Supererreger

14. Januar 2017 14:16; Akt: 17.01.2018 15:03 Print

Erfolglose Behandlung mit 26 Antibiotika – Frau stirbt

Ein Klebsiella-Pneumoniae-Keim hat eine Rentnerin in den USA das Leben gekostet. Derartige Bakterien lassen Infektionen unheilbar werden – und machen Medizinern zunehmend Sorgen.

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Eine Kolonie des Bakteriums Klebsiella pneumoniae, kultiviert in einer Petrischale mit Nährlosung (Archivbild). In Europa sterben jedes Jahr etwa 90'000 Menschen, weil sie sich im Spital eine Infektion eingefangen haben. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). Die Wissenschaftler gehen von insgesamt 2,6 Millionen Infektionen aus, die sich Patienten erst in einer Klinik zuzogen. Zu den häufigsten gehören Harnwegs- und Wundinfektionen, Lungenentzündungen und Blutvergiftungen, wie die Forscher im Fachblatt «Plos Medicine» berichten. Ein Drittel dieser Infektionen gilt als vermeidbar - zum Beispiel durch bessere Hygiene. Für ihre Studie haben die Forscher vor allem auf Daten des EDCD zurückgegriffen. Sie wurden 2011/12 in 30 europäischen Ländern mit insgesamt 510 Millionen Einwohnern erhoben. Die Schweiz war nicht darunter. Als Basis für die Auswertung dienten am Ende die Daten von rund 274'000 Patienten in rund 1150 Akutspitälern. Bei den Hochrechnungen wurden Spitalinfektionen, die durch multiresistente Erreger ausgelöst wurden, bewusst nicht separat ausgewiesen. Sie sind in die Gesamtzahl eingeflossen. (Im Bild: der Spitalkeim MRSA) In der Studie seien 85 bis 90 Prozent der in den 30 Ländern vorkommenden Spitalinfektionen erfasst worden, so die Wissenschaftler. Damit sind Infektionen gemeint, die sich die Betroffenen erst im Spital zugezogen haben. Das heisst nicht, dass automatisch Klinikmitarbeiter die Schuldigen sind. Vielmehr sind die Gründe für diese Infektionen vielfältig. So benötigen Klinik-Patienten oft invasive Untersuchungen oder Therapien: ... Sie bekommen zum Beispiel Katheter gelegt oder werden an Beatmungsgeräte angeschlossen. Das alles sind laut den Forschern Eintrittsschienen für Erreger in den Körper. Zwar hätten viele Spitäler die Händehygiene verbessert und es gebe mehr geschultes Personal. Doch die Patienten werden immer älter und kränker und damit noch anfälliger für Infektionen. Mit einem Rückgang der Spitalinfektionen sei daher kaum zu rechnen.

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Eine Patientin in den USA ist an einer Infektion gestorben, nachdem alle 26 zugelassenen Antibiotika keine Wirkung bei ihr gezeigt hatten. Bei der Rentnerin sei ein multiresistenter Klebsiella-Pneumoniae-Keim gefunden worden.

Dieser könne nicht wirksam mit Antibiotika behandelt werden, teilte das US-Seuchenabwehrzentrum CDC am Freitag mit. Derartige Bakterien machen Medizinern zunehmend Sorge, weil sie Infektionen unheilbar werden lassen.

Oft Indien besucht

Die Frau sei letztlich an einer Blutvergiftung gestorben, teilte das CDC mit. Sie habe sich in den vergangenen Jahren oft in Indien aufgehalten und sei dort wegen eines Oberschenkelbruchs behandelt worden. Sie kam dann in ein Spital im US-Bundesstaat Nevada, wo sie im September auf der Isolierstation gestorben sei. Alle 26 in den USA zugelassenen Antibiotika hätten nicht geholfen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte den Klebsiella-Pneumoniae-Keim bereits als «dringende Gefahr für die Gesundheit des Menschen» eingestuft. Laut Experten liegt die Sterblichkeitsrate bei mit diesem Bakterium infizierte Menschen bei 40 bis 50 Prozent.

Geschwächte Patienten gefährdet

Wissenschaftler stellen eine steigende Zahl von Bakterien fest, die gegen Antibiotika resistent und damit kaum zu behandeln sind. Sie warnen, dass in einer post-antibiotischen Ära selbst leichtere Erkrankungen bei geschwächten Patienten zum Tode führen könnten.

Im Mai 2016 war in den USA erstmals ein sogenannter Supererreger entdeckt worden, der gegen alle bekannten Behandlungsmethoden immun ist. Bei einer 49-Jährigen aus dem Bundesstaat Pennsylvania war bei einem Harnwegsinfekt ein E-Coli-Bakterium gefunden worden, gegen das kein Antibiotikum geholfen hatte. Selbst gegen das Notfallantibiotikum Colistin zeigte sich der Supererreger immun. Die Frau überlebte dennoch.

Möglicherweise helfendes Antibiotika nicht zugelassen

Das Bakterium enthielt ein Gen, das es immun gegen die Behandlung mit Antibiotika für multiresistente Keime werden lässt. Das sogenannte Mcr-1-Gen wurde bei der nun in Nevada verstorbenen Frau nicht gefunden. Bei der Autopsie ergab sich, dass ihr möglicherweise eine Behandlung mit dem Antibiotikum Fosfomycin geholfen hätte, das in den USA aber nicht zugelassen ist.

Multiresistente Erreger (MRE) sind vor allem im Spitalbereich ein weltweit wachsendes Problem. Der übermässige Einsatz von Antibiotika beim Menschen und in der Tiermast sowie eine unsachgemässe Einnahme der Medikamente fördert solche Resistenzbildungen

(kko/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ich Binz am 14.01.2017 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    ist ja kein wunder

    wenn alle denken sie wissen mehr als ihr arzt, antibiotika fruehzeitig absetzen und die reste noch behalten und dann bei einer grippe oder sogar gegen kopfschmerzen einsetzen. antibiotika sollte nur noch abgezaehlt rausgegeben warden und chemisch so behandelt warden das die halbwertszeit extreme verkuerzt wird damit sich antibiotika sammler nurnoch placebos einwerfen

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  • T. Ablette am 14.01.2017 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Die Forschung an neuen Antibiotika

    oder Ersatzmitteln wird schon viele Jahre lang vernachlässigt obwohl die Problematik lange bekannt ist. Aus dem schlichten Grund weil es finanziell nicht attraktiv ist. Da wird lieber das zweitausendste unnütze Erkältungsmittel auf den Markt geworfen, mit TV Werbung massiv gepusht, daran kann man viel mehr verdienen. Die Pharmaindustrie ist nicht daran interessiert Menschen zu helfen. Es geht nur und ausschliesslich um Gewinnmaximierung.

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  • The Kid am 14.01.2017 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Multiresistente überall

    Oft bringen die patienten und ihre besucher die keime jedoch auch selber schon mit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • MArtin am 16.01.2017 15:04 Report Diesen Beitrag melden

    Körper braucht keine Medis.

    Noch nie Antibiotika eingenommen oder sogar eine Grippe mit 41°Grad Fieber überstanden. War nicht wirklich schön die 2 Tage überschwitzend im Bett, aber der Körper schafft es auch ohne Medis. PS: die Grippe hat nicht nur 2 Tage gedauert aber die Tage sind mit im Gedächtnis geblieben.

    • Konrad am 16.01.2017 18:33 Report Diesen Beitrag melden

      Antibiotika ist auch nicht für Grippe

      Antibiotika wirken gegen Bakterien, aber nicht gegen Viren. Daher wäre es auch unnütz gegen eine Grippe Antibiotika zu nehmen.

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  • cpu am 16.01.2017 00:05 Report Diesen Beitrag melden

    123

    Am besten man geht wann immer möglich zum hausarzt, ausserdem muss dienpolitik endlich reagieren und den einsatz minimieren

  • Binz Ine am 15.01.2017 18:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ich auch aus Binz

    Du Binz, was meinst Du, was Du an Antibiotika mit deinem Fleischkonsum schon alles intus hast :-) Schon mal davon gehört?? Kann "Mann" nachlesen, wenn "Mann" lesen kann. Das Problem ist schon über 40 Jahre alt :-) Was heisst eigentlich "wenn ALLE denken"? Ich gehöre nicht dazu.

    • Alfons am 16.01.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

      Wie bitte?

      HERR Binz hat lediglich seine Nicht-Verwunderung zum Ausdruck gebracht und auch einen Lösungsvorschlag mitgeteilt. :) Aus dem Post kann ich auch nicht herauslesen, dass er "Allesesser" ist. Aber auch Ihrer Ergänzung bezüglich der komerziellen Gross-Fleisch-Aufzucht muss ich leider zustimmen. Der Veganissmus ist aber nicht die Lösung, denn die Vegan-Lebensmittel-Industrie ist ein Milliarden Geschäft (aber jetzt nicht das Thema). Nur eines noch: Bitte schreiben Sie "man" klein und nicht mit zwei N's. Sonst ist das nämlich sexistisch. ;)

    • Chris am 17.01.2017 09:07 Report Diesen Beitrag melden

      Jaja, Fleisch ist ja soooo gesund

      Der Veganismus ist vielleicht nicht die Lösung aber sicher hilft es, wenn Tiere nur noch in einer Menge produziert werden, dass sie nicht mehr mit Antibiotika vollgestopft werden müssen um den Ausfall einer ganzen "Ernte" zu verhindern. Klar, Fleischesser schieben die Schuld überallhin, nur nicht bei sich selbst suchen aber es ist nun mal nicht von der Hand zu weisen, dass die massenhafte Verwendung von Antibiotika in der Tiermast ein erhebliches Problem darstellt.

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  • Tschüge am 15.01.2017 17:40 Report Diesen Beitrag melden

    Quellenangaben für Fotos!

    Das erste Foto ist aus Wikipedia, Quelle: CDC. Bitte angeben und nicht einfach so arrogant denken, man könne bei Wikipedia alles stehlen.

  • rolli asterix am 15.01.2017 14:31 Report Diesen Beitrag melden

    gedankenspiel eines nichtwissenden

    Die gefährlichsten Käfer (res. Vieren, Bakterien und Pilze) findet man oft in Spitälern vor. Gedankenspiel: Kann es sein, dass harmlose Käfer die gefährlich resistenten Käfer mit leichtigkeit verdrängen könnten? Aber durch übersaubere, steriele reinigungen die harmlosen käfer vernichtet werden, so dass die Multiresistente Erreger einfachen spiel haben..

    • Jens am 15.01.2017 14:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @rolli asterix

      Was für Käfer? Ich dachte, es gehe hier um Bakterien.

    • IdeeFix am 15.01.2017 14:59 Report Diesen Beitrag melden

      @Asterix

      Tolle Idee.. Wenn Sie nächstes Mal z.B. in die Dentalhygiene gehen, verlangen Sie doch einfach, dass man für Sie das ungereinigte Besteck des Vorgängers benutzt, so können Sie etwas für Ihr Immunsystem machen.. Ihre 'hauseigenen' guten Käfer werdens schon richten..

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