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Schlaganfall
06. Oktober 2011 17:29; Akt: 23.11.2011 16:10 Print
Immer häufiger trifft es junge Menschen
von Runa Reinecke - Der Mediziner Andreas Luft erklärt, warum immer mehr Junge von einem Schlaganfall betroffen sind. Damit es gar nicht so weit kommt, rät er zu einer einfachen Verhaltensregel.
20 Minuten Online: Herr Luft, welche Symptome können auf einen Schlaganfall hindeuten?
Andreas Luft: Die häufigsten Symptome sind die Halbseitenschwäche sowie Sprachstörungen. Dazu gehören undeutliches Sprechen oder Schwierigkeiten, Wörter zu finden oder andere zu verstehen. Auch Sehstörungen, Schwindel und Gesichtslähmungen sind typisch. Charakteristisch für einen Schlaganfall ist, dass die Anzeichen ganz plötzlich auftreten.
Andreas Luft, Professor am Unispital in Zürich: «Auch ein Baby kann einen Schlaganfall bekommen.»
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Migräne-Mythen
Wie sollte man sich in einem solchen Fall verhalten?
Grundsätzlich kann jedes neurologische Symptom, das überraschend auftritt, auf einen Schlaganfall hindeuten. Wichtig ist in einem solchen Fall, unbedingt schnell ein Spital aufzusuchen, das eine Akutversorgung für Schlaganfall anbietet.
Lässt sich anhand der Symptome auf die Art des Schlaganfalls schliessen?
Es gibt – grob gesehen - zwei Gruppen: Den durch einen Gefässverschluss (ischämisch) bedingten und den durch eine Gehirnblutung (hämorrhagisch) verursachten Schlaganfall.
Die Anzeichen für einen hämorrhagischen beziehungsweise einen ischämischen Schlaganfall sind praktisch identisch. Welche Symptome sich äussern, hängt vom betroffenen Hirnareal ab.
Wie kommt es zu einem Schlaganfall?
Die häufigste Ursache für einen Schlaganfall durch Gehirnblutung ist ein zu hoher Blutdruck.
Der Bluthochdruck ist ausserdem einer der wichtigsten Risikofaktoren beim ischämischen Schlaganfall, ganz besonders dann, wenn die Blutgefässe verkalkt sind und brüchig werden.
Martina Gschwend erzählte, dass sie am Abend vor ihrer Hirnblutung unter starker Migräne litt …
Eine spezielle Form der Hirnblutung, die sogenannte Subarachnoidal-Blutung, kann zu Symptomen führen, die der Migräne ähnlich sind. Wer unter Migräne leidet, hat ein erhöhtes Risiko für Ischämien. Ob auch das Risiko für Hirnblutungen (allenfalls leicht) erhöht ist, ist umstritten.
Ab welchem Alter steigt das Schlaganfall-Risiko an?
Ab dem 65. Lebensjahr - und zwar deutlich.
Welche Faktoren können einen Schlaganfall bei jungen Menschen unter 30 Jahren begünstigen?
Die Hauptgründe für eine Hirnblutung bei jungen Menschen sind angeborene Gefässveränderungen (Malformationen) oder Aneurysmen (Aussackungen an den Gefässen). Ischämien sind häufig durch Risse an der inneren Gefässwand bedingt, sogenannte Dissektionen. Eine ebenfalls sehr häufige Ursache für einen Schlaganfall bei Menschen unter 50 Jahren ist ein angeborener Herzfehler. Während einer Schwangerschaft besteht zudem ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko. Gefährdet sind vor allem Frauen, die während oder unmittelbar nach ihrer Schwangerschaft unter einer Eklampsie oder einer Prä-Eklampsie (erhöhter Blutdruck, Nierenstörungen und andere Symptome) leiden.
Gibt es eine Zunahme bei Schlaganfällen speziell bei jüngeren Menschen?
Ja, definitiv. Epidemiologische Studien zeigen das für die Vereinigten Staaten, aber auch für Europa. Weil auch Bluthochdruck, Übergewicht und Diabetes zunehmen, liegt es wahrscheinlich daran, dass mehr Leute in jüngerem Lebensalter unter diesen Risikofaktoren leiden.
Ab welchem Alter kann man überhaupt einen Hirnschlag bekommen?
In jedem Alter. Auch ein Baby kann einen Schlaganfall erleiden.
Wie diagnostiziert man einen Hirnschlag?
Da es bei der Diagnose eines Schlaganfalls schnell gehen muss, nutzt man bildgebende Verfahren wie das MRI oder das CT. Im MRI kann man ein Ischämie oder eine Blutung erkennen. Im CT kann man nur die Blutung erkennen. Wenn man keine sieht, kann man nur vermuten, dass eine Ischämie vorliegt. Je nach Diagnose gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze.
Wie gestaltet sich die Behandlung?
Während man bei einem Gefässverschluss versucht, durch eine Infusion das Blutgerinnsel aufzulösen, versucht man bei einem hämorrhagischen Schlaganfall Nachblutungen zu verhindern, vor allem durch Behandlung des Bluthochdrucks. Entsprechend schnell muss man also herausfinden, um welche Art von Schlaganfall es sich handelt. Nach der Akutbehandlung müssen die Patienten auf einer Spezialstation, einer Stroke Unit, betreut werden. Dort werden Komplikationen behandelt, nach der Ursache des Schlaganfalls gesucht und frühzeitig rehabilitiert.
Trifft es eher Frauen oder Männer?
Männer sind (noch) häufiger betroffen. Es könnte daran liegen, dass die Männer früher mehr geraucht haben. Das gleicht sich aber langsam aus.
Welche vorbeugenden Massnahmen empfehlen Sie?
Die einfachste und sinnvollste Empfehlung ist Sport. Wer sich regelmässig bewegt, beeinflusst den Zucker- und Fettstoffwechsel des Körpers positiv und senkt auf diese Weise sein Schlaganfall-Risiko.


























