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Neurologie
14. Dezember 2012 12:28; Akt: 14.12.2012 12:28 Print
Dank neuem Gerät wieder laufen lernen
von Fee Riebeling - Menschen, die nur schlecht oder gar nicht gehen können, soll ein so genannter Gangtrainer helfen. Er bringt sie schneller wieder auf die Beine.
Neun Prozent aller Menschen haben gemäss der Weltgesundheitsorganisation Beschwerden beim Gehen oder können gar nicht mehr laufen. Die Ursache sind oft neurologische Probleme, zum Beispiel nach Schlaganfällen oder bei multipler Sklerose (siehe Box) und Querschnittslähmungen.
Bald laufen ohne Krücken: Eine neue Therapie macht es möglich. (Bild: Prisma)
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Check up vom 20.08.2012
Stichwort Multiple Sklerose (MS)
Die Gründe für das Auftreten der Autoimmunerkrankung sind bisher unklar. In der Schweiz sind rund 10 000 Menschen von MS betroffen. Obwohl weltweit an wirksamen Medikamenten zur Heilung der MS geforscht wird, kann bisher nur der Verlauf der Krankheit begünstigt werden.
Zu Beginn der Erkrankung verläuft die MS meist in Schüben, bei denen das Immunsystem die Nervenstränge angreift. Das Myelin - die Isolationsschicht der Nerven - wird durch Entzündungsherde im Gehirn oder dem Rückenmark punktuell abgetragen. Die Leitfähigkeit der darunterliegenden Nerven wird angegriffen oder sogar zerstört. Diese Herde - auch Läsionen genannt - können sich beim Betroffenen mittels unterschiedlichster Symptome äussern: Besonders häufig kommt es zu Sehstörungen oder Erblindung, Sensibilitätsstörungen oder Lähmungen der Extremitäten. Oft erfahren die Patienten wenige Wochen nach Auftreten des Symptoms eine deutliche Besserung oder sogar eine vollständige Ausheilung des Schubes.
Bisher kann nur in den Verlauf einer Multiplen Sklerose eingegriffen werden. Hierfür stehen dem Patienten Medikamente (Immunsuppressiva) zur Verfügung, die das fehlgeleitete Immunsystem, das den eigenen Körper angreift, regulieren. Kortison (meist in Form einer hochdosierten Infusion) soll dazu beitragen, dass ein akuter Schub verkürzt wird. (rre)
Jedoch lassen sich die Bewegungsstörungen bei vielen Patienten – zumindest teilweise – beheben. Denn das menschliche Gehirn und Rückenmark sind bis ins hohe Alter in der Lage, sich an Veränderungen anzupassen. Beispielsweise durch Reorganisation von Nervenverbindungen oder indem ein anderes Hirnareal die Aufgaben eines geschädigten Bereichs übernimmt. Doch dafür ist regelmässiges Training nötig. Denn: «Wer laufen will, muss laufen üben», sagt Jan Kool von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.
Damit die Patienten künftig schnell wieder auf die Beine kommen, hat er gemeinsam mit anderen Forschern und dem ETH-Start-up Ability einen mechanischen Gangtrainer entwickelt. Der Prototyp erinnert an eine Mischung aus Stepper und Laufband. Aber anders als im Fitnessstudio setzen nicht die Benutzer das Gerät in Gang, sondern umgekehrt. Dazu werden die Füsse der Patienten auf zwei bewegliche Platten geschnallt, die von Elektromotoren angetrieben werden. Der Vorteil ist, dass die Betroffenen so langsamer ermüden und deshalb länger trainieren können. Resultat: Die Nervenzellen werden intensiver stimuliert und der Therapieerfolg stellt sich schneller ein.
Zwar gebe es bereits ähnliche Geräte, doch diese seien teuer und damit nur für grosse Kliniken geeignet, so Kool. «Der Gangtrainer hingegen ist so aufgebaut, dass er eine menschliche Gangbewegung erzeugen kann, ohne dass er auf teure und komplizierte Elektronik angewiesen ist.»
Die Entwicklung wurde für den «ZKB Pionierpreis Technopark» nominiert.

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