata-, Lungen- oder Darmkrebs erkrankt waren und ganz auf die Heilung durch alternative Methoden gesetzt hatten. Welche Therapieformen sie anstelle von Chemotherapie und Operationen wählten, war jedoch nicht verzeichnet.

Den Erfolg dieser Behandlungen verglichen die Wissenschaftler anschliessend mit dem von 560 anderen Krebspatienten, die sich konventionell hatten behandeln lassen und die in puncto Alter, Geschlecht und Art der Erkrankung den Anwendern alternativer Methoden entsprachen.

Deutliche Ergebnisse

Die Analyse zeigte, dass Krebspatienten, die der Alternativmedizin vertrauen, im Schnitt ein zweieinhalbmal so grosses Risiko haben, innerhalb von fünf Jahren nach der Diagnose zu sterben.

Bei den verschiedenen Krebsarten gab es jedoch deutliche Unterschiede. So starben Menschen mit Brustkrebs 5,68-mal häufiger im relevanten Zeitraum als solche, die sich auf Therapien aus der Schulmedizin verlassen hatten. Bei Lungenkrebs lag das Sterberisiko von alternativ behandelten Patienten doppelt so hoch.

Die Erkenntnisse belegen, wovon viele schon lange ausgingen: «Es gibt keine Beweise, dass alternative Methoden irgendjemandem helfen – ausser jenen, die Geld damit verdienen», so John Bridgewater, Onkologe am University College London Hospital im «New Scientist».


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter am 19.08.2017 16:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld

    Das einzige was wichtig wäre, ist nicht vorhanden.... WER hat diese Studie finanziert?

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  • Stefan Iten am 19.08.2017 16:32 Report Diesen Beitrag melden

    Quantität und Qualität

    Quantität und Qualität sind unterschiedliche Dinge. Was nützt es wenn man länger lebt aber der Zustand nicht lebenswert ist? Die Schulmedizin hat das Augenmerk nur auf der Lebensdauer und nicht in der Qualität!!

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  • HC am 19.08.2017 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht sehr sinnvolle Schlagzeile!

    281 Patienten mit den unterschiedlichsten Krebsarten erscheint mir nicht allxu aussagekräftig um eine generelle Aussage zu alternativen Formen der Behandlung zu äussern. Vergleichbare Studien aus anderen Ländern mit mehr Teilnehmern und spezifiziert zu Krebsarten und Risikogruppen wäre wünschenswert. Insbesondere mit dem Hintergrund das viele Studien in dem Bereich von Unternehmen in Auftrag gegeben werden und die Resultate bereits bei Auftrag feststehen. Siehe Aufdeckungen durch Aaron Schwartz.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Phyto Kneipp am 19.08.2017 20:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Onkologen würden keine Chemo machen

    Wer will da vor allem Geld verdienen? Kenne aktuell 4 Personen, denen es mit Schulmedizin hundemies geht, parallel 1 Person, wo die Chemo sie so kaputt gemacht hat, dass sie sich nach dem erfolgreichen Abbrechen der Chemo, umstellen auf basisch, vegetarische Ernährung plus phytotherapeutische " Chemo", darüber beklagt, heute vor allem an den Folgen der Chemo zu leiden. Und Personen, deren Krebs verschwand, nach der phytotherpeut. Behandlung!

  • Claudio am 19.08.2017 20:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kombination ist wichtig

    Was jedoch auf jeden Fall statistisch bewiesen ist, ist die Tatsache, dass Krebspatienten mit der Kombination von Schul- und Alternativmedizin eine deutlich längere Überlebenszeit aufweisen als Patienten die mit reiner Schulmedizin behandelt wurden. Siehe z.B. Studien Lungenkarzinom Stadium 4 (mit Metastasen)

  • A.Santiago am 19.08.2017 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele haben Angst vor der Chemotherapie

    Bei den Krebs-Artikeln muss ich immer wieder meine Erlebnisse schreiben. Es gibt viel zu viele, die Chemotherapie mit dem Todesurteil gleichsetzen. Bei mir wurde am 14. August 1991 die Diagnose Hodenkrebs gestellt. Nach dieser Schockdiagnose musste ich innerhalb eines Tages mein Leben neu organisieren. Am nächsten Tag wurde mir eine Hode entfernt. In einer zweiten Operation wurden mir einige Lymphknoten entfernt. Anschliessend musste ich fünf mal eine einwöchige Chemotherapie mit vierwöchigen Pause durchführen. Anschliessend wurde ich zehn Jahre lang Jährlich einer Kontrolle unterzogen.

  • Mutter am 19.08.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pharma-Bund

    ... mir sagt ein Krebs-Spezialist,, wen man gleichvil Vitamin C nehmen würde, bei einer Chemo, würde man nur ein kleiner Teil von dem Gift einnehmen müssen,, ich fragte Ihn,, warum nehmen den Sie das V nicht,,Arzt: dürfen das nicht, der Bund gibt kein e erlaubnis dafür.. musste ansehfn wie mein junger Sohn zugrunde ging mit dem Gift Chemo

  • Pinsel am 19.08.2017 20:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jedem seine Entscheidung

    Es ist doch schlussendlich jedem seine Entscheidung (die ganz gewiss NICHT einfach ist), wie er/sie sich behandeln lassen möchte, oder eben nicht... Weiss man wies gekommen wenn...? Nein, das weiss man leider nicht... Ich mag es jedem gönnen, dessen Leben durch eine Therapie verlängert wird... Habe selber eine chronische Krankheit, und ich weiss, was es heisst gewisse Entscheidungen zu treffen... und selber habe ich auch soeben jemanden an Krebs verloren... Sie hatte sich damals gegen die Schulmedizin entschieden, aber noch einige Jahre das Leben genossen... So bleibt dies doch individuell..