Annahme widerlegt

07. Januar 2015 06:08; Akt: 07.01.2015 09:28 Print

Erkältungen haben doch etwas mit Kälte zu tun

Bei dem Namen erscheint es logisch: Wer sich verkühlt, bekommt eine Erkältung. Wissenschaftlich war das jedoch umstritten – bis jetzt.

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Jedes Jahr das gleiche Spiel: In der kalten Jahreszeit haben uns Erkältungen oft fest im Griff. Doch Schniefen und Frösteln müssen nicht sein: Klicken Sie sich durch unsere Tipps und stärken Sie Ihre Abwehrkräfte. Wer sich regelmässig bewegt, wird seltener krank und leidet weniger, wenn ihn doch mal ein Virus erwischt. Denn regelmässiger Sport stimuliert die Aktivität des Immunsystems und stärkt so die Abwehrkräfte. Aber Achtung: Wer zu lange oder zu intensiv trainiert, schadet seinem Immunsystem. Wenn Sport für unseren Körper zum Stressfaktor wird, sind wir sogar anfälliger für Infekte. Je feuchter die Luft ist, desto schneller nehmen ausgenieste Speicheltröpfchen Wasser auf und sinken zu Boden, wo sie für uns ungefährlich sind. Luft von draussen enthält zudem viel weniger Viren und tut unserer Nasenschleimhaut gut. Lüften Sie drei mal am Tag für mindestens zehn Minuten. Gegen eine verstopfte Nase helfen Chili und Cayennepfeffer im Essen. Denn das darin enthaltene Capsaicin aktiviert die Durchblutung der Schleimhäute und macht so die Nase wieder frei. Ausgerechnet das, was zum Weinen bringt, ist gesund an der Zwiebel. Diese ätherischen Öle sind nicht nur gut für die Immunabwehr, sondern schützen auch noch das Herz. Das Flavonoid Quercetin hingegen wirkt gegen Viren und Bakterien im Körper, beugt also Erkältungen vor und bekämpft sie aktiv, wenn man sie schon hat. Erbsen, Bohnen und Linsen lassen einem alten Sprichwort nach vor allem den Allerwertesten grinsen. Darüber hinaus sind Hülsenfrüchte aber auch schleimlösend und beugen Infektionen wie Erkältungen vor. Dies ist dank der darin enthaltenen Saponine der Fall. Die Beeren des Sanddorns enthalten zehnmal mehr Vitamin C als Zitronen und zusätzlich noch Vitamin B12. Das stärkt die Abwehrkräfte. Negative Belastungen wie Angst, Despressionen und chronischer Stress können Entzündungen verursachen und das Immunsystem schwächen. Wenn unser Körper gestresst ist, steigt Cortisolspiegel, was unsere Abwehrkraft bremst. Gönnen Sie sich also öfter eine Pause und schalten Sie einen Gang zurück. Poulet enthält Aminosäuren, die dabei helfen, den Schleim in der Lunge zu lösen. Wird es zu einer heissen Brühe verkocht, hält es zudem die Nasenschleimhäute feucht, was das Atmen erleichtert. Im Schlaf kreist das Stresshormon Cortisol, das die Immunabwehr bremst, nur noch reduziert im Körper. Zudem schütten wir nachts Wachstumshormone aus, die auch für die Wundheilung gebraucht werden. Versuchen Sie daher, speziell im Winter genügend Schlaf zu bekommen Regelmässige Sauna-Gänge halten das Herz-Kreislaufsystem fit und stärken Abwehrkräfte. Durch den Wechsel von heiss und kalt wird die Wärmeregulation des Körpers trainiert und auf kühle Temperaturen vorbereitet. Wer Saunas nicht mag, kann kneippsche Wechselduschen im eigenen Badezimmer machen. Einfach die tägliche Dusche mit zwei Heiss-Kalt-Duschen (zumindest an Armen und Beinen) beenden. Ingwer wärmt den Körper von innen, was besonders in der kalten Jahreszeit zum Schutz vor Erkältungen hilft. Die Schleimhäute im Mund- und Rachenraum werden zudem durch das Knollengewächs gegen Bakterien und Viren geschützt. Übergiessen Sie frische Ingwerscheiben mit heissem Wasser und geniessen Sie einen entspannenden Tee. Die Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente aus Gemüse und Früchten sind eine wertvolle Unterstützung für die Abwehrzellen des Immunsystems. Richtigen Sie Ihren Speiseplan nach den Jahreszeiten: Besonders empfehlenswert sind einheimische Wintergemüse und -Salate. Zink reduziert die Dauer und Stärke einer Erkältung, wenn mit der Einnahme innerhalb von 24 Stunden nach dem Einsetzen der Symptome begonnen wird. Andere Untersuchungen zeigen: Wenn Zink länger als sechs Monate lang genommen wird, nimmt die Häufigkeit von Infekten ab. Zink wird in Tabletten, Kapseln oder Saft angeboten. Wenn Sonnenstrahlen auf unsere Haut treffen, bildet sie Vitamin D, das unser Immunsystem unterstützt. Besonders viel Vitamin D steckt auch in Lachs oder Sardinen. Essen Sie häufiger mal Fisch - seine Omega-3-Fettsäuren hemmen Entzündungen - und gehen Sie täglich eine halbe Stunde nach draussen, am besten zwischen 10:00 und 15:00 Uhr. Wer Alkohol im Blut hat, produziert weniger vom Botenstoff Interferon-gamma - dieser ist besonders wichtig für unser Immunsystem, um Viren abzuwehren. Beim Anflug einer Erkältung oder Grippe sollten Sie deswegen auf das Feierabendbier verzichten - sonst ziehen Sie die Erkrankung länger hinaus als nötig.

Zum Thema
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Kalte Temperaturen allein machen noch keine Erkältung. So viel steht fest. Denn verursacht wird sie durch die sogenannten Rhinoviren. Trotzdem spielt Kälte beim Verlauf der Infektionskrankheit (siehe Box) eine Rolle, wie Forscher der Yale University School of Medicine im US-Bundesstaat Connecticut nun in den «Proceedings of the National Academy of Sciences» berichten.

Für die Studie hatte das Team um Akiko Iwasaki untersucht, wie gut sich die Erkältungsviren im Gewebe des Nasen-Rachen-Raums – in den sogenannten Epithelzellen – bei unterschiedlichen Temperaturen entwickeln können.

Deutliches Ergebnis

In den Experimenten nutzten die Forscher Laborkulturen von Mäuse-Epithelzellen. Diese infizierten sie mit einer tierischen Version der Erkältungs-Erreger und kultivierten sie bei unterschiedlichen Temperaturen. 33 Grad Celsius entsprach dabei den Bedingungen in einer vergleichsweise kühlen Nase.

Umfrage
Sind Sie oft erkältet?
19 %
36 %
45 %
Insgesamt 3341 Teilnehmer

Dabei zeigte sich: Im Vergleich zu 37 Grad Celsius bildeten sich bei 33 Grad deutlich mehr Viren in den infizierten Zellen.

Kälte meiden

Die Erreger profitierten dabei laut den Forschern jedoch nur indirekt von den kühleren Bedingungen. So reagierte die Immunabwehr der infizierten Zellen bei den niedrigen Temperaturen weniger gut. Das bestätigten weitere Versuche.

Die zeigten, dass die Vermehrungsrate der Viren immer gleich hoch ist – und zwar unabhängig von der Temperatur. «Das zeigt, dass der Reaktion des Wirtes die grösste Bedeutung zukommt», zitiert das Institut Iwasaki in einer Mitteilung.

Obwohl die Studie an Mäusezellen durchgeführt wurde, ist auch beim Menschen von einem vergleichbaren Zusammenhang auszugehen, so Iwasaki und seine Kollegen. Deshalb sollten anfällige Menschen besser die Kälte meiden.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brigle am 07.01.2015 06:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klimaanlagen

    Ich bin fast nie erkältet. Aber etwas kann ich überhaupt nicht ertragen, das sind Klimaanlagen, welche Räume so eingestellt sind, dass man friert. Und dies obwohl draussen Sommeer ist. Dä reagiert mein Körper sofort mit einem Schnupfen.

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  • Roger am 07.01.2015 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Schnee durch kalte Temperaturen

    Manchmal ist das offensichtlichste auch das naheliegendste. Wenn 99% aller Erkältungen im Winter passieren ist vermutlich ein Zusammenhang mit der Temperatur gegeben, dafür braucht es wohl keine Studie um das zu beweisen. Wenigstens ist die Erkenntnis wie Kälte zur Erkältung führt neu.

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  • Mrs Winter am 07.01.2015 07:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewusst wie

    Bin jeden Tag draussen, bei jedem Wetter und so gut wie nie erkältet. Immer warme Füsse und viel Wintergemüse, Kohl, Randen, Rüben, Sauerkraut; das ist mein Rezept. Dazu gute Händehygiene.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dietrich Michael Weidmann am 07.01.2015 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Geniale Wissenschaftler ;-)

    Grossartig, dass diese Wissenschaftler nun endlich auch begreifen, was sonst jedes Kind schon seit Jahrtausenden weiss! Dass extreme Witterungsbedingungen die Imunabwehr beeinträchtigen, liegt doch eigentlich auf der Hand und dass man bei extrem klater und nasser Witterung häufiger krank wird, dazu braucht es wohl wirklich keiner besonderer "wissenschaftlicher" Untersuchungen - die Kälte ist natürlich nicht die Ursache der Krankheit, hat aber eben Einfluss auf deren Verlauf!

  • Peter der Warme am 07.01.2015 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja!

    Bei uns haben die "Snowbirds" jedes Jahr die Erkältungen in die Tropen eingeflogen, gar nicht einfach so eine Erkältung los zu werden wenn man wegen der Hitze die kühle sucht!! Angesteckt haben sich alle, so von wegen die Viren seien über einer gewissen Temperatur nicht mehr aktiv!

    • Hans-Rudolf am 07.01.2015 18:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Besser lesen

      Wer lesen kann ist klar im Vorteil! Da steht dass, das Immunsystem im Winter weniger stark dagegen reagiert als im Sommer.

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  • Remo am 07.01.2015 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Ach ja.

    Der gröste teil ist immer im Winter Erkältet,was haben den die Forscher gedacht? Es kommt von der Affenhitze im Winter

    • Jens M. am 07.01.2015 13:58 Report Diesen Beitrag melden

      Muss trotzdem nichts mit Kälte zu tun ha

      Korrelation heisst nicht Kausalität.

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  • ilan z am 07.01.2015 12:04 Report Diesen Beitrag melden

    lange gedauert

    bei mir hat sich diese saison meine erkältung ca. einen monat hingezogen. unglaublich

  • Robert am 07.01.2015 11:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volksmund weiss es schon lange

    Und wieder eine super Studie