Deutschland

27. März 2018 06:27; Akt: 27.03.2018 06:39 Print

Drei Menschen sterben an Bornavirus

Bei drei Todesfällen in Deutschland wurde zum ersten Mal überhaupt das Bornavirus beim Menschen nachgewiesen.

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Bisher waren vor allem Tiere vom Bornavirus betroffen: Pferd vor der untergehenden Sonne. (Archivbild) (Bild: Keystone/Felix Kästle)

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Drei Patienten sind in Deutschland an einer Viruserkrankung gestorben, die bisher nur bei Tieren beobachtet worden war. Die Betroffenen hatten eine Gehirnentzündung, die höchstwahrscheinlich durch das klassische Bornavirus ausgelöst worden sei.

Dies sagte der Leiter des Instituts für Virusdiagnostik am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) in Greifswald, Martin Beer. Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin und der Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um die ersten gesicherten Bornavirus-Nachweise beim Menschen überhaupt handelt. Das RKI berichtete kürzlich von den Fällen.

Über Organe angesteckt

Zwei der Patienten hätten sich mit hoher Sicherheit über transplantierte Organe des gleichen Spenders angesteckt. «Wir gehen bei diesem Geschehen von einem sehr seltenen Einzelfall aus», sagte Beer. Der dritte Todesfall steht nicht mit der Transplantation in Zusammenhang – Details wurden aber nicht bekannt.

Die Forscher vom FLI, dem deutschen Forschungsinstitut für Tiergesundheit, wurden von Ende 2016 von den Universitätskliniken hinzugezogen, an denen die Patienten behandelt worden waren. Denn die Ursache der Gehirnentzündungen war mit der Standarddiagnostik nicht zu finden. Das FLI war bereits 2015 bei der Aufklärung von drei unklaren Gehirnentzündungen beteiligt: Bei verstorbenen Bunthörnchen-Züchtern in Sachsen-Anhalt fanden sie ein neues Bornavirus.

Neue Erkenntnisse

Diesmal entdeckten die Forscher dank spezieller Analysemethoden das klassische, etwa von Pferden und Schafen bekannte Bornavirus. «Danach wurde bei Gehirnentzündungen bisher nicht gesucht, weil es keinerlei Hinweise gab, dass es eine Rolle spielen könnte», sagte Beer. Eine Folge der neuen Erkenntnisse für die Humanmedizin sei, dass bei ungeklärten Fällen von Gehirnentzündungen auch auf Bornaviren getestet werden sollte – neben den anderen möglichen Erregern.

Ziel sei es nun, neue Nachweismethoden zu entwickeln, damit Bornavirus-Infektionen bereits in einem frühen oder chronischen Stadium erkannt werden können, sagte Hartmut Hengel, Präsident der Gesellschaft für Virologie und Virologe an der Universität Freiburg. Eine derartige Infektion müsste im Fall des Organspenders vorgelegen sein, so dass die Person gesund erschien und Organe transplantiert werden konnten. Ein dritter Organempfänger des gleichen Spenders überlebte die Infektion.

Infektionen bei Pferden seit 100 Jahren bekannt

Weitere Vorkehrungen zur Absicherung der Organspende hält Hengel gegenwärtig aber noch nicht für möglich – und angesichts der laut Angaben offensichtlichen Seltenheit des Virus auch nicht für nötig. «Noch besitzen wir keine geeigneten Werkzeuge, um Organspender vorbeugend zu testen», sagte der Professor. Zudem ist unklar, ob Vorerkrankungen in den nun dokumentierten Fällen eine Rolle spielen.

Bei Pferden sind Infektionen mit dem Bornavirus seit mehr als 100 Jahren bekannt – mit Gehirnentzündungen als möglicher Folge. Erkrankte Tiere zeigen Bewegungsstörungen, Verhaltensauffälligkeiten und sterben häufig an den Folgen. Wie sich die Tiere anstecken, ist nicht endgültig geklärt.

(chk/sda)