Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
«Alters-Gene»
15. November 2012 19:28; Akt: 16.11.2012 12:44 Print
Im Polypen steckt der Traum vom ewigen Leben
Süsswasserpolypen altern nicht und sind potentiell unsterblich. Nun ist es deutschen Forschern gelungen, der Hydra ihr Geheimnis zu entlocken: Auch Menschen tragen das Gen in sich.
Der Traum von der ewigen Jugend: Vogelscheisse und Schafplazenta sind die neuen Faltenkiller von Posh Spice. Doch die Diva ist nicht allein. Nashornpulver, Blutegel und Schneckenschleim sollen die Hollywood-Ladies wieder jung und knackig machen.
Gibt es das ewige Leben? Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität in Kiel sind dieser Frage nachgegangen und haben deshalb besonders langlebige Lebewesen auf Herz und Nieren geprüft. Im Mittelpunkt des Interesses standen Süsswasserpolypen. Die etwa einen Zentimeter grossen Hydra altern nicht und sind so potentiell unsterblich. Der Grund liegt in ihrer Fortpflanzung: Die Tiere haben keinen Sex, sondern teilen sich einfach selbst.
Um sich erfolgreich zu vermehren, müssen ihre Stammzellen stets in der Lage sein, sich zu erneuern. Menschen hingegen verlieren diese Fähigkeit im zunehmenden Alter. Mit der schwindenden Zellerneuerung erschlafft nicht nur die Haut, sondern auch Organe wie das Herz. Auch das Immunsystem ist bei Senioren bekanntermassen nur noch bedingt abwehrbereit.
Zu Beginn des Experiments isolierte das Team um Doktorandin Anna-Marei Böhm das fragliche Gen, dass die Polypen bei der Stange hält. «Auf der Suche nach dem Gen, das für die Unsterblichkeit der Hydra verantwortlich ist, sind wir unerwartet ausgerechnet auf das sogenannte FoxO-Gen gestossen», zitiert das Wissenschaftsportal «Labor Praxis» ihre Erkenntnisse, die auch im Fachmagazin «Proceedings of the National Academy of Sciences» publiziert worden sind.
Inaktiviertes FoxO-Gen schwächt Hydra
Warum aber bleibt das FoxO-Gen bei den Hydra jung und knackig, während dasselbe Gen bei alten Menschen seine Fähigkeiten verliert? In einem nächsten Schritt manipulierten die Kieler Forscher das entsprechende Gen in den Süsswasserpolypen: Bei einer Gruppe schalteten sie es ab, eine liessen sie unverändert und bei einer dritten verstärkten sie es.
Das Ergebnis: Tiere mir deaktiviertem FoxO-Gen trugen deutlich weniger Stammzellen in sich. «Da besonders aktives FoxO bereits bei über hundertjährigen Menschen festgestellt wurde, ist es mit grosser Wahrscheinlichkeit ein entscheidender Faktor beim Altern – auch beim Menschen», fasst Professor Thomas Bosch, der Leiter der Hydra-Studie, zusammen.
Erkenntnisse von 2009 bestätigt
Der Hintergrund: Forscher der Universität Kiel haben bereits vor drei Jahren entsprechende Untersuchungen angestellt: Sie nahmen DNA-Proben von 388 Deutschen, die älter als 100 Jahre sind, und verglichen die Ergebnisse mit den Proben von 731 jüngeren Versuchskaninchen. Dabei stiessen sie auf einen Gentyp namens FoxO3, der bei den «Methusalems» besonders häufig vorkommt.
Die neuen Ergebnisse bestätigen, dass die FoxO-Gene entscheidend für die Stammzellen sind, die wiederum für eine lange Lebensdauer verantwortlich sind. Ausserdem zeigen sie, dass der Erhalt der Stammzellen wesentlich für die Aufrechterhaltung des Immunsystems ist. Weitere Experimente müssen jedoch erst klären, wie FoxO beim Menschen genau funktioniert.
Solange will die «Bild»-Zeitung nicht warten und beurteilte die Studie gewohnt euphorisch: «Es steckt in uns allen: Forscher entdecken Gen für ewiges Leben». Ähnlich hat die Zeitung auch 2009 schon getitelt, als die Kieler damals das «Methusalem-Gen» fanden.
(phi)

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt

















