Langzeitfolgen

25. Januar 2018 14:16; Akt: 25.01.2018 14:16 Print

Kaiserschnitt lässt Risiko einer Fehlgeburt steigen

In der Schweiz kommt rund jedes dritte Baby auf nicht natürlichem Weg auf die Welt. Was das langfristig für Mutter und Kind bedeutet, zeigt eine neue Studie.

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Es gibt verschiedene Gründe, ein Kind per Kaiserschnitt auf die Welt zu holen – medizinische, aber auch persönliche. So werden viele auf Wunsch der Mutter durchgeführt, weil diese zum Beispiel Angst vor der Geburt und deren Folgen oder vor Komplikationen beim Baby hat. Doch ganz ohne ist der Eingriff nicht. Das zeigt eine umfassende Auswertung von Studien zu den physischen Langzeitfolgen von Kaiserschnitten im Vergleich zu vaginalen Geburten. In der Studie sind die Daten von fast 30 Millionen Frauen eingeflossen. Die Erkenntnisse sollen begründete Entscheidungen über die Art der Entbindung ermöglichen und eine angemessene, individuelle Planung der Geburt erleichtern, schreibt das Team um Oonagh Keag von der Royal Infirmary of Edinburgh Die unmittelbaren Risiken eines Kaiserschnitts wie Infektionen oder eine Thrombose sind laut den Forschern zumindest in der westlichen Welt minimal, die Frauen seien darüber zumeist informiert. Anders sehe es mit Langzeitfolgen aus. Diese würden mit den Frauen weniger häufig diskutiert. Konkret ergab die Auswertung, dass für Frauen ein Kaiserschnitt auf lange Sicht zwar mit einem geringeren Risiko einer Harninkontinenz und eines Beckenvorfalls einhergeht, ... ... allerdings müssen sie bei nachfolgenden Schwangerschaften mit einem leicht erhöhten Risiko einer Fehl- oder Totgeburt rechnen. Ausserdem steige die Gefahr von Problemen rund um die Plazenta, darunter eine Fehllage der Plazenta, Haftungsstörungen oder die vorzeitige Ablösung, berichten die Forschenden weiter. Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt gekommenen sind, haben gemäss der Untersuchung bis zum Alter von zwölf Jahren ein erhöhtes Risiko für Asthma und ... ... bis zum Alter von fünf Jahren ein erhöhtes Risiko, starkes Übergewicht zu entwickeln. Aufgrund dieser Datenlage empfehlen Oonagh Keag und ihre Kollegen, die Vor- und Nachteile gründlich abzuwägen. Sie betonen allerdings, dass die Ergebnisse grösstenteils auf Beobachtungsstudien beruhen. Damit sei ein ursächlicher Zusammenhang nicht gesichert.

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Die Zahl der Kaiserschnitte nimmt seit einigen Jahren weltweit zu (siehe Box). Das hat Vor- und Nachteile. So schützt ein Kaiserschnitt die Mutter zwar langfristig vor Inkontinenz und Problemen mit dem Beckenboden. Allerdings erhöht sich in weiteren Schwangerschaften das Risiko einer Fehl- oder Totgeburt sowie von Komplikationen rund um die Plazenta.

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In der Schweiz kam 2016 etwa jedes dritte Kind per Kaiserschnitt zur Welt. Wie war es bei Ihnen?

Dies berichten Forscher um Oonagh Keag von der Royal Infirmary of Edinburgh nach einer umfassenden Auswertung von Studien zu den physischen Langzeitfolgen von Kaiserschnitten im Vergleich zu vaginalen Geburten.

Die Erkenntnisse sollen begründete Entscheidungen über die Art der Entbindung ermöglichen und eine angemessene, individuelle Planung der Geburt erleichtern, heisst es im Fachblatt «Plos Medicine».

Langzeitfolgen diskutieren

Ärzte entscheiden sich oftmals für einen Kaiserschnitt, wenn Komplikationen bei der Geburt auftreten. Aber nicht jeder durchgeführte ist medizinisch notwendig.

Viele werden auf Wunsch der Mutter durchgeführt, weil diese zum Beispiel Angst vor der Geburt und deren Folgen oder vor Komplikationen beim Baby hat. Manche Ärzte sind auch aufgrund der besseren Planbarkeit für einen Kaiserschnitt offen.

Die unmittelbaren Risiken eines Kaiserschnitts wie Infektionen oder eine Thrombose seien zumindest in der westlichen Welt minimal, die Frauen seien darüber zumeist informiert, schreiben die Wissenschaftler. Anders sehe es mit den Langzeitfolgen aus. Diese würden mit den Frauen zumeist weniger häufig diskutiert, es gebe auch nur wenige aussagekräftige Studien zu dem Thema.

Fast 30 Millionen Frauen

Die Forscher durchsuchten nun die vorhandene wissenschaftliche Literatur und fassten die einzelnen Ergebnisse zusammen. Insgesamt werteten sie Daten von fast 30 Millionen Frauen aus.

Für die Mütter ging ein Kaiserschnitt demnach auf lange Sicht mit einem geringeren Risiko einer Harninkontinenz und eines Beckenvorfalls einher, also dem Absenken verschiedener Bauchorgane durch die Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur nach der Geburt.

In nachfolgenden Schwangerschaften müssten Frauen nach einem Kaiserschnitt allerdings mit einem leicht erhöhten Risiko einer Fehl- oder Totgeburt rechnen. Ausserdem steige die Gefahr von Problemen rund um die Plazenta, darunter eine Fehllage der Plazenta, Haftungsstörungen oder die vorzeitige Ablösung, berichten die Forschenden weiter.

Höheres Asthmarisiko beim Baby

Sie untersuchten für ihre Studie auch die Langzeitfolgen für die per Kaiserschnitt geborenen Babys: Diese hatten bis zum Alter von zwölf Jahren ein erhöhtes Risiko für Asthma und bis zum Alter von fünf Jahren ein erhöhtes Risiko, starkes Übergewicht zu entwickeln.

Bei der Entscheidung über die Geburtsmethode sollten die Vor- und Nachteile gründlich abgewogen werden, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Daten könnten dabei hilfreich sein.

Allerdings beruhten die Ergebnisse grösstenteils auf Beobachtungsstudien. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen Kaiserschnitt und den festgestellten Langzeitfolgen sei damit nicht gesichert, schränken sie ein. Weitere Untersuchungen seien nötig, um die Ergebnisse abzusichern.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kaiser Schnitt am 25.01.2018 14:55 Report Diesen Beitrag melden

    Dankbar

    Ich bin sehr dankbar gibt es den Notkaiserschnitt. Sonst wären mein Baby und ich jetzt tot...

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  • so hn am 25.01.2018 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht immer nur wunschkaiserschnitt

    ohne kaiserschnitt wären damals meine mutter und ich zu 90% gestorben.

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  • trulla am 25.01.2018 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trauma

    Ich habe zwei Kinder zur Welt gebracht, beim ersten war es eine Spontangeburt und beim zweiten ein Notkaiserschnitt. Ich habe die zweite Geburt heute noch in schrecklicher Erinnerung. Es war ein liebloses Gemetzel. Wenn ich bei einem weiteren Kind vor die Wahl gestellt würde, ich würde nie und nimmer den Kaiserschnitt wählen, obwohl ich grossen Respekt vor den Schmerzen einer Spontangeburt habe.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Danja Ehrismann am 26.01.2018 06:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bohne

    Ich bin kein Fan von Kaiserschnitten wenn sie gemacht werden um keine Geburtsschmerzen zu haben. Jedoch musste ich einen Ks machen wegen einer BEL meines Kindes. Habe alles versucht, äussere Wendung, Moxa etc. Habe sogar einMRI gemacht um zu schauen ob ich eine BEL spontan entbinden könnte, was leider nicht ging da ich zu Eng war. Ich persönlich bin froh das es den Ka gibt in solchen Situationen, denn ich weiss nicht was passiert wäre wenn ich mein Kind spontan hätte entbinden müssen.

  • Inna am 26.01.2018 05:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorher/Nacher

    Keiner redet eigentlich hier von einem weiteren Problem, was nach einer natürlichen Geburt auch passiert und zwar die Nachwirkungen auf das Intimleben. Wir Frauen werden danach nicht mehr so sein wie vor der Geburt. Ich glaube vielen Frauen ist das irgendwie nicht bewusst...

  • Samira Right am 26.01.2018 05:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kann Sinnvoll sein...

    Kaiserschnitt ist okay, wenn man das Leben des Kindes retten kann, alle anderen Kaiserschnitte sind unnötig und sollten verboten werden....

  • K-H Felger am 26.01.2018 04:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wichtig für das Kind

    Wenn medizinisch nicht indiziert sollte auf einen Kaiserschnitt verzichtet werden. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine normale Geburt viele positive Konsequenzen für das Kind hat. Wohl keiner erwartet, dass Kaiserschnitte generell der Vergangenheit angehören.

  • luis am 26.01.2018 04:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht nur das...

    Was aber viel interessanter bei den Bericht wäre, ist der aspekt dass Kinder die per Kaiserschnitt zur welt kommen ein reduziertes immunsystem haben könnten.