Fettleibigkeit

07. Januar 2011 11:19; Akt: 07.01.2011 11:57 Print

Das dickste Volk der Welt

Nein, diesen unrühmlichen Rekord haben sich nicht die Amerikaner geschnappt, sondern ein winziger Inselstaat im Südpazifik. Dort leiden 95 Prozent an Übergewicht.

Ein Augenschein in Nauru, im kleinsten Land mit den dicksten Menschen der Welt. (Quelle: ABC)
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Die Republik Nauru ist ein Ort der Extreme. Der Inselstaat im Südpazifik ist mit seinen 21 Quadratkilometern das kleinste unabhängige Land. Seine rund 14 000 Einwohner aber sind die dicksten der Welt. Ein weitere Kennzahl rundet den Reigen der Rekorde ab: In den 1980er Jahren hatte Nauru das zweithöchste Bruttoinlandprodukt pro Kopf. Heute fehlt das verarmte Land in den Rankings des Internationalen Währungsfonds. Auf wunderliche Weise hängen alle diese Superlative miteinander zusammen.

Es gab eine Zeit, da lebten die Nauruaner vom Meer und ernährten sich vorwiegend von rohem oder gegrilltem Fisch. Die Kombination aus körperlicher Arbeit und gesunder Kost schlug sich naturgemäss in einem sportlichen Körperbau nieder. «Wenn man die alten Bilder anschaut, sieht man sehr athletische Menschen, sehr schlanke, gesunde Menschen», sagte Marcus Stephen, Präsident Naurus und ehemaliger Gewichtheber, gegenüber dem amerikanischen Fernsehsender ABC. Doch vor hundert Jahren wurde auf seiner Insel eine Entdeckung gemacht, die das beschauliche Leben radikal verändern sollte: Phosphatvorkommen, ein unersetzlicher Bestandteil von Kunstdünger. Der Abbau brachte den Insulanern Jobs und Reichtum. Aber nicht nur das.

Dosenfleisch statt frischer Fisch

Auf einmal konnten es sich die Nauruaner leisten, im grossen Stil Nahrungsmittel aus dem Ausland, etwa dem relativ nahen Australien, zu importieren. Zum ersten Mal kosteten sie industriell hergestellte Lebensmittel und Fast Food – und fanden offenbar grossen Gefallen daran. So sehr, dass sie darüber Gemüse und Früchte vergassen. Heute fehlen frische Produkte fast gänzlich in den Regalen der Läden. Konserven jeglicher Art hingegen sind im Überfluss erhältlich.

Der Reichtum Naurus war nur von kurzer Dauer. Ein Grossteil der Gewinne aus dem Phosphatabbau wurde kurzsichtig investiert oder floss in korrupte Taschen. Heute sind die Primärvorkommen erschöpft, die Armut hat wieder Einzug gehalten. Geblieben sind die Essgewohnheiten und mit ihnen ein gewaltiges Gesundheitsproblem: 95 Prozent der Nauruaner sind übergewichtig, 80 Prozent fettleibig und 30 Prozent leiden an Diabetes. Amputationen, Herz- und Nierenversagen und Erblindung sind weit verbreitet.

Spaziergänge auf der Landebahn

Gesundheitsminister Mathew Batsiua steht vor einer Herkulesaufgabe: «Die Welt muss wissen, dass wir versuchen, die Situation zu verbessern und nicht einfach herumsitzen.» Die Gesundheitsbehörden organisieren Aerobic-Kurse, Australien Football auf Naurus einzigem Sportplatz und nationale Abnehmwettbewerbe. Alle Nauruaner sind aufgerufen, Spaziergänge auf der Landebahn des Flughafens zu unternehmen. Gefährlich ist das nicht, denn pro Woche landen nur zwei Flugzeuge. Ein besonderes Augenmerk gilt den Kindern. Für viele ältere Nauruaner dürfte es indes bereits zu spät sein.

Während die Gewichtsprobleme an sich unbestritten sind, ist Nauru mit dem Titel «dickstes Land der Welt» ganz und gar nicht einverstanden. Der Direktor der nationalen Gesundheitsbehörde, Setareki Vatucawaqa, erklärte, der Body-Mass-Index sei vielleicht für Europäer ein sinnvolles Messverfahren, nicht aber für die Nauruaner. Diese hätten andere Gene, was sich auch in der grossen Zahl erfolgreicher Gewichtheber zeige.

Gaaanz viel zoomen, dann taucht die 21 Quadratkilometer kleine Insel auf

(kri)