Heftige Reaktion

23. Mai 2018 08:33; Akt: 23.05.2018 08:33 Print

Darum jucken Mückenstiche so lange

Sticht eine Mücke zu, spielt das menschliche Immunsystem verrückt – und öffnet damit Viren und Parasiten Tür und Tor.

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Mücken töten mehr Menschen als jedes andere Tier. Das liegt daran, dass sie die Überträger tödlicher Viren und Parasiten sind. Anopheles gambiae überträgt die Malaria. Aedes aegypti (auch Gelbfiebermücke oder Ägyptische Tigermücke genannt) überträgt Gelbfieber, Dengue-Fieber und Zika. Die Gemeine Stechmücke oder Nördliche Hausmücke (Culex pipiens) ist eine der in Europa meistverbreiteten Arten. Bei ihr wurden unter anderem das Sindbis-Virus und das West-Nil-Virus nachgewiesen. Doch weshalb stechen die Biester? Sie brauchen Blut für die Produktion von Eiern, weshalb nur die Weibchen zustechen. Die Eier legen sie im Wasser ab, wo die Larven schlüpfen. Deshalb sollte man aus Prinzip kein Wasser länger stehen lassen. Auch nicht zu Hause in der Giesskanne auf dem Balkon. Bevor die Mücke zusticht, zieht sie eine Art schützende Scheide (labium) um ihren Stechapparat zurück. Im Labium verstecken sich sechs individuelle Nadeln. Zwei davon sind mit Sägezähnen bestückt. Diese sind so scharf, dass man den Stich im Normalfall gar nicht merkt. Mit zwei weiteren Nadeln hält die Mücke die Einstichstelle offen. Dann sucht die Mücke mit einer Art Rüssel (Bildmitte) ein Blutgefäss. Rezeptoren an dessen Ende weisen den Weg, indem sie die Chemikalien der Blutgefässe erschnüffeln. Durch diesen Rüssel saugt die Mücke dann auch das Blut an. Aus dem Körper heraus aufgenommen sieht das so aus. Um noch mehr nährstoffreiche rote Blutkörperchen aufnehmen zu können, trennt die Mücke Wasser vom angesaugten Blut und scheidet es hinten aus. Der letzte Stachel ist der übelste: Durch ihn befördert die Mücke ihren Speichel in unseren Körper, um die Blutgerinnung zu unterbinden. Das Problem: Mit dem Speichel gelangen auch allerlei Krankheitserreger in unseren Körper. Davon hat die Mücke selber nichts. Sie ist nur der Überträger eines Erregers, den sie zuvor bei einem anderen Menschen oder einem Tier aufgeschnappt hatte. Allerdings sorgt ihr Speichel dafür, dass Viren und Parasiten ein leichtes Spiel haben. Denn er löst eine derart heftige Reaktion im Körper aus, dass das Immunsystem sich nur darum und nicht um die Keime kümmert.

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Mücken haben es auf unser Blut abgesehen. Dafür verfügen sie über einen ausgeklügelten Stechapparat mit insgesamt sechs einzelnen Nadeln (siehe Bildstrecke). Damit sie mit einem Stich möglichst viel Blut aufnehmen können, pumpen sie gleichzeitig ihren Speichel in den Körper ihres Opfers. So wird die Gerinnung des Blutes verhindert. Und es ist dieser Speichel, respektive die Reaktion unseres Körpers darauf, der so unerträglich juckt.

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Nun haben Forscher herausgefunden, dass der Mückenspeichel im Körper eine hochkomplexe Immunreaktion auslöst. Diese sorgt dafür, dass ein Stich noch tagelang jucken kann. Noch wichtiger ist aber die Erkenntnis, dass der Körper durch diese Reaktion auf den Speichel anfälliger wird für Erkrankungen wie Gelbfieber, Zika oder Denguefieber.

Unerwartete Reaktion

Um dem Geheimnis der juckenden Mückenstiche auf die Spur zu kommen, haben die Wissenschaftler Mäusen menschliche Stammzellen gespritzt. Darauf entwickelten die Tiere ein Immunsystem, das dem des Menschen sehr ähnlich ist, wie die Forscher in «PLOS: Neglected Tropical Diseases» schreiben. Anschliessend liessen sie die Mäuse von Viren-freien Mücken stechen und nahmen während einer Woche Blut- und Gewebeproben, um die Reaktion zu untersuchen.

Es zeigte sich, dass die Mückenspucke das Immunsystem gehörig ins Schleudern brachte. Co-Autorin Silke Paust vom Baylor College of Medicine sagte in einer Mitteilung, dass man eine solche Immunreaktion auf die Spucke nicht erwartet habe. Mehrere Arten von Immunzellen seien ausgelöst worden. Sowohl solche, die der Virenabwehr dienen, als auch solche, die mit allergischen Reaktionen in Verbindung gebracht werden.

Trojanisches Pferd

Ist nun im Speichel der Mücke auch ein Virus oder Parasit vorhanden, profitiert er von dieser Reaktion des Körpers. «Es ist wie beim Trojanischen Pferd», erklärte Jessica Manning, eine Expertin für Infektionskrankheiten auf Popularscience.com. Der Körper werde von der Spucke abgelenkt, wenn er eigentlich eine antivirale Reaktion zeigen und den Virus bekämpfen sollte, so Manning. Der Körper helfe einer Infektion sogar nach, weil er ständig neue Zellen zur Einstichstelle schicke, die der Virus dann infizieren könne.

Die Forscher möchten nun herausfinden, welches der über 100 verschiedenen Proteine in der Mückenspucke die Immunreaktion auslöst. Könnte man diese unterdrücken, wäre es vielleicht möglich, die Ausbreitung einer Anzahl von durch Mücken übertragenen Tropenkrankheiten einzudämmen.

Wie die Schweiz die Malaria loswurde

(jcg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Imker am 23.05.2018 08:57 Report Diesen Beitrag melden

    Jucken!

    Das Jucken kommt von einem Enzym. Dieses wird bei Stechen ausgesondert, um den Einstich schmerzfrei zu machen. - Ein Kaffeelöffeli mit dem Feuerzeug so stark erhitzen, dass man es noch gerade so anfassen kann und dann den Stich ausstreichen. Das Enzym zerfällt bei einer Halbwärtstemperatur von 55°C. - Jucken ade.....

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  • muller am 23.05.2018 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    dengue

    Hatte mal dangue fieber in Indien ist nix lustiges wäre fast daran gestorben.

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  • Max König am 23.05.2018 08:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...

    Faszinierende Technik der Natur. Danke für den Bericht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mike Gerber am 24.05.2018 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Alle Jahre wieder!

    Hier ein kleiner Tipp, wie ihr jeden Mückenstich in 30 Minuten wegbekommt: Man nehme einen Löffel und halte ihn unter heisses Wasser (verbrennt euch bitte nicht!), danach drückt man ihn auf den Mückenstich bis der Löffel ausgekühlt ist. 2-3 mal wiederholen und weg ist er. Besser als jedes Fenistil, einkreisen mit dem Kugelschreiber, oder Zahnpasta.

  • Armin am 23.05.2018 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Bei den Mücken stechen nur die Weibchen. Sie brauchen das Blut, um die Eier auszubilden, welche sie dann legen. Sind das nun Parallelen zum Menschen oder das pure Gegenteil?

  • Name am 23.05.2018 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Allroundtalent Teebaumöl

    Teebaumöl prophylaktisch einstreichen (stark verdünnt natürlich) hält Mücken fern und auf einen Stich aufgetragen, hilft es gegen das Brennen und beschleunigt die Heilung.

  • Jachen am 23.05.2018 11:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vitamin C

    Vitamin C pur, ohne Zucker.

  • So gehts am 23.05.2018 10:51 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn das Moskito sticht

    auf keinen Fall Drauf klatschen so wird der Inhalt des Biestes geradezu injziert besser von oben abgreifen und zuerst von der Haut entfernen bevor gequetscht wird.