Seltene Krankheiten, Teil 12

18. Dezember 2008 12:13; Akt: 18.12.2008 15:52 Print

Bei lebendigem Leib verwest

Plötzlich beginnt ein Teil des eigenen Körpers zu verfaulen - ein Horrorszenario, das Bo Salisbury am eigenen Leib erfahren hat.

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Am 9. Mai 1998 traf sich der Amerikaner Bo Salisbury mit einigen Freunden zum Hallenfussball. Plötzlich ein dumpfer Schmerz: Ein Mitspieler traf ihn am Knöchel - für den Hobbysportler überhaupt kein Problem. Das folgte erst am darauffolgenden Morgen um 10:00 Uhr, als sein am Vortag nur leicht verletzter Knöchel zu schmerzen begann. «Um 14:00 Uhr hielt ich es nicht mehr aus und meine Frau Denise brachte mich zu einem befreundeten Radiologen ins Spital», erzählt er auf seiner Homepage. Der Arzt Mark Richey diagnostizierte eine herkömmliche Sportverletzung. Also entliess er Salisbury mit Medikamenten gegen die Schmerzen.

Eine Blutuntersuchung brachte Gewissheit

Am 11. Mai, es war ein Montag, spitzte sich für den Leidenden die Situation zu: Eine Schwester des Spitals wies Salisbury an, die Dosis der Schmerzmittel zu verdoppeln. Wenig später fehlte dem Amerikaner jegliche Kraft, er konnte sich nur noch kriechend fortbewegen. Erst dann wurde der Verletzte stationär im Spital aufgenommen - buchstäblich in letzter Minute: Nur wenig später erlitt Salisbury multiples Organversagen. Nachdem sein Zustand einigermassen stabil war, brachte ihn die Ambulanz in ein anderes Spital. Die Resultate einer Blutuntersuchung brachten dann die erschreckende Gewissheit: Nekrotisierende Fasziitis, eine äusserst seltene bakterielle Erkrankung, die das Gewebe lebender Menschen buchstäblich verwesen lässt.

Mit der gesicherten Diagnose begann für den Amerikaner das nächste Martyrium: Die Behandlung bestand zum einen aus der Gabe eines Antibiotikums, zum anderen aus einer Operation, bei der das von der Fäulnis betroffenen Gewebe während fünf Operationen vom kleinen Zeh bis hinauf zur Hüfte entfernt wurde. Während dieser Zeit erlitt Salisbury einen toxischen Schock, einen Zwischenfall, den er nur um ein Haar überlebte. «Ich entkam nur knapp einer Amputation», erzählt er - glücklicherweise war es möglich, das Bein zu retten. Mit dem Kranken ging es endlich bergauf.

Im August 1998 konnte Salisbury entlassen werden. Seine Wunden verheilten erstaunlich gut und er erfreut sich heute bester Gesundheit.

(rre)