US-Studie

22. Dezember 2017 10:07; Akt: 22.12.2017 10:07 Print

Ketamin lindert Suizid-Gedanken innert Stunden

Der Wirkstoff Ketamin hilft schwer depressiven Menschen mit suizidalen Gedanken deutlich rascher als herkömmliche Beruhigungsmittel.

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Ketamin wurde in den 1960er-Jahren als Anästhetikum entwickelt und hat inzwischen auch einen gewissen Bekanntheitsgrad als Partydroge erhalten. Seit einiger Zeit wird aber auch seine Wirkung bei der Behandlung von Depressionen erforscht. So zeigte eine Studie aus Wien im vergangenen Jahr, dass Ketamin rasche Hilfe bei Depressionen verspricht. Nun haben Forscher des Columbia University Medical Center in New York nachgedoppelt und die Wirkung von Ketamin spezifisch bei suizidalen Gedanken untersucht.

Für die Studie wurden 80 Freiwillige, die akut suizidgefährdet waren, entweder mit Ketamin oder dem Wirkstoff Midazolam behandelt. Innerhalb von nur 24 Stunden zeigte sich Ketamin wesentlich wirksamer bei der Bekämpfung suizidaler Gedanken als Midazolam. Dazu kommt, dass der positive Effekt der verabreichten Ketamin-Dosis auch nach sechs Wochen noch anhielt, wobei die Therapie durch eine psychiatrische Behandlung ergänzt wurde.

Weitere Studien nötig

Der Hauptautor der Studie, Psychiater Michael Grunebaum, sagte dazu in einer Mitteilung, es gebe einen kritischen Zeitraum, in dem selbstmordgefährdete Patienten schnelle Linderung brauchten. «Die derzeit erhältlichen Antidepressiva können zwar suizidale Gedanken bei depressiven Patienten lindern, benötigen dafür aber zum Teil mehrere Wochen», so Grunebaum weiter.

Bevor nun Ärzte mit der Verschreibung von Ketamin beginnen können, braucht es aber noch weitere Studien. So gilt es, mehr über die Nebenwirkungen herauszufinden. In der Studie wurde bei den Patienten nach der Verabreichung von Ketamin Bluthochdruck und ein Gefühl der Loslösung vom eigenen Körper beobachtet.

Nicht offiziell zugelassen

Der Effekt von Ketamin verschwindet zudem ohne Zusatzbehandlung ziemlich schnell. Da die Verabreichung aber bisher intravenös erfolgt, ist eine Langzeitbehandlung nicht unkompliziert. Eine Verbesserung könnte hier die Verabreichung per Nasenspray bringen, an der zurzeit geforscht wird.

Schliesslich ist Ketamin zur Behandlung von Depressionen noch nicht offiziell zugelassen. Praktiziert wird zurzeit lediglich der sogenannte Off-Label-Einsatz. Darunter versteht man den Einsatz von Medikamenten bei Krankheiten, für die sie gar nicht offiziell genehmigt sind.

Grunebaum hofft nun, dass weitere Studien zu Ketamin den Weg für neuartige Antidepressiva ebnen könnten, die schneller wirken und das Potenzial haben, Patienten zu helfen, die nicht auf die bisher erhältlichen Behandlungsmethoden ansprechen.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • T.Meier am 22.12.2017 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seidener Faden

    Die Nebenwirkungen können fatal sein, von epileptischen Anfällen bis zu Koma. Genügend Leute auf dem Notfall jedes Wochenende.

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  • user0816 am 22.12.2017 13:41 Report Diesen Beitrag melden

    depressionen und die gesellschaft

    es ist doch hinlänglich bekannt, das depressionen gehäuft in wohlstands-, bzw. leistungsgesellschaften entstehen. sozialer und beruflicher erfolgszwang in einheit mit vereinsamung und familien die in schlechtem zustand sind. in armen ländern sind depressionen kein thema. ich spreche aus erfahrung: je mehr erfolg - desto weniger freunde und mehr drogenkonsum. die leere die in uns entsteht ist nicht mehr aufzufüllen... back to nature - weniger ist mehr... handy und internet öffter mal abschalten und spazieren gehen. und vorallem mehr schlafen und bessere ernährung. das ist die lösung!

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  • R.D. am 22.12.2017 10:55 Report Diesen Beitrag melden

    Dormicum? Ernsthaft?

    Midazolam soll ein herkömmliches Antidepressiva sein?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • PH-O2 am 23.12.2017 15:14 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt niemals

    Das wird die Pharma nicht dulden. Die verdienen sich an Psycho-Pharmaka Gift Milliarden

  • Dr. Chengi am 23.12.2017 15:08 Report Diesen Beitrag melden

    Gehört zum Wohlstand=Depressionen

    Wer teilt sich die zwei Top-Platzierungen mit den höchsten Selbstmordraten? No Time for Loosers, wer nicht klar kommt wird in die Klapse oder zum Therapeuten geschickt, die wissen auch nichts besseres als sedieren, ruhigstellen und Tips aus schlauen Büchern!

  • MadChengi am 23.12.2017 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ist nicht euer Ernst?

    Und dreht diese ins Gegenteil, wie man den Polizeirapporten aller Länder entnehmen kann! - Wer hat sich diese hirnrissige (evtl. schon vom Ketamin zerfressen) Therapie einfallen lassen?

  • G. B. am 23.12.2017 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Phil.

    ...Lasst es Euch gutgehen und liebt den der Euch liebt. Irgendwo ist immer Jemand oder etwas für das es sich lohnt zu Leben.

    • komet am 23.12.2017 12:27 Report Diesen Beitrag melden

      nö was denn?

      Familie? Meine sind Zankäpfel. Arbeitskollegen? Meine sind Schikanierer und Mobber? Schweiz? Ist ein Volksmörder? Ich wüsste nich für wenn oder was ich Leben sollte! Evtl. für uns Kelten auf einem anderen Planet etwas Gründen. Aber geht ja nicht oder?

    • muss mal geschrieben sein am 23.12.2017 12:40 Report Diesen Beitrag melden

      In der Schweiz

      leben vor allem Volksmörder.

    • Jonei am 23.12.2017 13:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @komet

      Es ist unfair, alle in den gleichen Topf zu werfen. Nicht alle sind so. Es sind nicht immer die anderen schuld. Positive Gedanken und Sport kann helfen. Anderen geht es viel schlechter und schätzen das Positive. Arbeite daran, Übung macht den Meister. Das Leben ist einmalig und man liegt, wie man sich bettet. Bleibe bei Dir.

    • ganz klar am 23.12.2017 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      jaja anderen

      geht es schlechter. das sind die wo gegen die anderen mobben. weil sie eifersüchtig sind.

    • Phil. am 23.12.2017 13:59 Report Diesen Beitrag melden

      G. B.

      @komet ...ich gehe mal davon aus , dass es dir Gesundheitlich d.h organisch gut geht. Dann könntest du das schätzen und dankbar sein! Viele, denen es schlechter geht, würden so ziemlich alles dafür geben z. B. aus Ihren Rollstühlen zu kommen und wieder auf gesunden Beinen zu stehen. Es ist nicht selbstverständlich Gesund zu sein. Rate Dir ein Tier anzuschaffen. Da wirst du Lebensfreude pur, täglich erleben.

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  • und umdenken am 23.12.2017 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Mir hat Magnesium

    und Vitamin D geholen. Nebenwirkungen, keine Depressivon mehr