Diabulimie

25. September 2017 13:57; Akt: 25.09.2017 13:57 Print

Beckys Leben hing lang an einem seidenen Faden

Becky Rudkin litt fast 12 Jahre lang an der laut ihr «gefährlichsten Essstörung der Welt». Und keiner kennt sie.

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Schon mit acht Jahren fühlte sich Becky Rudkin aus Grossbritannien zu dick. Sie wurde in der Schule gemobbt und hungerte so lang, bis sie nur noch Haut und Knochen war. Ihre Krankheit wurde damals nicht erkannt.

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Mit 19 kam dann die Diagnose Diabetes Typ 1 dazu (siehe Box). Doch Rudkin liess der Gedanke nicht los, dass Menschen glauben könnten, sie habe die Krankheit mit einem schlechten Lebensstil selbst verschuldet.

Zwei Krankheiten aufs Mal

Diabetiker müssen sich Insulin spritzen, um den Zucker, den sie aufnehmen, verarbeiten zu können. Geschieht das nicht, muss der Körper zuerst Fett und dann den Rest des Körpers zersetzen, um seinen Energiebedarf abzudecken.

Als Rudkin realisierte, dass sie schnell abnehmen kann, indem sie sich einfach kein Insulin spritzt, begann der Teufelskreis: Durch die Essstörung ass sie sowieso schon wenig – und nun spritzte sie sich auch kein Insulin mehr. In solchen Fällen sprechen Ärzte von Diabulimie.

Von innen aufgefressen

Rudkins Körper begann, sich von innen zu zersetzen. Bald war kein Körperfett mehr da, die Muskelmasse schwand. Ihr Körper griff schliesslich seine eigenen Organe und Knochen an. Es dauerte nicht lang, bis sie nur noch auf Krücken gehen konnte.

Ärzte sagten ihr später, ihre Knochen ähnelten Bienenwaben und Brei. Doch sie spürte nichts, denn auch ihr Nervenkostüm war stark beschädigt.

Ein Jahr lang leiden

Erst als sie dreimal innerhalb eines Jahres in ein diabetisches Koma fiel, wurden Psychologen im Spital auf sie aufmerksam. In einer Klinik in Schottland konnte sie den Klauen der Krankheit, die sie als die «gefährlichste Essstörung der Welt» bezeichnet, schliesslich entkommen.

Nach mehr als zwei Jahren konnte Rudkin schliesslich entlassen werden. Sie selbst würde sich noch nicht als geheilt bezeichnen, aber auf dem Weg dorthin. Nun arbeitet sie daran, ihre Beine wieder richtig bewegen zu können. Der Schaden war so gross, dass sie noch immer nicht Rad fahren oder tanzen kann.

Keine Krankheit

Und trotzdem ist die Essstörung nicht offiziell als Krankheit anerkannt. Dabei kann das Weglassen von Insulin auch für gesund aussehende Diabetiker sehr gefährlich sein. Durch die hohen Blutzuckerwerte können Patienten erblinden, ihre Nieren kaputtmachen und ihr Nervenkostüm beschädigen.

(heute.at/fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Diabetikerin Typ 2 am 25.09.2017 14:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Diabetes Typ 2 selber schuld?

    Der Artikel und die Informationen zu Typ 1 und Typ 2 sind sehr schlecht! Bin selber mit ca. 40 Jahren an Typ 2 erkrankt, war immer schlank und sportlich. Bemerkt hat man es in der Schwangerschaft. Trotzdem höre ich immer wieder, dass es am Übergewicht liegt und man selber schuld sei...echt diskriminierend!

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  • melli am 25.09.2017 14:24 Report Diesen Beitrag melden

    stimmt nicht ganz

    mit einer bulimie isst man nicht wenig,sondern viel.

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  • Frau Fraglich am 25.09.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Innere Zersetzung

    Passiert das nicht sowieso, wenn man nichts isst?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Céline am 26.09.2017 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Besserung 

    Wünsche ich

  • yen am 26.09.2017 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    falsch

    der körper baut nicht zu erst fett und dann muskeln ab sondern umgekehrt.

  • Swissgirl am 26.09.2017 07:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zuschauen, handeln

    Da ist wohl zur Grunderkrankung der Diabetes noch die Selbstzerstörung hinzugekommen. Eine tödliche Kombi. Sie wird wohl mit Folgeschäden leben müssen. Schlimm was Mobbing und der allgegenwärtige Schlankheitswahn auslösen können. Ich frage mich allerdings ob ihrem Umfeld. Da wurden wohl etliche Signale übersehen. Meine Tochter hatte in der Erstausbildung auch eine depressive Phase. Ich habe da keine zwei Monate zugeschaut sondern gehandelt, auch wenn sie sich anfänglich geschämt hat mir zu erzählen was vorgefallen ist. Jetzt ist sie froh es getan zu haben, vor allem aber ist sie wieder gesund.

  • PingDong am 25.09.2017 16:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht alleine

    Sie ist nicht die Einzige die das hat...

  • Frau Fraglich am 25.09.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Innere Zersetzung

    Passiert das nicht sowieso, wenn man nichts isst?

    • :( am 25.09.2017 18:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frau Fraglich

      Ja klar, allerdings geht es so natürlich um einiges schneller..

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