Übergewicht

10. Oktober 2017 13:19; Akt: 11.10.2017 09:22 Print

Jedes fünfte Schweizer Kind ist zu dick

19 Prozent der Schweizer Kinder sind übergewichtig. Weltweit könnte der Anteil der Fettleibigen bis 2022 jener der Untergewichtigen übertreffen.

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Die Zahl fettleibiger und übergewichtiger Kinder steigt weltweit rasant. In der Schweiz ist das Problem nicht so gross: 7 Prozent der Jungen und jungen Männer bis 19 Jahre sind fettleibig, bei den Mädchen und jungen Frauen 4,6 Prozent.

Übergewichtig sind indessen 19 Prozent der Schweizer Kinder, wie aus Zahlen des Bundesamts für Statistik hervorgeht. Hier zeigen sich aber Erfolge.

Wie ein Monitoring ergab, waren mit jedem sechsten vor allem weniger Kindergartenkinder zu schwer. Bei allen erfassten über 12'000 Kindern in Basel, Bern und Zürich ergab sich im Schuljahr 2015/16 ein Rückgang des Body-Mass-Indexes um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

41 Prozent der Schweizer betroffen

Bei den Erwachsenen liegt die Schweiz mit einem Anteil von 10,3 Prozent Fettleibiger in 29 von einer OECD-Studie erfassten Ländern im Mittel. Fettleibig oder übergewichtig sind aber 41 Prozent der Bevölkerung, wie das Bundesamt für Statistik herausfand. Dabei sind doppelt so viele Männer betroffen wie Frauen.

Weltweit haben acht Prozent der Jungen und sechs Prozent der Mädchen mit gravierendem Übergewicht zu kämpfen. Das sind zehnmal so viele wie noch vor vierzig Jahren. Während 1975 weltweit etwa elf Millionen 5- bis 19-Jährige fettleibig waren, waren es im vergangenen Jahr 124 Millionen oder 1,25 Prozent dieser Altersklasse.

Das berichten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Imperial College London zum Welt-Adipositas-Tag am 11. Oktober im Fachblatt «The Lancet». Weitere 123 Millionen Kinder seien übergewichtig. Wenn es so weitergeht, übertrifft der Anteil übergewichtiger bis 2022 den Anteil untergewichtiger Kinder.

Bevölkerungswachstum nicht schuld

90 Prozent der Zunahme seien darauf zurückzuführen, dass mehr Kinder deutlich übergewichtig sind, nur zehn Prozent auf die wachsende Bevölkerungszahl, sagte Hauptautor Majid Ezzati vom Imperial College.

«Eine erschütternde Veränderungsrate», sagte Fiona Bull von der WHO in Genf. Werbung für ungesunde Snacks, hohe Preise für gesunde Nahrungsmittel, weniger Bewegung – diese Faktoren hätten zu dem Trend beigetragen.

Stagnation auf hohem Niveau

In Ländern mit hohem Einkommen stiegen die Zahlen zwar nicht weiter, verharrten aber auf viel zu hohem Niveau. Alarmierend sei der Anstieg in ärmeren Ländern und solchen mit mittleren Einkommen, darunter in den bevölkerungsreichen Ländern China und Indien.

Dramatisch ist die Situation in den USA mit 23,3 Prozent adipöser Jungen und 19,5 Prozent stark übergewichtiger Mädchen. Untergewicht durch Mangelernährung ist dagegen vor allem in südostasiatischen Ländern wie Indien oder in einigen Staaten Afrikas ein grosses Problem. Diese Zahl geht nur geringfügig zurück.

Diverse Krankheiten sind die Folge

Die WHO gibt Empfehlungen, um Fettleibigkeit in der Kindheit zu beenden: Behörden in aller Welt müssten Familien besser über gesunde Ernährung aufklären, junge Mütter animieren, mindestens sechs Monate lang ausschliesslich zu stillen, in Schulkantinen gesünderes Essen anbieten und mehr Sportmöglichkeiten für Kinder schaffen.

Wer heute mit 60 fettleibig sei, habe meist im Alter von etwa 20 Jahren zugenommen, sagte Ezzati. Künftige Generationen seien schon im Kindesalter übergewichtig gewesen. «Je länger die Menschen zu hohes Gewicht haben, desto mehr Gesundheitsprobleme haben sie», erklärte er.

Verdopplung seit 1980

Folgen der Fettleibigkeit seien ein höheres Risiko für Diabetes, Krebs oder Schlaganfälle, bei Kindern zudem auch Mobbing in der Schule und Ausgrenzung im Jugendalter, sagte Bull. Die Kosten für Interventionsprogramme seien deutlich niedriger als die der Behandlung von Problemen durch Übergewicht.

Für die Studie haben die Autoren Gewicht und Grösse von fast 130 Millionen Menschen analysiert, darunter 31,5 Millionen zwischen fünf und 19 Jahren.

In der Gesamtbevölkerung hat sich die Verbreitung von Übergewicht und Fettleibigkeit nach früheren WHO-Studien zwischen 1980 und 2014 mehr als verdoppelt. Für die Einordnung wird der sogenannte Body-Mass-Index zugrunde gelegt. Berechnet wird er so: das Körpergewicht geteilt durch das Quadrat der Körpergrösse. 25 gilt als normal, 25 bis 30 als übergewichtig, 30 und mehr als fettleibig.

(oli/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nicole am 11.10.2017 09:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zucker in allen Lebensmitteln

    Ich würde mal sehr gerne die Inhaltslisten der heutigen Lebensmittel mit denen vor ca. 30 Jahren vergleichen. Wetten es hat 30-50% weniger Zucker in allen Lebensmitteln. Alles was ja so gesund tönt (Joghurt, Müsli etc.) hat Berge von Zucker. Heute müsste man fast alles selbst herstellen um dies zu vermeiden....

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  • Sni am 11.10.2017 05:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zwickmühle

    Ich habe drei Kinder die Jungs kommen eher nach mir und können essen was sie wollen und nehmen nicht zu meine 11 Jährige Tochter schaut das essen nur an und nimmt zu( trotz sport) Ich bin echt in der Zwickmühle mit Kochen etc Auch für Sie ist es sehr schwehr ... ich kocher sehr gesund und doch muss ich schauen das meine Jungs eher zu nehmen.. Und ihr was anderes auf zu tischen finde ich phsychologisch sehr falsch.. Ich habe angst dass sie in der pupertät sonst ins gegenteil fällt!

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  • Robert J. Blackmore am 11.10.2017 05:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Mit dem Süd bis vor dias Schultor fahren. Wenn es Drive-in Schulen gäbe, hätten diese Erfolg.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michael Jefferson am 12.10.2017 09:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bild Nr. 3

    Einfach nur traurig und erschütternd, haben die Eltern des Jungen kein Verantwortungsbewusstsein?

  • huschmie am 12.10.2017 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    Zu viele Süssigkeiten, zu wenig Bewegung

    Viele dieser Kids bekommen zuhause kein gesundes Essen. Vielmehr gehn sie mit etwas Taschengeld zum Kiosk und kaufen da süsses Zeug und mampfen es runter. Sport und sonstige Bewegung kennen sie auch nur von der Play Station. Da wundert es nicht.

  • Uncle SAM am 12.10.2017 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Selber schuld

    Müsste die Menschheit noch jeden Tag ums Ueberleben kämpfen würde das sicher anders aussehen.

  • Anna Marie am 12.10.2017 08:29 Report Diesen Beitrag melden

    Lebensstil früher und heute

    Ist das ein Wunder? Beide Eltern "müssen" natürlich 100% arbeiten, man will ja finanziell ja nicht zurückstecken. Die Kinder kriegen Fertigessen von Cateringservice in der Kita, zu Hause gibts dann schnell schnell Fertigmahlzeiten, da Mama und Papa so gestresst sind von der Arbeit. Draussen spielen ist für viele ein Fremdwort: PC, TV und Playstation sind die neuen "Sportarten". Vor 30 Jahren waren unsere Mütter zumindest in Teilzeit zu Hause und es wurde selbst gekocht aus frischen Zutaten. Dann ab an die frische Luft und bewegen. Wir mussten noch fragen, ob wir 1 Std. fernsehen dürfen.

  • Mer Lin am 12.10.2017 07:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ernährung allein genügt nicht

    Das Hauptproblem ist weniger die falsche Ernährung als die fehlende Bewegung.