Schweizern fehlt die Zeit

30. Oktober 2017 12:05; Akt: 30.10.2017 15:27 Print

Jeder dritte Erwachsene steht unter Dauerstress

In der Schweiz leiden viele Erwachsene unter Zeitmangel. Ein Ausweg können Kinder sein.

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Häufig greift Stress bei der Arbeit auf die Freizeit über: Ein mit Papieren beladener Schreibtisch. (Archiv) (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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Arbeit, Hobbys, Haushalt, Freunde und Familie: Das alles unter einen Hut zu bringen, fällt vielen Menschen hierzulande schwer. Zwei von drei Erwachsenen sind häufig gestresst. Fast allen fehlt oft die Zeit für Dinge, die ihnen wichtig wären.

Zu diesem Schluss kommt eine am Montag publizierte Studie der Zürcher Forschungsstelle sotomo im Auftrag der Krankenkasse KPT. Sie untersuchte, wie Schweizerinnen und Schweizer mit der Zeit umgehen – wenn sie sie überhaupt haben.

Die Zeitansprüche in den verschiedenen Lebensbereichen lassen sich für viele Bewohnerinnen und Bewohner nämlich nicht ohne weiteres unter einen Hut bringen, wie die Untersuchung zeigt. Nur ein knappes Drittel der erwachsenen Bevölkerung fühlt sich im Alltag aufgrund von Zeitmangel «selten» oder «nie» gestresst.

Zu wenig Zeit für zu viele Dinge

Rund die Hälfte ist «manchmal» und gegen dreissig Prozent sind dagegen häufig oder fast immer gestresst. Auffällig ist, dass sich Frauen im Vergleich zu Männern vermehrt mit Zeitstress konfrontiert sehen. 35 Prozent der Frauen stehen häufig oder fast immer unter Zeitstress. Bei den Männern ist dies nur jeder Vierte.

An einem typischen Tag unter der Woche stehen einer erwachsenen Person gemäss Selbsteinschätzung durchschnittlich knapp fünf Stunden für Essen, Fernsehen und Hobbys zur Verfügung. Für neun von zehn Befragten kommt dabei einiges zu kurz. Jeder Zweite hätte etwa gerne mehr Zeit für Bewegung/Sport sowie Freundschaftspflege. Eltern fehlt am häufigsten die fehlende Zweisamkeit mit dem Partner oder der Partnerin.

Bei rund der Hälfte der Bevölkerung verursachen private Pflichten wie Hausarbeit, Betreuung, Vereine oder Administratives Stress. Über ein Drittel der erwachsenen Bevölkerung ist zudem von Arbeit gestresst, die in die Freizeit ausgreift – sei dies in Form von Überstunden oder geschäftlichen E-Mails und Telefonaten ausserhalb der Arbeitszeit.

Kinder sind der Weg zum Glück

Klassische und soziale Medien werden von rund jedem Fünften als Grund für Zeitstress genannt. Gleichzeitig erholen sich 45 Prozent beim Fernsehen, mit Serien oder im Internet. In Sachen Erholung siegt allerdings die Natur über die Technik. Mehr als jede zweite Person empfindet Zeit im Freien als am erholsamsten.

Wenig überraschend ist eine weitere Erkenntnis der Studie: Demnach hat Zeitstress einen negativen Einfluss auf die Zufriedenheit mit der Lebenssituation. Wer seine Lebensbereiche im Einklang hält und selten oder nie in Zeitstress gerät, hat demnach vier Mal häufiger eine hohe Lebenszufriedenheit als jemand, der aus zeitlichen Gründen oft gestresst ist.

Eine Ausnahme bilden allerdings die Eltern. Sie sind zwar deutlich öfter gestresster als Erwachsene ohne Kinder, zugleich jedoch auch deutlich zufriedener mit ihrer Lebenssituation. Immerhin jeder fünfte Elternteil gibt zudem an, sich bei Zeit mit den Kindern zu erholen.

Der Traum von Teilzeitarbeit

Die Studie fragte auch die Wünsche der Bevölkerung zum Thema Zeit ab. Demnach würden zwei Drittel der Vollerwerbstätigen ihr Pensum gerne reduzieren – wenn sie denn die freie Wahl hätten. «Dass sie es nicht tun, macht deutlich, dass finanzielle Gründe und womöglich auch gesellschaftliche Erwartungen diesem stillen Wunsch entgegenwirken», schreiben die Studienautoren.

Der Wunsch, weniger zu arbeiten, besteht nicht nur in Bezug auf den Anstellungsgrad, sondern er zeigt sich laut der Studie auch bei der Einstellung zum Rentenalter. Die Hälfte der Befragten würde bei freier Wahl spätestens mit sechzig Jahren in Rente gehen. Weniger als ein Fünftel möchte erst mit 65 Jahren oder später mit Arbeiten aufhören.

Die Befragung macht auch deutlich, dass von einer Mehrheit der Erwerbstätigen flexible Arbeitszeiten als positiv angesehen werden. 54 Prozent wünschen sich möglichst grosse Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten. Zusätzliche 30 Prozent erachten gleitende Arbeitszeiten als ideal. Nur 17 Prozent bevorzugen fixe Arbeitszeiten.

Über sieben Stunden Schlaf

Für die sotomo-Studie befragt wurden Anfang September 7958 Personen im Internet. Die Antworten wurden gewichtet, die Resultate sind repräsentativ. Auf diesem Weg konnte auch der durchschnittliche Tagesablauf von Menschen hierzulande analysiert werden.

Demnach verbringen wir für Erwerbsarbeit etwas weniger als acht Stunden auf. Der Schlaf dauert im Schnitt sieben Stunden und 18 Minuten. Dabei gibt es laut den Studienautoren kaum Unterschiede zwischen Erwerbs- und Nichterwerbstätigen. Einzig Personen, die bereits pensioniert sind, schlafen im Durchschnitt etwa vierzig Minuten länger.

(chi/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • anerom am 30.10.2017 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    tja...

    die Arbeitgeber saugen und so richtig aus und wenn wir nicht mehr zu gebrauchen sind werden wir ausgewechselt.

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  • Janöd? am 30.10.2017 12:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schweden

    Wir sollten uns an schweden ein beispiel nehmen, und auch nur 6h am tag arbeiten.

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  • Unnutz am 30.10.2017 12:18 Report Diesen Beitrag melden

    So ein Quatsch

    Ohne Kinder hätte ich viel weniger Stress. Stressfaktor Nr 1 ist die Geldsorge. Stressfaktor Nr 2 ist die Firma, die genau die Familien unter Druck setzt und nötigt. Ein Alleinstehender kann man nicht erpressen. Sehe ich schon in meiner Abteilung. Stressfaktor Nr 3 ist die Erwartungshaltung unserer Leistungsgesellschaft und Behörden. Wehe wenn Du nicht gleich tickst wie alle anderen komerzgeilen Familien. Wenn dann auch beide Elternteile Chanchen auf Teilzeit oder überhaupt eine Anstellung bekommen. Wie auch das Geld reicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • was ist am 02.11.2017 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    "Stress"

    Allein schon den Begriff Stress zu benutzen ist kontraproduktiv. Viel Arbeit kann es immer Geben, aber Stress hat der der sich Stress macht.

  • asdf am 31.10.2017 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wohlstand hat seinen Preis

    Die Schweiz hat international verglichen einen der höchsten Lebensstandards überhaupt. Das hat natürlich seinen Preis. All den Jammeris hier empfehle ich entweder ihr Leben neu zu organisieren oder auszuwandern. In anderen Ländern und Kulturen werden die Dinge viel lockerer angegangen oder teilweise auch einfach sich selbst überlassen, und man ist viel weniger auf materiellen Besitz und Geld fixiert. z.B. Bangladesch, die Menschen sind (aus unserer Sicht) arm, sind aber dennoch viel viel glücklicher als der Durchschnittsschweizer.

  • lsle Znark am 31.10.2017 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Tiha man muss wisse wie man leben will!!

    Wenn m an überall dabei sein will wo es möglich ist (nicht wo man sein muss!!) dann ist das so!! Selber verursachter STRESS!! jeder ist für sein Leben selber verantwortliche! Wo die Arbeit gemacht wird da bringt man noch mehr hin und diejenige Person findet sich UNENTBEHLICH!! Selber schuld!! Da habe ich auch einmal gemeint!! Ich musste se büssen und niemand aber gar niemand krümmet sich dann darum!! und sagt Danke!?! I Wo!!!

  • Sparfuchs Aargau am 31.10.2017 05:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verzicht

    Natürlich würden viele gerne das Pensum reduzieren. Aber weniger Arbeiten bedeutet automatisch auch weniger Lohn und viele sind nicht bereit suf einen Teil des Lohns zu verzichten! Dasselbe beim Rentenalter wer Selbstvorsorge betreibt kann ohne Probleme früher in Pension wenn er bereit ist eine tiefere PK Rente in Kauf zu nehmen!

  • Phil O'Soph am 31.10.2017 03:07 Report Diesen Beitrag melden

    Sie vermögen's nicht!

    Die meisten Leute sind unter Dauerstress, weil sie Sachen kaufen, die sie eigentlich nicht vermögen. Punkt.

    • Irene S. am 31.10.2017 03:23 Report Diesen Beitrag melden

      Auf den Punkt gebracht!

      Phil O'Soph: Aber der Druck der Arbeitskameraden, Nachbarn, Vereinskumpeln usw. ist riesig... und dann kaufst du halt den teuren Wagen, das neueste iPhone oder lässt dir die Busenop machen!

    • Rogerio am 17.11.2017 16:05 Report Diesen Beitrag melden

      Selbstwertgefühl

      Macht man sich diesen Druck nicht selber...? Da kann das Selbstwertgefühl aber bei den meisten nicht starka ausgeprägt sein!?

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