Seltene Krankheit

04. Dezember 2012 21:09; Akt: 04.12.2012 21:10 Print

Es ist nicht immer Rotz, was aus der Nase läuft

Einer Frau aus Tucson lief monatelang die Nase. Die Ärzte diagnostizierten allerlei Allergien und Erkältungen. Dabei kam die Flüssigkeit von ganz woanders.

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Aundrea Aragon kann wieder lachen: Das ärgerliche Nasentröpfeln hat endlich aufgehört. (Screenshot: ABC News)

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Aundrea Aragon war verzweifelt: Der dreifachen Mutter aus Tucson im US-Bundesstaat Arizona floss monatelang Tag und Nacht das Wasser aus der Nase. Die Papierkügelchen, mit denen sie versuchte, das störende Rinnen aufzuhalten, musste sie ständig wechseln. Besonders schlimm war es, wenn sie sich nach vorne lehnte. «Da konnte es literweise tröpfeln», erzählte sie in einem Interview mit dem Nachrichtensender «ABC News». Nachts im Bett liegend würde sie gar an so viel Flüssigkeit ersticken, so Aragon weiter. «Meine Brust schmerzte und ich begann zu glauben, ich hätte eine Lungenentzündung.»

Die Ärzte, die Aragon anfänglich aufgesucht hatte, diagnostizierten ihr zunächst eine typische Erkältung. Als sich ihr Zustand nicht verbesserte, suchte sie Spezialisten auf. Doch auch diese konnten den Ursprung von so viel Flüssigkeit nicht erklären. Sie sagten Aragon, es könnte sich um eine allergische Reaktion handeln. Schliesslich landete die Frau im Notfall.

Hirnflüssigkeit floss aus der Nase

Eine Computertomografie brachte endlich eine Erklärung für das konstante Rinnen aus der Nase: Aundrea Aragon hatte zwei kleine Risse in der Stirnhöhle und die Flüssigkeit aus ihrer Nase war kein gewöhnlicher Rotz, sondern Hirnflüssigkeit. Aragon war schockiert – und erschrocken. Denn die Lösung, die die Mediziner vorschlugen, bedeutete eine komplizierte Hirnoperation. «Normalerweise müsste man das Hirn des Patienten nach hinten ziehen, indem man die Frontallappen entfernt, und dann die Risse flickt», erklärte Dr. Alexander G. Chiu von der Uniklinik der University of Arizona, an die Aragon verwiesen wurde.

Doch Aragon hatte Glück: Hals-Nasen-Ohren-Spezialist Chiu und sein Kollege, Neurochirurg Dr. G. Michael Lemole beherrschen eine Technik, bei der dem Patienten eine invasive Operation erspart bleibt. Chiu und Lemole färbten zunächst Aragons Flüssigkeit ein, um die genaue Stelle der Verletzung zu lokalisieren. Als nächstes führten sie den endoskopischen Eingriff durch und verklebten die undichten Stelle mit Gewebe aus Aragons Bauch.

Die Operation war ein totaler Erfolg. «Ich hätte an Menningitis erkranken und sterben können, wenn die Ärzte mich nicht operiert hätten» behauptete Aundrea Aragon im Nachhinein. «Ich schätze mich sehr glücklich». Ihr sind zudem nicht nur qualvolle Schmerzen, sondern auch Narben und Nebenrisiken erspart geblieben.

(kle)