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06. April 2010 14:46; Akt: 06.04.2010 14:46 Print

Bewegungsdrang ist angeborenBewegungsdrang ist angeboren

von Kathrin Fischer - Kindern sollte man ständiges Stillsitzen am besten erst gar nicht angewöhnen. Der menschliche Körper ist nicht für die Bewegungslosigkeit geschaffen.

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Kinder müssen und sollen sich bewegen. colourbox.com

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Ständiges Sitzen ist für den Menschen ungesund. Das zeigen über zwei Millionen Erkrankungen pro Jahr, unter denen Erwachsene in der Schweiz infolge von Bewegungsmangel leiden.

Unsere moderne Welt ist so eingerichtet, dass wir uns kaum mehr bewegen müssen. Das übernehmen für uns Auto, Zug und Lift. Die 650 menschlichen Muskeln, die in der Vergangenheit wichtig waren, um zu jagen und zu sammeln, zu kämpfen und zu fliehen, haben Pause.

Bewegung gehört zum Körper

Auch wer denkt, er bewege sich genug, bewegt sich lang nicht so viel wie die Steinzeitmenschen es taten. Diese legten früher bis zu 25 Kilometern täglich zu Fuss zurück. Der menschliche Körper hat sich seither nicht mehr verändert, sich also den modernen Lebensgewohnheiten und Alltagsbequemlichkeiten nicht angepasst. Er ist immer noch auf Bewegung eingestellt. Fehlt sie, produziert er Herz-Kreislaufprobleme, Rückenprobleme, Verdauungsprobleme, Atemprobleme. Und auch das Immunsystem funktioniert weniger gut.

Natürliche Zappelphilippe

Dass Bewegung ursprünglich zu unserem Körper gehört, zeigen uns vor allem die Kinder. Ihnen ist oft ein natürlicher Bewegungsdrang angeboren. Gut tut, wer ihn dem Kind nicht aberzieht, sondern es schafft, ihn in gesunde Bahnen zu lenken. Mit der Mitgliedschaft in einem Sportverein, mit Spielen im Freien, mit Ausflügen. Wer zulässt, dass sich das Kind dauernd vor den Fernseher setzt oder an das Computerspiel, begünstigt vielfältige Erkrankungen, die aufgrund von Bewegungsarmut entstehen können. Dass heute jedes fünfte Kind übergewichtig ist, liegt nicht nur an der Ernährung, sondern vor allem auch am Bewegungsmangel.

Untrainierte Schweiz

Nur etwa die Hälfte der Schweizer Erwachsenen bewegt sich gemäss den Resultaten der Schweizer Gesundheitsbefragung 2008 genügend. Trainiert und fit sind noch weniger. Immerhin bringen 40 Prozent ihren Körper mehr als drei Mal in der Woche bewegt zum Schwitzen. Drei Mal Schwitzen pro Woche ist nötigt, um den Körper geschmeidig zu halten und den besten Effekt auf die Gesundheit zu erzielen. Sechs Prozent der Erwachsenen erreichen noch die Mindestempfehlung: Sie bewegen sich mindestens 30 Minuten täglich aktiv mit beschleunigter Atmung.

Die andere Hälfte der Bevölkerung bewegt sich zu wenig. Zum Teil massiv zu wenig. Fast zehn Prozent der in der Schweiz lebenden Erwachsenen schaffen nicht einmal eine halbe Stunde pro Woche Bewegung. Zwischen Auto, Bürostuhl und Sofa gehen diese Menschen den Weg des geringsten Widerstandes. Ohne Bewegung aber mutiert die Menschheit zu einer sitzenden Gesellschaft: Vor dem Computer, dem Fernseher, im Auto, im Tram, draussen und im Flugzeug.

Sterben die Fussgänger aus?

Fussgänger sind in unserer Gesellschaft, die sich Mobilität und Flexibilität auf die Fahne geschrieben hat, am Aussterben. Immer weniger Bewegung im Alltag wird zu Fuss zurückgelegt. 1997 gaben noch 55 Prozent an, die täglichen Wegstrecken zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Freizeit manchmal zu Fuss zu gehen. 2002 waren es noch 50 Prozent. Eine Trendwende scheint nicht in Sicht. Wir entwickeln uns zu einer Gesellschaft, in der körperliche Bewegung zunehmend aus dem Alltag verschwindet.

Der gute Vorsatz nützt nichts

Die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer bewegt sich zu wenig. Und weiss es nicht einmal. Denn die Selbsteinschätzung des Bewegungsniveaus stimmt oft mit der Realität nicht überein. Wer mit dem Plan losmarschiert, sich eine halbe Stunde zu bewegen, dann auf einen Bekannten trifft und zum Plaudern stehen bleibt, hat sich nach Gefühl trotzdem eine halbe Stunde lang bewegt.

Doch bei der Bewegung ist nicht der gute Vorsatz entscheidend, sondern das, was man effektiv getan hat. Die Dauer ist dabei kein verlässliches Kriterium. Dann schon eher die Intensität. Nur dann, wenn die Muskulatur ins Spiel kommt, der Kreislauf sich beschleunigt, Puls und Atem steigen, hat Bewegung auch die gewünschte positive Wirkung. Die Faustregeln für richtige Fitness finden Sie in der Info-Box.