Multiresistenter Keim

24. Oktober 2017 17:06; Akt: 24.10.2017 17:06 Print

Blasenentzündung bald kaum mehr behandelbar?

Harnwegsinfekte können lebensgefährlich sein. In Zukunft möglicherweise sogar noch häufiger, denn der verantwortliche Keim ist multiresistent geworden.

Bildstrecke im Grossformat »
In Deutschland breitet sich ein multiresistenter Stamm des Darmkeims Escherichia coli aus, warnen Forscher der Universität Giessen. Waren 2006 noch null Proben von dem Keim betroffen, konnte er 2016 bereits in 45 Prozent der untersuchten menschlichen Stuhlproben nachgewiesen werden. Unklar ist derzeit noch, welche Folgen die Ausbreitung hat. Sicher ist aber: Der Erreger könnte, genauso wie andere multiresistente Keime vor allem bei Kranken und Menschen mit schwachem Immunsystem heftige Blasenentzündungen auslösen. Mehr zu Harnwegsinfekten erfahren Sie auf den nächsten Bildern. , da die weibliche Harnröhre kürzer ist als die männliche und Krankheitserreger schneller ihr Ziel erreichen. Laut einer im «British Journal of Family Medicine» veröffentlichten Studie leidet jede zweite Frau mindestens einmal in ihrem Leben an einer Blasenentzündung. Für sie steigt das Risiko ab dem 50. Lebensjahr. Grund: Männer in dem Alter haben oft eine vergrösserte Prostata und eine verengte Harnröhre. Dadurch wird der Harnabfluss behindert, sodass sich vermehrt Krankheitserreger in Blase und Harnröhre sammeln. Unter anderem trinken Frauen dann oft zu wenig, was verhindert, dass die Bakterien aus der Blase gespült werden. Zudem steigert Wassersport das Risiko, mit den Bakterien in Kontakt zu kommen. Auch nasse Bikini-Höschen tragen zu diesem Effekt bei. , weil Sex zu Schleimhautverletzungen und Harnröhren-Reizungen führen kann. Durch die gleichzeitige Veränderung des Scheidenmilieus können sich Erreger der Vagina auf der vorgeschädigten Schleimhaut vermehren und in die Blase gelangen. , denn jede Blasenentzündung lässt eine leicht entzündliche Wunde zurück. Frauen, die einmal die schmerzhafte Erfahrung gemacht haben, sind deshalb davon meist öfter wieder betroffen. , um sich gegen Zystitis zu schützen: Sie können weder einer Blasenentzündung vorbeugen noch ihre Heilung herbeiführen. Wichtiger ist es, sich immer von der Scheide zum After hin zu säubern und nach dem Geschlechtsverkehr möglichst bald aufs WC zu gehen. , meistens sind jedoch Darmbakterien verantwortlich, die über die Harnröhre in die Blase gelangen. In seltenen Fällen verursachen aber auch Viren, Pilze oder Würmer das Ziepen in der Blase. Nur er kann bestimmen, wie die Therapie aussehen muss. Verlässlich Linderung verschaffen in der Regel Antibiotika. Welches davon im Einzelfall das richtige ist, offenbart ein Urintest. So bleiben beispielsweise die gängigen Mittel gegen den häufigsten Zystitis-Erreger (E.coli) bei der Therapie oft wirkungslos. Konkret: Ampicillin versagt in 60 Prozent, Trimethoprim/Sulfamethoxazol in 30 Prozent der Fälle. Und selbst die alternativ eingesetzten Chinolone sind schon bei jeder zehnten Behandlung nutzlos. Steigt sie in die Nieren auf und weitet sich die Entzündung auf andere Organe aus, droht eine Nierenbeckenentzündung und im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung. Denn wenn sich über längere Zeit Urin in der Blase sammelt, können sich die Bakterien schneller vermehren. Auch den Harndrang sollte man nicht unterdrücken, weil dadurch die Blasenmuskulatur überdehnt und die Blase nicht mehr vollständig entleert wird. : Besser als stark gewürzte Speisen, viel Salz, Kaffee, Alkohol oder schwarzer Tee, die alle die Blase reizen und damit die Grundlage für eine Entzündung schaffen, sorgen Hülsenfrüchte, Fisch, Vollkorn und Gemüse für sauren Urin, in dem es Erreger schwerhaben. Lassen Sie die Strings und Synthetik-Unterhosen im Schrank und tragen Sie stattdessen bequeme Höschen aus Baumwolle. , um der Entzündung die Gelegenheit zu geben, vollständig abklingen zu können. Einziger Trost: In der Regel sind Harnwegsinfekte so schmerzhaft, dass die Lust auf Geschlechtsverkehr sowieso vergeht. Denn wer übertriebene Intimhygiene betreibt, beschädigt den Säureschutzmantel von Haut und Genitalbereich. Dadurch haben Bakterien leichtes Spiel und können schneller in den Körper gelangen

Zum Thema
Fehler gesehen?

Blasenentzündungen sind lästig und unangenehm. Davon können die meisten Frauen ein Lied singen. Denn in der Regel trifft es sie. Entsprechend fürchten sie eine Neuansteckung.

Umfrage
Haben Sie sich schon einmal mit einem resistenten Keim infiziert?

In Zukunft könnte die Sorge noch berechtigter sein, befürchten Forscher des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung an der Universität Giessen. Denn in Deutschland breitet sich zurzeit ein multiresistenter Stamm des Darmkeims E-Coli rasant aus, einer der häufigsten Erreger von Harnwegsinfektionen.

Von 0 auf 45 Prozent

Das Team um den Mikrobiologen Moritz Fritzenwanker hat untersucht, wie stark sich ST131 CTX-M27, so der Name des Keim-Stamms, in den letzten Jahren in Deutschland ausgebreitet hat. Dafür wurden mehr als 1000 Proben analysiert.

Dabei zeigte sich, dass der Keim 2009 noch in keiner deutschen Probe auftauchte. Sieben Jahre später sah das schon ganz anders aus, wie im Fachjournal «Emerging Infectious Diseases» nachzulesen ist. So identifizierten die Forscher den problematischen E-Coli-Stamm in 45 Prozent der menschlichen Stuhlproben aus dem Jahr 2016.

Das zeigt laut Fritzenwanker und seinen Kollegen deutlich, dass sich dieser Bakterienstamm in Deutschland zusehends ausbreitet. Damit mache die Studie deutlich, wie wichtig die Überwachung multiresistenter Keime sei.

Offene Fragen

Unklar ist derzeit noch, welche Folgen die Ausbreitung von ST131 CTX-M27 für Patienten – vor allem in Spitälern – hat und wie sich der Keim von den bisher kursierenden resistenten E-Coli-Stämmen unterscheidet.

Sicher ist aber: Er könnte, genauso wie andere multiresistente Keime, vor allem bei Kranken und Menschen mit schwachem Immunsystem heftige Blasenentzündungen und Blutvergiftungen auslösen.

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nina am 24.10.2017 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wundermittel D-Mannose

    Und wie immer in der CH... wird bei Blasenentzündung das einzige effektive und ungefährliche Mittel nicht erwähnt: D-Mannose!! Ein Zucker der aus der Birke gewonnen wird und das haften der Bakterien an die Blasenwände verhindert! Hab unter chronischen Blasenentzünd. gelitten bis ich dieses Wundermittel entdeckt hab! Pur eingenommen mit etwas Wasser, präventiv nach dem Geschlechtsverkehr und noch ein paar Tage weiter, abends vor dem Schlafengehen. Seither keine mehr!! Aber nein, schliesslich will ja die Pharmaindustrie mehr und mehr verdienen... und was ist da besser als resistente Keime?

    einklappen einklappen
  • Der SeheR am 24.10.2017 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zahltag

    Ist ein weiterer Schritt der zunehmenden Antibiotikaresistenz vor der die FMH seit Jahrzenten warnt. Nur weiter mit Massentierhaltung, Pestiziden etc. es ist Zahltag.

    einklappen einklappen
  • Purzelchen am 24.10.2017 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Femannose

    Bei E-Coli Bakterien hilft sehr gut Femannose Pulver . Nachteil bei Femannose das Produkt ist sehr teuer . Was auch noch sehr gut hilft , ist jeden Tag viel Wasser zu trinken .

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tribal-Cat am 02.11.2017 14:25 Report Diesen Beitrag melden

    Selbstimpfung mit E-Coli

    Nach mehreren und wiederkehrenden Blasenentzündungen haben mein Hausarzt und ich beschlossen eine medikamentöse Selbstimpfung mit E-Coli zur Anregung des Immunsystems und Vorbeugung von weiteren Blasenentzündungen durchzuführen. Einen, zwei oder drei Monate lang jeden Morgen eine Kapsel auf nüchternen Magen. Das ist Alles! Die Krankenkasse zahlt nicht für dieses Präparat aber es hat mich schon mal lange Jahre vor Blasenentzündungen geschützt!

  • Claire am 27.10.2017 13:38 Report Diesen Beitrag melden

    Tee hilft

    Was bei mir geholfen hat? 2-3 Liter Tee tagtäglich. Nach dem 1sten Tag war schon eine deutliche Besserung in Sicht. Nun bin ich seit gut 3 Jahren beschwerdefrei.

  • David am 26.10.2017 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Bouillon, Wodka oder Honig

    Antibiotika, pha, bei einer Blutvergiftung vielleicht aber ansonsten: Bei einer Grippe: Bouillon trinken und rausschwitzen. Bei einer Zahnentzündung; Mit Wodka spühlen bis zum Zahnarzttermin. Blasenentzündung: Honig!

    • Grundwissen fehlt! am 26.10.2017 22:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @David

      Hat schon mal irgend jemand mit Verstand behauptet, dass man bei Grippe Antibiotika nehmen soll? Grippeviren und Antibiotika tut einem schon fast weh, wenn man solche Kommentare liest und erkennen muss, dass bei vielen Kommentarschreiber das medizinische Wissen bereits bei Viren und Bakterien zu ENDE ist! Und solche entscheiden bei Impfungen oder ähnlichen Themen...

    • Frau am 27.10.2017 10:25 Report Diesen Beitrag melden

      Hattest whs noch nie eine Blasentzündung!

      Leicht gesagt für jemanden, der offensichtlich noch nie eine richtige Blasenentzündung hatte. Bei so starken Schmerzen und solch einem Unwohlsein, da man auf die Toilette MUSS und dies gleichzeitig höllische Schmerzen bereitet. In solchen Situationen nimmt man ziemlich ALLES, damit es aufhört!

    einklappen einklappen
  • Alex am 26.10.2017 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Griff zu "alten Mitteln"

    Versagen die Massenvernichtungswaffen der Pharma, werden wir wohl oder übel wieder auf die "alten Mittel" zurück greiffen müssen. Z.B. erschweren bestimmte pflanzliche Wirkstoffe das Einnisten von Erregern oder beeinflussen deren Stoffwechsel oder Teilung negativ. Es müssen nicht immer die Superbombe Antibiotikum oder Wundermittel sein, oft sind die etwas schwächeren und nebenwirkungsärmeren pflanzlichen Präparate selbst bei Multiresistenten Keimen hilfreich.

  • Swissgirl am 26.10.2017 08:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die Kälte macht die Entzündung

    Diese Bakterien gelangen während des Geschlechtsverkehrs in den Harngang. Frauen sollten immer gleich danach zur Toilette gehen. Der Urin spült diese Bakterien in der Regel raus.

    • Gesund am 26.10.2017 15:40 Report Diesen Beitrag melden

      Probiotisch

      ...und vor oder nach dem GV "Gynofit" benutzen, hatte nie mehr Probleme! Früher war es für mich eine Qual! Stimmt der Ausgleich zwischen Säure und Base, und sind die richtgen Bakterien am richtigen Ort... so kanns klappen!

    einklappen einklappen