Ganz neuer Ansatz

06. Dezember 2017 19:18; Akt: 06.12.2017 19:30 Print

Alzheimer dank Schweizer Forschern bald heilbar?

Bislang ist Alzheimer unheilbar. Doch womöglich haben Wissenschaftler der ETH Lausanne einen Weg gefunden, das zu ändern.

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Wen heute die Diagnose Alzheimer trifft, weiss, was auf ihn zukommt: eine zunehmende Verschlechterung der kognitiven Leistungsfähigkeit. Denn es gibt nichts, was die Erkrankung heilen könnte. Im Bild: Alzheimer-Patientin Alice (Julianne Moore) im Film «Still Alice – Mein Leben ohne Gestern», 2014. So ist es zumindest bisher. Doch Forscher der ETH Lausanne haben in einer Studie mit Mäusen offenbar einen Weg gefunden, den voranschreitenden Gedächtnisverlust zu stoppen und die kognitiven Funktionen zu normalisieren. Anders als andere Forscher betrachteten die Lausanner ... ... Alzheimer als Stoffwechselstörung und konzentrierten sich auf die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, die diese regenerieren. Dabei zeigte sich, dass Mitochondrien spezifische Stress-Proteine abwehren können und die Bildung von für Alzheimer typischen Eiweissablagerungen reduzieren helfen. Die Resultate sind laut dem Team um Johan Auwerx äusserst ermutigend und haben grösste Bedeutung für weitere klinische Studien: «Alzheimer durch Mitochondrien anzupacken, könnte den Unterschied ausmachen.» Wie Alzheimer vorgebeugt werden kann, haben in einer anderen Studie finnischen Forscher herausgefunden. Sie empfehlen Saunabesuche. Dabei herrschen Temperaturen zwischen 80° C und 100° C. Um die Luftfeuchtigkeit und damit die gefühlte Temperatur noch zu erhöhen, wird Wasser über heisse Steine gegossen, die auf dem Sauna-Ofen liegen. Wer sich dem regelmässig aussetzt, profitiert auf ganzer Linie. Demnach stärkt Saunieren nicht nur Immun- und Herz-Kreislauf-System, sondern senkt auch das Demenz-Risiko, Die Forscher hatten rund 2300 männliche Saunagänger in drei Gruppen aufgeteilt: Die Teilnehmer der ersten gingen einmal, die der zweiten zwei- bis dreimal und die der dritten vier- bis siebenmal pro Woche in die Sauna. Der Vergleich zeigte, je öfter die Männer schwitzten, desto geringer war ihr Risiko, jemals an Demenz zu erkranken. So hatten die Teilnehmer, die der dritten Gruppe zugeordnet waren, gegenüber den Probanden aus Gruppe eins ein um 66 Prozent niedrigeres Risiko. Die Forscher vermuten, dass dies am Herz-Kreislauf-System liegt. So wirke sich ein niedriger Blutdruck beispielsweise positiv auf das Gehirn aus. Vorstellbar ist aber auch, dass regelmässige Sauna-Gänger andere für das Gehirn positive Verhaltensweisen an den Tag legen. Welche Mechanismen tatsächlich eine Rolle für die Gehirngesundheit spielen, müssen weitere Untersuchen zeigen.

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Wer die Diagnose Alzheimer – die schwerste Form von Demenz – erhält, weiss, dass er sein Gedächtnis nach und nach verlieren wird. Denn die Krankheit zeichnet sich durch einen langsam fortschreitenden Untergang von Nervenzellen und Nervenzellkontakten aus.

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Die neurodegenerative Erkrankung gilt als irreversibel. So war es zumindest bisher. Doch ein neuer, vielversprechender Ansatz von Forschern der ETH Lausanne (EPFL) könnte das ändern.

Eine Stoffwechselkrankheit

Im Gehirn von Alzheimer-Kranken finden sich typische Eiweissablagerungen, sogenannte Amyloid-Plaques. Zum Krankheitsbild gehören Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Sprachstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsvermögens sowie Veränderungen der Persönlichkeit.

Die meisten Behandlungen konzentrieren sich auf den Abbau der Eiweissablagerungen, bisher aber ergebnislos. Aus diesem Grund haben Wissenschaftler begonnen, alternative Behandlungsstrategien zu suchen – eine davon betrachtet Alzheimer als Form einer Stoffwechselkrankheit.

Ein Wissenschaftsteam um Johan Auwerx legte das Augenmerk nun auf das Mitochondrium. Dabei handelt es sich um ein Zellorgan, das von einer Doppelmembran umschlossen ist und eine eigene Erbsubstanz enthält. Das Mitochondrium ist eine Art Kraftwerk, durch welches Zellen regeneriert werden. Damit ist dieses Organ auch zentral für den Stoffwechsel.

Doppelte Abwehrstrategie

Bei Versuchen mit Würmern und Mäusen haben die Wissenschaftler festgestellt, dass eine Steigerung der Mitochondrien spezifische Stress-Proteine abwehren kann und zugleich die Bildung von Eiweissablagerungen reduzieren hilft. Ausserdem wurde eine bemerkenswerte Normalisierung der kognitiven Funktionen bei den Mäusen beobachtet.

Die Resultate sind laut Auwerx äusserst ermutigend und haben grösste Bedeutung für weitere klinische Studien: «Alzheimer durch Mitochondrien anzupacken, könnte den Unterschied ausmachen.» Die Forschungsergebnisse wurden in der Fachzeitschrift «Nature» publiziert.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Uschle am 06.12.2017 19:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demenz

    Das wäre super, mit der Forschung könnten viele Demenzkranken geholfen werden, den es ist traurig wenn jemand Demenz hat und Du (wir) nur Ohnmächtig zusehen müssen wie es schlimmer wird und man gar nicht tun kann dagegen. Ein Hoch auf die Forschung Danke

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  • Lyka am 06.12.2017 19:39 Report Diesen Beitrag melden

    Bald?

    Ich denke, es wird irgendwann behandelbar sein. Aber das kann noch lange dauern, bis es soweit ist. Es wirklich eine grausame Erkrankung. Gut gibt es intelligente Menschen, welche an einer Heilungsmethode arbeiten. Danke.

  • Rüedu am 06.12.2017 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jede Demenzform ist schwer...

    Alzheimer ist nicht die schwerste Form von Demenz. Es ist die am häufigsten vorkommende und die Bekannteste der über 100 Formen von Demenz. Recherchieren wäre kein Luxus...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike am 07.12.2017 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    Löst eure Konflikte

    dann bleibt ihr gesund! Alles hat ein seelischer Ursprung - ist auch nicht neu. Auch das Thema Psychosomatik ist interessant. Christiane Beerlandt lässt grüssen.

  • René am 07.12.2017 18:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Demenz macht Angst

    Bei den vielen schwachsinnigen Behauptungen die ich hier gelesen habe könnte man denken das jeder selbst schuld ist wenn er an Demenz erkrankt . Dem ist nicht so . Es lässt sich auch nicht behaupten es erkranken nur Leute mit hohem IQ oder niedrigem IQ . Es gibt überhaupt kein Muster . Es kann jeden treffen . In meiner Familie ist es , und das macht mir Angst , relativ häufig . Meine Grossmutter hatte Demenz , mittlerweile hat auch meine Mutter und ihr Bruder Demenz . Nicht die gleiche Form kommt noch dazu . Ich hoffe das die Forschung endlich vorwärts kommt im Kampf gegen diese grausame Krankheit . Es gibt wirklich nichts schlimmeres als mit anzusehen wie ein Familienmitglied während Jahren von einem geht .

  • leontine am 07.12.2017 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich Schweizer

    schauen sie doch mal, ob es nicht ausländische Fachkräfte sind, die erfolgreich sind.

    • Fritz Franz am 07.12.2017 13:48 Report Diesen Beitrag melden

      was hat das bitte mit der Sache zu tun

      was hat das bitte mit der Sache zu tun? Haben Sie den text nicht gelesen?

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  • Karl am 07.12.2017 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Weiss man schon lange

    Man weiss, dass Alzheimer duch Aluminium-Ablagerungen im Körper gefördert wird. Hört auf Aluminium zu knsumieren und beginnt das Metall aus dem Körper auszuleiten. Gibt genug Infos dazu.

    • Pete am 07.12.2017 13:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Karl

      Finde zu der Behauptung spontan nur Aussagen von "alternativen" Seiten. Gibt es da auch verlässliche Quellen, oder reiht sich dieses "Wissen" nahtlos bei anderen Alternative Fakten wie "Impfungen verursachen Autismus", "Gen-Food verursacht Krebs", "wir werden mit Chemtrails vergiftet" und "die Erde ist Flach" ein?

    • werner am 07.12.2017 13:04 Report Diesen Beitrag melden

      oder auch nicht

      Wenn's so einfach wäre, gäbe es ja wohl kein Alzheimer mehr, oder?

    • Tempo am 07.12.2017 19:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl

      Das einzige was da ausgeleitet wird, ist ganz herkömmliches Geld aus dem Geldbeutel! Ich versuch jetzt dann mal mit alternativer Währung (Liebe, Energie und Achtsamkeit) in der Naturapotheke zu bezahlen. Toitoitoi

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  • Sinnvoll? am 07.12.2017 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Prioritäten setzen

    Nun ja, die Forschung nach Heilmitteln für Erkrankungen welche meist erst im Alter auftreten, sehe ich eigentlich nicht unbedingt als erste Priorität...

    • Spaniel am 07.12.2017 12:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sinnvoll

      In welchem Alter sehen Sie denn eine Priorität? Nicht nur alte Leute sind betroffen - und auch diese haben ein Anrecht dass Ihnen geholfen wird.

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