Schlimmer Parasit

22. Januar 2018 20:25; Akt: 22.01.2018 20:25 Print

Böser Guineawurm wehrt sich gegen die Ausrottung

Bisher hat der Mensch einzig das Pockenvirus ausgerottet. Nun gibt es mit dem Guineawurm einen weiteren Erreger, dessen Tage gezählt sind.

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Vom Guineawurm gibt es Gutes zu berichten. Die Ausrottungskampagne scheint zu greifen: Gab es Mitte der 1980er-Jahre noch 3,5 Millionen Neuinfektionen in 21 Ländern, sind aus dem Jahr 2017 nur noch insgesamt 30 Fälle bekannt – 15 davon in Äthiopien, 15 im Tschad. Zwar sind die Infektionen mit dem bis zu einen Meter langen Guineawurm nicht tödlich, aber extrem schmerzhaft. An Arbeit oder Ähnliches ist für sie nicht zu denken. Deshalb wird die Krankheit in Nigeria «Armut» und in Mali «Krankheit der leeren Kornkammern» genannt. (Im Bild: Jimmy Carter mit Betroffenen) Zu den Schmerzen kommt es, weil die Würmer zunächst durch den ganzen Körper wandern, bevor sie an den Füssen die Haut durchdringen, um dort ihre Larven abzulegen. Medikamente oder eine Impfung gegen den Parasiten existieren nicht. Er lässt sich nur mit der Hand entfernen. Man zieht den Wurm ein kleines Stück heraus und wickelt ihn auf ein Stöckchen auf. Mehr als zwei Zentimeter pro Tag sollten es aber nicht sein, da er sonst abreissen könnte. Die Betroffenen infizieren sich meist über ungefiltertes Trinkwasser mit dem Guineawurm ... ... genauer über die darin schwimmenden und von Wurmlarven befallenen winzigen Ruderfusskrebse (Copepoda). Deshalb waren Aufklärung und engmaschige Stoffnetze die wichtigsten Punkte der grossangelegten Ausrottungskampagne. Nun wurde die Aufklärung erweitert: ... Weil sich zwar immer weniger Menschen, dafür aber zunehmend Hunde mit dem Guineawurm infizieren – wahrscheinlich über Fischabfälle –, wird den Fischern in den betroffenen Regionen empfohlen, ihre Fischabfälle sicher zu entsorgen und nicht wie bis anhin achtlos wegzuwerfen.

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Infektionskrankheiten auszurotten ist schwierig. Bisher ist dies erst einmal gelungen, in den 1970er-Jahren, als die Welt für frei von Pocken erklärt wurde.

Jetzt teilt das 1982 vom ehemaligen US-Präsidenten Jimmy Carter und seiner Frau Rosalynn eröffnete Carter Center mit, dass bald auch das letzte Stündchen des Guineawurms (Dracunculus medinensis, auch Medinawurm genannt) geschlagen haben könnte.

Die Non-Profit-Organisation gilt als federführend in der 1986 ins Leben gerufenen Ausrottungskampagne. Deren wichtigste Pfeiler sind die Aufklärung und das Verteilen von engmaschigen Stoffnetzen, die verhindern, dass Larven des Wurms ins Trinkwasser gelangen (siehe Box).

Massnahmen zeigen endlich Wirkung

Tatsächlich peinigt der parasitäre Fadenwurm Menschen in Asien und Afrika schon seit Jahrtausenden. Sogar in Mumien konnten seine Spuren nachgewiesen werden. Doch in den letzten Jahren wurde er immer seltener.

Gab es Mitte der 1980er-Jahre noch 3,5 Millionen Neuinfektionen in 21 Ländern, sind aus dem Jahr 2017 nur noch insgesamt 30 Fälle bekannt – 15 davon in Äthiopien, 15 im Tschad. Ein Erfolg, wenn auch ein verspäteter.

Wurm sucht sich neue Wirte

Ursprünglich hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO die Ausrottung des Wurms für 2009, dann für 2015 angekündigt. Doch den Parasiten auszumerzen ist schwieriger als gedacht. Schuld daran sind offenbar Hunde, die zunehmend von dem Parasiten befallen werden und ihn zu den Menschen tragen, wie das Carter Center schreibt.

Warum der Wurm in den letzten Jahren immer häufiger auch auf Hunde übergegangen ist, bleibt unklar. Wie Parasitologe David Molnyeux von der Liverpool School of Tropical Medicine gegenüber «Nature» sagt, könnte es sein, dass sich der Wurm auf einen neuen Wirt spezialisiert hat, nun, da er den Menschen nur noch schwer erreichen kann.

Um zu verhindern, dass es zu einer erneuten Infektionswelle kommt, wurden neue Aufklärungskampagnen gestartet, wie Spiegel.de schreibt. In einer davon wird den Fischern in den betroffenen Regionen empfohlen, ihre Fischabfälle sicher zu entsorgen und nicht wie bis anhin achtlos wegzuwerfen.


Infektionen mit dem bis zu einen Meter langen Guineawurm sind extrem schmerzhaft. (Video: The Carter Center)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lele am 22.01.2018 21:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trinkwasser

    Dankbar, dass wir unser Wasser bedenkenlos trinken können

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  • Susi am 22.01.2018 21:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dankbar

    Vielen hier ist gar nicht bewusst, was für ein Privileg es doch ist, in unserem Land leben zu dürfen.

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  • Walter Borpa am 22.01.2018 21:13 Report Diesen Beitrag melden

    Wirt

    Ich bin auch ein Wirt. Mein Chef sagt immer, er bekomme Würmer wegen mir.

Die neusten Leser-Kommentare

  • C.Martin am 23.01.2018 17:14 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr dankbar

    Dankbar dass hier aus fast jedem Wasserhahn Trinkwasserqualität kommt.

    • Papa Bär am 23.01.2018 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @C.Martin

      Yupp. Und etwas Rost verhindert Eisenmangel. Ironie aus!

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  • Advocatus Diaboli am 23.01.2018 09:55 Report Diesen Beitrag melden

    Natur pur

    Und, wo sind sie? Wo sind die Leute, die immer jammern, dass der Mensch in die Natur eingreift?

  • Jacqueline Heer am 23.01.2018 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Äääääh!

    Zum Glück gehts diesem Wurm an den Kragen! Schlimme Bilder, aber wie bei einem Horrorfilm; mit halb verdeckten Augen guckt man trotzdem hin.......

  • Papa Bär am 23.01.2018 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Natur ging schon immer...

    ...seine eigenen Wege. Reguliert sich selbst. Mag sich vielleicht oberflächlich lesen wenn Selektion genannt wird, ist aber so in unserem Tierreich Mensch. Nur die Stärksten überleben. Darüber kann man noch so lange sinnieren. Irgendwann ist trotzdem fertig und was bleibt ist die Erinnerung, an eine schöne Zeit, hoffentlich.

    • Rob am 23.01.2018 08:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papa Bär

      Ja der Stärkere gewinnt. Nestle kauft die sauberen Quellen auf und die armen müssen verseuchtes Wasser saufen, wie die Hunde.

    • sumsi am 23.01.2018 09:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papa Bär

      wau, das nenn ich mal abgestumpftes mitgefühl :-O

    • asdf am 23.01.2018 09:42 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht die stärksten

      Sondern die an ihre Lebensräume am besten angepassten.

    • Jugni am 23.01.2018 10:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papa Bär

      Wir von den reichen Staaten müssen in den ärmeren Ländern unter die Arme greifen.Wasser filtermaschinen herstellen und das Wasser und Land von den keimen ausrotten!

    • Tom am 23.01.2018 10:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papa Bär

      früher war das sicher so. jetzt überleben nicht die stärksten sondern die die geld haben.

    • steven am 23.01.2018 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jugni

      warum sollten wir das müssen? ps: die schweiz hat 100 milliarden schulden. in welchem universum ist das reich?

    • Dario Hüsser am 23.01.2018 11:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jugni

      In den letzten 50 Jahren wurden mehr als 1000 Miliarden in Entwicklungshilfe investiert wohlgemerkt nur in Afrika, andere länder ausgeschlossen. Sehen Sie eine verbesserung der Situation? Oder sollten wir noch mehr Geld augebe?

    • meli am 23.01.2018 11:53 Report Diesen Beitrag melden

      @papa bär

      wir profitieren aber hier von der wirtschaft. wenn wir weder die natur noch unsere mitmenschen direkt oder indirekt ausbeuten würden um selber ein mehr oder weniger bequemes leben zu führen wären wir vielleicht auch von solchen würmern befallen und selektion hätte meiner meinung nach seine berechtigung.

    • Das Biest am 23.01.2018 13:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papa Bär

      Nicht die Starken, sondern die cleveren, durchtriebenen und anpassungsfähigen überleben.

    • Alles wird gut am 23.01.2018 14:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rob

      Und wer bitte schön verkauft die Quellen? Und wer bitte schön kassiert das schöne Geld?

    • Papa Bär am 23.01.2018 16:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Das Biest

      Ja, kann man natürlich auch so formulieren. Aber durchtrieben lassen wir besser mal weg. Muss ja niemand wissen, dass man mit einer Flasche Kirsch jeden Wurm killt. Da kann man nur hoffen, nicht täglich einen Wurm einzufangen weil dann die Leber streikt.

    • Papa Bär am 23.01.2018 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tom

      Nicht wirklich. Komme auch mit fast gar nichts einigermassen gut durchs Leben. Jeder Mensch ist anpassungsfähig. Das liegt in unserer Natur. Ich wurde geboren um zu leben und das tue ich nun bereits seit über einem halben Jahrhundert. Auch ohne Schnickschnack.

    • Sicher nicht wir! am 23.01.2018 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jugni

      Lassen wir sie das selber machen. Nur so können sie auch etwas lernen.

    • Papa Bär am 23.01.2018 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @meli

      Sehr gut meli. Natürliche Selektion macht schon Sinn, wenn es die Richtigen trifft. Doch wer hat dies zu entscheiden? Ich nicht und Sie auch nicht und das ist gut so. Überlassen wir es dem Schicksal und machen das Beste daraus bis das Ende kommt. Meine Verlobte hatte ein Lächeln im Gesicht und hob ihren rechten Zeigefinger nach oben als sie gehen musste. So schlimm kann der Tod also doch nicht sein. Schreibt ein überzeugter Buddhist. Es wird in Frieden weiter gehen bis in die Unendlichkeit. Nur keine Angst, alles wird gut.

    • Jugni am 23.01.2018 18:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @steven

      Wir müssen unseren Lebensstil etwas Einschränken.Und auch herum schauen wo es nötiger haben als wir.Und es hat hier und anderswo genug reiche Menschen,Scheich's etc

    • Jugni am 23.01.2018 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Alles wird gut

      Wir die weissen Gesellschaft auf dem ganzen Globus!

    • Jugni am 23.01.2018 18:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Das Biest

      Das ist auch wahr.Wer geizig überlebt besser als wenn jemand zu grosszügig ist!

    • Papa Bär am 23.01.2018 19:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jugni

      Ja und konkret? Wer sagt denn dass ich zu den Bleichgesichtern gehöre?

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  • Stefan am 23.01.2018 04:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Apothekensymbol!

    Stöckchen mit aufgewickeltem Wurm! Von solchen Behandlungsmethoden her kommt das Apothekensymbol.

    • Manu am 23.01.2018 05:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Stefan

      Stimmt nicht, dies stammt aus dem alten Testament, als Moses eine Schlange machen musste und sie an ein Kreuz befestigte. Das Volk Israel war krank und jeder, der die Schlange ansah, wurde gesund.

    • Renato. am 23.01.2018 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manu

      Stimmt auch nicht ganz. Das Symbol des Stabes mit einer Schlange ist auf den griechischen Gott der Heilkunde, Asklepios zurück zu führen. Nicht zu verwechseln mit dem Stab des Gottes Hermes. Dieser hat zwei Schlangen.

    • Arztkind am 23.01.2018 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Renato.

      Genau, es handelt sich um den Aeskulap-Stab:

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