Behandlung rettet Leben

09. Dezember 2011 18:25; Akt: 09.12.2011 18:25 Print

Die erste Klinik für StalkerDie erste Klinik für Stalker

Sie stellen ihren Opfern nach, belästigen und bedrängen sie. Werden sie zurückgewiesen, kann es gefährlich werden. In London werden Stalker deshalb seit Neuestem in einer eigenen Klinik behandelt.

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Die deutsche Teenie-Band Tokio Hotel und Familienmitglieder der Musiker mussten Aufgrund militanter Stalker immer wieder ihre Wohnsitze wechseln. Im April 2009 hiess es, die Musiker würden von einer Gruppe maskierter Mädchen verfolgt. Kein Einzelfall: Diese Frau, ein Fan von Sandra Bullock, versuchte, deren Mann Jesse James mit ihrem Mercedes zu überrollen, nachdem dieser sich die Autonummer merken wollte. Das gibt drei Jahre Haft auf Bewährung. Bedrohliche SMS, fiese E-Mails oder merkwürdige Einträge ins Internet-Gästebuch: Der GZSZ-Darsteller Raúl Richter wird bedroht. «Der Irre behauptet, dass ich etwas verbrochen hätte und dass er sich jetzt an mir rächen will.» Briefe, Telefonanrufe und Hausfriedensbruch: Wegen «grobem Unfug und Belästigung» wurde am 2. Juli 2008 ein slowakischer Fan von Michelle Hunziker zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Gericht in New York verurteilte am 6. Mai 2008 den Stalker Jack Jordan, der Hollywood-Star Uma Thurman mehr als zwei Jahre lang belästigte. (Bild: REUTERS) Das ehemalige Playboy-Model Anna Nicole Smith erhielt Morddrohungen von einem Stalker. Smith zögerte nicht lange und schaltete das FBI ein. Dawnette Knight (l.) soll die Schauspielerin Catherin Zeta-Jones seit 2003 mit Drohanrufen und -briefen verfolgt haben. Anfang Juni kam sie vorerst in U-Haft. «Star Wars»-Schönheit Natalie Portman fühlt sich mehr verfolgt, als sie es wirklich ist. Ihre Mutter Shelly soll übertrieben schnell die Polizei rufen, sobald sich ein Unbekannter vor ihrem Haus befindet. Popstar Justin Timberlake wurde von einem "Stalkerazzi" (Stalker + Paparazzi) während einer Autofahrt in LA zuerst verfolgt, dann gar gestoppt. Als der Teeniestar ausstieg, bedrohte der Fotograf den Jungstar und knipste drauflos. Popstar Kylie Minogue (35) schaltete Scotland Yard ein, nachdem sie über 700 Briefe von einem unbekannten Verfolger bekommen hatte. U.a. waren auch Morddrohungen dabei. Popsängerin Jeanette Biedermann traute sich nicht mehr auf die Strasse, nachdem Morddrohungen gegen sie ausgesprochen worden waren. Der vermeintliche Attentäter entpuppte sich als "Spassvogel". Ein zudringlicher Japaner soll Britney Spears Fotos von sich mit der Aufschrift "Ich jage dich" geschickt haben. Spears geht gerichtlich gegen den Stalker vor. Blümchen, mit bürgerlichem Namen Jasmin Wagner, wurde zwei Jahre lang von einem Stalker terrorisiert. - Der Australier Dubravko Rejcevic belästigte Martina Hingis ein Jahr lang mit Liebeserklärungen. Hingis strengte einen Prozess gegen ihren Verfolger an und sagte aus, der 46-Jährige sei ihr überall auf der Welt gefolgt. - Die SF-Moderatorin wurde von einem Basler Fan monatelang mit obszönen Anrufen auf ihren Anrufbeantworter belästigt. Sie ignorierte ihren «Stalker», bis er aufgab. - Die Miss Schweiz von 1988 wurde von einem anonymen Fan verfolgt, der ihr andauernd Pakete und Briefe schickte. In der Art, wie der Stalker Bergers Hausnummer schrieb, zeigte sich seine Hoffnung: «Sex». - Die attraktive TeleZüri-Moderatorin erhielt tausende von Einladungen per E-Mail. Ihr erfolgloser Stalker schickte ihr sogar einmal 1000 Franken in Cash. Mit Hilfe von Hugo Bigi konnte sie den Psycho-Terroristen entlarven und per E-Mail stoppen. Das Geld schickte sie zurück. - Die Eiskunstläuferin wird seit 20 Jahren von einem hartnäckigen amerikanischen Fan verfolgt. 1981 lauerte er ihr vor dem Hotelzimmer auf und drückte der perplexen Denise einen Verlobungsring in die Hand. Zudem schickte er ihr jahrelang zehn bis zwanzig Briefe pro Tag. - Ein Stalker meinte es besonders gut mit der «Grand-Prix-der-Volksmusik»-Siegerin, als er sie anrief und ihr ankündigte, er übernehme per sofort ihr Management. Ein paar Tage später liess er sie wissen, dass sie jetzt bei ihm einziehen könne, die gemeinsame Wohnung stehe bereit. - Der amerikanische Schauspieler - hier mit Gattin Jennifer Aniston - wurde von einer 19-Jährigen mit Geschenken und Briefen belästigt. Die jugendliche Bewunderin brach ins leerstehende Haus ihres Idols ein und verbrachte zehn Stunden in seinem Bett. Sie wurde per Gerichtsbeschluss zur Psychotherapie verdonnert. - Wurde dreimal von Robert Hoskins (r.) auf ihrem Grundstück «beehrt». Er drohte ihr, ihre Kehle durchzuschneiden, wenn sie ihn nicht heirate. Der Verband auf dem Bild verdeckt zwei Schusswunden, die sich Hoskins bei einem Handgemenge mit Madonnas Bodyguard zuzog. - In den USA gibt es seit Beginn der 90er-Jahre «Anti-Stalker»-Gesetze. Spielbergs langjähriger Stalker wurde zu 25 Jahren Haft verurteilt. - Ein arbeitsloser Wissenschaftler brach in seinem Wahn in die Familien-Villa des Ex-Tennis-Stars in Brühl ein. - Tina Marie Ledbetters Liebeswahn zu Fox ging so weit, dass sie ihn in einem Jahr mit 6000 Briefen bombardierte, in denen sie gegen die Ehefrau des Schauspielers Morddrohungen aussprach. - Die Queen of Soul war auch ein «Stalking»-Opfer. Ein weiblicher Fan verfolgte sie unentwegt und bombardierte die Soul-Sängerin mit Briefen. Die junge Frau glaubte fest daran, Whitney sei ihre reinkarnierte Mutter. - Das «Stalker»-Opfer schlechthin wurde 1980 vor seiner Wohnungstür von David Chapman (r.) erschossen. - Die amerikanische Schauspielerin wurde 1989 als 21-Jährige von Robert Bardo, einem Serien-Stalker (Madonna, Tiffany, Debbie Gibson), vor ihrem eigenen Haus umgebracht. - Die britische Sängerin der Band Spice Girls wurde von einem Unbekannten mehrfach bedroht. Mitte Oktober 2001 wurde der Stalker von Scotland Yard verhaftet. Die Drohungen gegen Mel C begannen 2000, wurden aber ignoriert, bis zum Auftauchen eines ominösen Tonbands. Auf diesem ist ein Mann zu hören, der mit tiefer Stimme sagt: «Dies ist der Tag, an dem wir beide sterben werden.» - Die amerikanische Sängerin wurde von Everett McCrimmon mehrfach belästigt. Einmal zog er sich nackt vor ihr aus. Weiter belästigte er ihren Bruder Jermaine. Seit kurzem darf McCrimmon per Gerichtsbeschluss nicht näher als 300 Meter an Janet heran. Sonst droht ihm eine happige Gefängnisstrafe. Julia Roberts reicht Oktober 2002 Klage gegen einen Unbekannten ein, der ihr auflauert und sie terrorisiert.

Auch viele Promis werden von Stalkern verfolgt und belästigt.

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London hat seit dem 8. Dezember 2011 eine Klinik eigens für Stalker. Durch die Behandlung der Täter, so ist sich Mitgründer Frank Farnham sicher, können Leben gerettet werden. Der zum Teil monatelange Psychoterror zehrt nämlich nicht bloss an den Kräften der Opfer, sondern endet in den schlimmsten Fällen mit schrecklichen Gewalttaten.

Wie eine Studie ergab, wurden drei Viertel der Opfer, die von einem früheren Partner ermordet wurden, zuvor von diesem bedrängt und belästigt, , schreibt «The Independent». Diese Verbrechen würden deshalb manchmal auch als «Mord in Zeitlupe» bezeichnet.

Vier Arten von Stalkern

Es gebe Hinweise darauf, dass Stalkern mit Medikamenten wie Anti-Depressiva, mit Verhaltenstherapien und Sozialkompetenz-Training geholfen werden könne. Farnham ist überzeugt: «Wenn wir Stalker behandeln, können wir Leben retten.» Seine Spezial-Abteilung befindet sich im St. Ann's Hospital im Norden Londons. Bis anhin seien höchstens diejenigen Täter behandelt worden, denen ein anderes psychisches Problem zugeschrieben werden konnte.

Farnham teilt seine Patienten in vier Kategorien ein. Die einen wurden zurückgewiesen und tragen dies ihren Opfern nach. Sie wollen den Partner wieder zurück oder aber ihm das Leben zur Hölle machen. Eine zweite Gruppe bezeichnet der Psychiater als «unfähige Verehrer», die Hilfe brauchen, weil sie autistische Züge haben. Dann gebe es noch die Stalker, die krankhaft besessen von ihrem Opfer seien und schliesslich diejenigen, die wie Jäger vorgehen und oftmals mit Seilen und Handschellen erwischt werden.

Oft ist gescheiterte Bezeihung der Auslöser

Weltweit sind Millionen betroffen: Der unerwünschten Aufmerksamkeit von Stalkern geht oft eine gescheiterte Beziehung voraus. Die Täter bombardieren ihre Opfer mit Anrufen, Mails und SMS. Sie folgen ihnen oder lauern ihnen an jedem denkbar möglichen Ort auf. Manche Stalker verschicken unerwünschte Geschenke oder geben Bestellungen im Namen der Betroffenen auf. Auch das Ausspionieren des Tagesablaufes des Bekanntenkreises und der persönlichen Daten fällt unter Stalking.

Eine britische Umfrage fand heraus, dass jede fünfte Frau und jeder zehnte Mann über 16 schon mal gestalkt wurde. Der Psychoterror, den die Opfer durchleben, ist zermürbend. In manchen Fällen führen die zum Teil monate- oder jahrelangen Belästigungen zu Ängsten, Depressionen und Posttraumatischen Belastungssstörungen. Das ständige Auf-der-Hut-Sein laugt sowohl physisch wie psychisch aus.

In der Schweiz gibt es kein Anti-Stalking-Gesetz. Die Poli­zei kann zwar ein Kontaktverbot erteilen. Dieses gilt 14 Tage und kann auf 3 Monate verlängert werden. Dafür muss das Opfer aber Beweise sammeln: Mails, SMS, Voicemail-Nachrichten. Weitere Verhaltens-Tips finden Sie in der nebenstehenden Infobox.

(fvo)

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  • Tom Bachmann am 09.12.2011 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Korrektes beenden einer. Beziehung

    Eigentlich sollte man eher lernen Beziehungen korrekt zu beenden, so dass fuer beide Partner kein Grund zur Eifersucht und sogenanntem Stalker Syndrome entsteht .

    • simona glauser am 10.12.2011 05:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      stalking

      das hat mit korrektem beenden einer beziehung nichts zu tun. ich habe fair und klar eine bez. beendet und der typ wollte/ konnte es nicht verstehen. wurde fast 2j grstalkt...

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