Medizinischer Beweis

20. September 2013 07:40; Akt: 20.09.2013 09:55 Print

Das «gebrochene Herz» gibt es wirklich

Liebeskummer, Mobbing, Finanzsorgen: Psychische Belastungen können wirklich zu Herzproblemen führen. Die «Takotsubo Kardiomyopathie» ist lebensbedrohlich.

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Die Störung ist selten, aber gefährlich, und sie ist von einem Herzinfarkt fast nicht zu unterscheiden: die «Takotsubo Kardiomyopathie», auch «Syndrom des gebrochenen Herzens» genannt. Nun haben Schweizer und deutsche Forscher Moleküle im Blut gefunden, die den Nachweis der Erkrankung ermöglichen.

Etwa 2,5 Prozent aller Patienten, die mit Herzinfarkt-Verdacht ins Spital kommen, leiden an der «Takotsubo Kardiomyopathie», wie das Universitätsspital Zürich (USZ) am Donnerstag berichtete. Der Name stammt daher, dass das Herz bei der akuten Erkrankung bauchig erweitert und oben verengt ist, wie eine japanische Tintenfischfalle aus Ton (Tako Tsubo).

Vor allem Frauen sind betroffen

Die Störung wird auch «Gebrochenes-Herz-Syndrom» genannt, denn sie tritt häufig nach extremen emotionalen Belastungen wie Todesfällen, Mobbing oder Finanzsorgen auf. Betroffen sind zu 90 Prozent ältere Frauen, während der Herzinfarkt zu rund 70 Prozent ältere Männer betrifft. Hauptsymptome sind bei beiden Brustschmerzen und Luftnot.

Beide Erkrankungen sind in den ersten Stunden ähnlich gefährlich, vier bis fünf Prozent der Betroffenen sterben. Doch längerfristig erholt sich die Pumpfunktion des Herzens nach der Takotsubo-Erkrankung wieder vollständig. Die korrekte Diagnose war bisher aber nur mit invasiven Herzkathether-Untersuchungen möglich.

Kleine Botenstoffe

Nun hat ein Team vom USZ und der Medizinischen Hochschule Hannover bei einer kleinen Zahl von Patienten beobachtet, dass sich bei den beiden Erkrankungen bestimmte, im Blut zirkulierende microRNAs unterscheiden. Dies sind kleine Nukleinsäuren, die die Genexpression regeln, berichten sie im «European Heart Journal».

Anhand vier solcher microRNAs lassen sich Herzinfarkt und Takotsubo-Erkrankung sehr sicher unterscheiden, sagte Mitautor Christian Templin vom USZ in der Mitteilung. Interessanterweise beeinflussen diese Moleküle den Serotonin-Stoffwechsel, der mit der Gemütsverfassung zusammenhängt. Dies könnte die psychische Komponente des Syndroms erklären.

Die Forscher möchten nun an einer grossen Anzahl von Patienten überprüfen, wie genau diese Biomarker die beiden Herzerkrankungen auseinanderhalten. «Vielleicht können sie in Zukunft sogar dazu beitragen, dass Patienten mit «Takotsubo Kardiomyopathie» die Herzkatheter-Untersuchung erspart bleibt», sagte Templin.

(sda)