EHEC-Infektionen

31. Mai 2011 15:20; Akt: 08.06.2011 11:43 Print

Es waren nicht die spanischen GurkenEs waren nicht die spanischen Gurken

Die in den untersuchten Gurken aus Spanien gefundenen EHEC-Keime sind doch nicht der Auslöser für die EHEC-Erkrankungen. Die Behörden tappen weiter im Dunkeln.

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«Das Problem ist eigentlich nicht das Bakterium selbst, sondern ein Toxin (Giftstoff), das von ihm produziert wird», sagt Andreas Widmer, Leitender Arzt der Spitalhygiene des Universitätsspitals Basel. Laut Widmer Eine derartige Häufung der Krankheitsfälle und die teils schweren Verlaufsformen liessen allerdings darauf schliessen, dass nicht der ursprüngliche Typ des Erregers für die zahlreichen Infektionen verantwortlich gemacht werden könne. Bereits nach den ersten EHEC-Ausbrüchen in Deutschland vermuteten Experten, dass es sich es sich handle. Nachdem der Übeltäter als Serotyp 0104:H4 enttarnt wurde, verwarf man diese Hypothese aber zunächst wieder. Nach aktuellem Wissensstand ist nun doch alles ganz anders, als bisher angenommen. Während man am Uniklinikum Münster ausschliesslich die Oberflächenstruktur des EHEC-Erregers analysierte und zuordnete, gelang es deutschen und chinesischen Forschern wenig später, das Erbgut des Keims zu entschlüsseln - mit überraschendem Resultat: Bislang wurde hauptsächlich von deutschen Infektionsfällen mit dem EHEC-Erreger berichtet. Andreas Widmer: «Nein, ich persönlich rate aber dazu, in Deutschland gekauftes Obst und Gemüse nicht ungekocht oder ungeschält zu verzehren, solange die Infektionsquelle noch unklar ist.» Bei Schweizer Früchten und Gemüse besteht Widmer zufolge derzeit keine Gefahr. «Von Mensch zu Mensch wird der Erreger über eine Schmierinfektion übertragen. Da es sich um ein Darmbakterium handelt, kann es selbst durch geringe Mengen Stuhl übetragen werden», sagt Widmer. Geschätzte 20 Prozent aller Ehec-Erkrankungen werden auf diesem Wege verbreitet. «Starker, häufig auch blutiger Durchfall ist für eine EHEC-Infektion typisch», sagt Widmer. Anders als bei einer Infektion mit Salmonellen mache sich EHEC aber nicht durch Fieber bemerkbar. Treten die für EHEC typischen Beschwerden auf, rät der Professor dazu, sich umgehend in die Notfallstation eines Spitals zu begeben. Andreas Widmer: «Mit Hilfe einer Laboranalyse. Alledings ist hierfür ein spezieller Test notwendig - es muss also bereits ein dringender Verdacht vorliegen, damit dieser Test gemacht wird.» Aufgrund der zahlreichen EHEC-Fälle in Deutschland, entwickelten Forscher des Universitätsklinikums Münster einen Schnelltest. «Ganz im Gegenteil: Antibiotika führen zu einer massiven Verschlechterung des Zustands, weil durch das Abtöten der Erreger die Freisetzung von Giftstoffen angekurbelt wird», warnt Widmer. Auch von einer Selbstbehandlung mit Durchfallmedikamenten rät der Spezialist ab: «Sie fördern die Aufnahme dieser Toxine.» «Normalerweise sind schwere Verläufe eher selten. Einige der aktuellen Fälle in Deutschland verlaufen jedoch ungewöhnlich schwer», sagt der Experte. Bei einem kritischen Verlauf könne es zu einer schweren Blutgerinnungsstörung, einem sogenannten HUS (hämolytisch-urämischen Syndrom), sowie zu schweren Nierenschädigungen bis hin zu Nierenversagen kommen. Andreas Widmer: «Mit einer intravenösen Salzlösung wird die verlorengegangene Flüssigkeit ersetzt». Um Nierenschäden durch die im Organismus freigesetzten Giftstoffe zu verhindern, kann eine Dialyse (Blutwäsche) zum Einsatz kommen.» Ansonsten seien die Therapiemöglichkeiten sehr beschränkt, wie Widmer ergänzt. Andreas Widmer: «Nein, bislang steht uns keine Immunisierung zur Verfügung.»

EHEC: Zehn Fragen - zehn Antworten.

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Die Ursache für die EHEC- Erkrankungswelle ist wieder völlig offen. Auf zwei spanischen Gurken in Hamburg, die zunächst als eine Quelle der Erreger galten, fanden sich zwar EHEC-Keime - aber nicht die des derzeit grassierenden Typs O104.

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«Unsere Hoffnung, die Quelle der schweren Komplikationsfälle mit HUS-Syndrom zu entdecken, hat sich bei diesen ersten Ergebnissen leider nicht erfüllt», sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks am Dienstag.

Veröffentlichung war richtig

Dennoch sei es vor einigen Tagen richtig gewesen, die Untersuchungsergebnisse zu veröffentlichen, betonte Prüfer-Storcks. «Denn die Verunreinigungen können sehr wohl EHEC auslösen.» Es wäre unverantwortlich gewesen, bei einer solchen Zahl von Erkrankungen, einen begründeten Verdacht zurückzuweisen.

Neben der weiteren Suche nach der Infektionsquelle werde nach wie vor auch die Ursache für die Kontamination dieser zwei Gurken untersucht. EHEC-Bakterien stellten, unabhängig vom Serotyp, immer eine Gesundheitsgefahr dar.

Die Behörden tappen damit bei der Suche nach der Herkunft des gefährlichen Keims weiter im Dunkeln. Das Hamburger Institut für Hygiene und Umwelt hatte vergangene Wochen spanische Gurken als Quelle des Bakteriums identifiziert. Allerdings musste zur Bestimmung des Erregertyps zunächst eine Reinkultur angezüchtet werden.

Erste Tote ausserhalb Deutschlands

Die jüngste Erkrankungswelle mit dem gefährlichen Durchfallerreger EHEC hat das erste Todesopfer ausserhalb von Deutschland gefordert. In Schweden erlag nach Krankenhausangaben eine Frau einer EHEC-Infektion. Es ist der erste EHEC-Todesfall ausserhalb Deutschlands. Die Patientin war nach einer Reise nach Deutschland am 29. Mai erkrankt und in das Krankenhaus in Boras in Südwestschweden eingeliefert worden.

In Nordrhein-Westfalen gab es unterdessen einen dritten Todesfall. Damit erhöhte sich bundesweit die Zahl der im Zusammenhang mit einer EHEC-Infektion gestorbenen Menschen auf 15. Die genaue Ursache der Infektion ist bislang unbekannt. Der Erreger wurde an Gurken gefunden, die aus Spanien importiert wurden. Auch in anderen europäischen Ländern erkrankten in jüngster Zeit Hunderte Menschen. Russland stoppte am Montag bis auf weiteres den Import von Gurken, Tomaten und frischem Salat aus Spanien und Deutschland.

Schnelltest entwickelt

Im Kampf gegen den gefährlichen Darmkeim EHEC haben Forscher des Universitätsklinikums Münster einen Schnelltest zum Nachweis des EHEC-Erregers entwickelt. Bei dem Test könnten spezifische Gene des Ausbruchsstammes vervielfältigt und somit nachgewiesen werden, teilte das Universitätsklinikum mit. An dem Verfahren gab es indes sofort Kritik vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE): Der Test sei derzeit wenig hilfreich. Derweil wurde in Nordrhein-Westfalen ein weiteres Todesopfer gemeldet.

Ein Sprecher des Universitätsklinikums Münster teilte mit, mithilfe des neuen Schnelltests sei es möglich, schon kleinste Mengen von EHEC-Erregern innerhalb weniger Stunden auf die speziellen Eigenschaften des Ausbruchsstammes zu untersuchen. Der Test könne in jedem molekularbiologischen Labor durchgeführt werden. Einzelheiten sollten bei einer Pressekonferenz um 14.00 Uhr mitgeteilt werden.

Der ärztliche Direktor des UKE, Jörg Debatin, kritisierte im ZDF-«Morgenmagazin», der Schnelltest bringe in der aktuellen Situation nicht viel. Im Augenblick sei es so, dass Patienten, die mit den klassischen Symptomen wie Bauchkrämpfen und blutigem Durchfall ins Krankenhaus kämen, ohnehin ausnahmslos mit EHEC infiziert seien. Bei eventuellen künftigen Ausbrüchen könne der neue Test aber eine Hilfe sein.

Klinik besorgt über neurologische Komplikationen

In den sieben grossen Asklepios Kliniken in Hamburg wächst die Sorge um neurologische Komplikationen bei EHEC-Patienten. Beunruhigend sei, dass etwa die Hälfte aller schweren Verlaufsfälle mit dem Hämolytisch-Urämischen Syndrom (HUS) nach drei bis fünf Tagen neurologische Ausfallerscheinungen entwickelten, sagte Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Abteilung in der Asklepios Klinik Altona, am Dienstag in Hamburg.

Als Grund dafür nennt der Mediziner das Ansteigen der giftigen Stoffe in den Gefässen der Patienten. «Schwellungen und kleine Blutverklumpungen verstopfen die Blutbahnen. Ähnliche Verläufe sind in der Literatur vereinzelt bei Patienten mit Rota-Viren beschrieben worden», sagte Röther.

(sda/dapd)

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  • vanessa ulrich am 15.06.2011 18:08 Report Diesen Beitrag melden

    veröffentlichung war richtig!!!

    ich finde es super, dass wir informiert wurden über die vermutung. In Tschernobyl haben sie das fasch gemacht, weil die Leute schon verseucht waren als sie Informiert waren, obwol die Forscher wussten wie gefährlich das ist.

  • Mannomann aus Winterthur am 07.06.2011 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wer zieht einen Nutzen daraus?

    Jede Grippewelle rafft mehr Leute hin als ein Gemüse. Ich frage mich wer Nutzen daraus zieht? Wohl wieder die Pharmaindustrie. Eine "Fastfalschmeldung" und die Welt hört auf Gurken oder Sprossen oder Bananen oder.... zu essen. Konsumiert Gemüse vom regionalen Produzenten, denn die Regionalen Bakterien gehören zu unserer Darmflora. Hört auf Gemüse durch die Welt zu karren. Das spart nicht nur Energie....

    • birgit am 08.06.2011 08:47 Report Diesen Beitrag melden

      naja

      Also: die gehören nicht zu unserer Darmflora.. es sei denn, man ist ein Wiederkäuer.... aber regionales Gemüse esssen ist schon gut, nutzt in Norddeutschland im Moment aber auch nix, solange mann nicht weiss, wie das bakterium auf die Menschen übertragen wird/ wurde. Für die Pharma lohnt das allerdings kaum.. dafür sinds dann doch viel zu wenige, wenn man so zynisch sein will

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  • Stephan Jordi am 06.06.2011 21:50 Report Diesen Beitrag melden

    Quelle doch gefunden?

    Es gibt in Norddeutschland ein Gericht namens Moppelkotze (vgl. Wikipedia), welches die Quelle des Erregers sein könnte!

    • Allegra am 07.06.2011 10:23 Report Diesen Beitrag melden

      eher nicht

      Eher nicht. kochen zerstört das Bakterium.

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