Schweizer Gesundheitssystem

19. Juni 2017 11:12; Akt: 19.06.2017 11:12 Print

Krankenkasse soll keine Raucher-Schäden zahlen

Günstigere Prämien für Kinder und Jugendliche, keine Zahlungen mehr in Bagatellfällen: Das erwarten Schweizer von unserem Gesundheitssystem.

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In der Schweiz stossen tiefere Prämien für Kinder und junge Erwachsene auf breite Akzeptanz. Vier von fünf Befragten möchten eine solche Entlastung allerdings auf einkommensschwache Haushalte beschränken, wie der diesjährige gfs-Gesundheitsmonitor zeigt.

72 Prozent der Befragten unterstützen den Entscheid des Parlaments, Kinder und junge Erwachsene stärker von Krankenkassenprämien zu entlasten, wie die Interpharma am Montag bekannt gab.

Mehrheit wünscht komplette Befreiung

Tiefere Prämien für junge Erwachsene sind mit 61 Prozent Zustimmung weniger umstritten als eine komplette Prämienbefreiung von Kindern. Diese wird zwar von einer Mehrheit von 54 Prozent gewünscht, jedoch von eine starken Minderheit von 43 Prozent auch abgelehnt. Nicht mehrheitsfähig sei nach wie vor eine generelle Einführung von altersabhängigen Prämien, heisst es weiter.

Im Vorjahresvergleich am stärksten zugenommen hat die Erwartung steigender Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien. 92 Prozent oder 26 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr gehen davon aus, dass die Kosten im Gesundheitswesen weiterhin zunehmen werden.

58 Prozent will Status quo

Eine klare Mehrheit der Befragten (58 Prozent) will den Leistungskatalog generell auf dem heutigen Stand belassen. Lediglich elf Prozent haben sich für einen Abbau ausgesprochen: Auch am Obligatorium in der Grundversicherung soll nicht gerüttelt werden.

Eine verstärkte Kostensensibilität führe jedoch punktuell zu einer Abnahme der Solidarität bei einzelnen Kassenleistungen. So wird von knapp zwei Dritteln der Befragten gefordert, dass die Krankenkassen die Medikamentenkosten in Bagatellfällen nicht mehr übernehmen sollen. Das sind 15 Prozentpunkt mehr als im Vorjahr.

Zahlungen an Raucher kritisiert

Stärker kritisiert wird auch die Kassenzahlung rund um ungewollte Kinderlosigkeit (53 Prozent, minus 14 Prozentpunkte), bei der Vorbeugung gesundheitlicher Schäden (54 Prozent, minus 7 Prozentpunkte) sowie bei Schäden durch Rauchen und Alkohol (37 Prozent, minus 5 Prozentpunkte).

Generalisieren lasse sich die Bereitschaft zur Leistungseinschränkung jedoch nicht. So forderten unverändert neun von zehn Befragten, dass Krebsmedikamente allen unabhängig vom Einkommen zugänglich sein sollen.

Die Repräsentativumfrage «gfs-Gesundheitsmonitor» wird im Auftrag von Interpharma von gfs.bern seit 1996 einmal jährlich erstellt. Zwischen dem 6. und dem 25. März wurden insgesamt 1200 Stimmberechtigte aus der ganzen Schweiz befragt.

(kaf/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Theodor F. am 19.06.2017 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    Immer die bösen Raucher!

    Dann bitte gleich auch das Autofahren verbieten. Ein Rechtsmediziner kann nämlich bei einer Obduktion keinen Unterschied feststellen, ob jemand an einer verkehrsreichen Strasse gewohnt hat oder geraucht hat. Die Lunge sieht in beiden Fällen (schwarze Lungen wie auf Tabakpäckchen gibt es übrigens gar nicht) gleich aus. Das hat mir ein Rechtsmediziner persönlich bestätigt. Wenn schon die Leute umerziehen, dann aber gleich richtig, gelle!

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  • Sehnsucht 6 7 am 19.06.2017 11:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer ist schuld?

    Es ist bewiesen das Alkohol weit mehr Kosten verursacht als das Rauchen. Wie ist es mit Fettleibigkeit? Was ist mit Drogensucht? Was ist wenn man selber ein Unfall verursacht hat? Medikamentensucht? Sorry das kann nur ein Vorstoß von jemanden sein der nicht weiter denkt als bis zum Tellerrand. Ps bin kein Raucher aber zumindest einer der mit der Realität geht. Die Krankenkassen versuchen zusammen mit den Ärzten die Schuld bei den Patienten zu suchen. Schon mal gemerkt?

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  • Biger Ben am 19.06.2017 12:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schizophrenie in Reinkultur

    Dann erwarte ich im Gegenzug aber auch, dass kein Geld mehr aus der Tabaksteuer an die AHV geht. Es kann ja wohl nicht sein, dass der Raucher einerseits als Milchkuh für den Staat hinhalten muss und dann schlussendlich auch noch im Gesundheitswesen geschröpft wird. Der Staat braucht jeden Raucher, um seinen finanziellen Pflichten nachzukommen und "bedankt" sich mit immer grösseren Schikanen für die vielen Milliarden. Wenn das nicht Schizophrenie in Reinkultur ist.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chregu am 20.06.2017 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Geld für die Gesundheit

    Fehlt wieder überall das Geld, also muss man auf Kosten der Bevölkerung sparen! Schafft endlich dieses kapitalistische System ab!

  • Bergtroll am 20.06.2017 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sport!

    Und wie siehts mit Gelenkschäden aus?

  • Tomas am 20.06.2017 15:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ach so!

    Dann sollten Raucher vielleicht auch gar keine Krankenkasse mehr bezahlen! Ein Raucher wird ja von der Krankenkasse sowieso höher eingestuft. Kommt noch dazu hat jemand Lungenkrebs, welcher NIE geraucht hat, könnte die Krankenkasse einfach mal willkürlich behaupten, doch er hat geraucht und wir zahlen nicht.....

  • Erica am 20.06.2017 14:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hallo...

    ...warum werden nicht die Leute zur Kasse gebeten, die wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt rennen, wenn in der Apotheke geholfen werden könnte. Auch sollten die notorischen Hypochonder die einen wahren Ärztetourismus betreiben, höhere Prämien bezahlen müssen. Wetten, es würde mehr Ordnung in dieses Chaos einkehren.

  • BlaBal am 20.06.2017 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Und wer zahlt für die Übergewichtigen?

    Das Rauchen schädlich ist, darüber muss nicht mehr gesprochen werden, dennoch bringt es immer noch ordentliche Beiträge in die Staatskassen! Ausserdem bin ich ebenso wenig bereit für die Folgeschäden von Übergewichtigen zu zahlen! Vielleicht sollte man einfach akzeptieren, dass die Menschen Schwächen haben...?