Glaxo Smith Kline

24. Januar 2013 18:52; Akt: 25.01.2013 11:15 Print

Narkolepsie nach Schweinegrippe-Impfung?

Emelie Olsson leidet an einer schweren Schlafstörung. Die Symptome traten auf, nachdem die heute 14-Jährige mit Pandemrix gegen Schweinegrippe geimpft worden war. Kein Einzelfall.

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Narkolepsie ist eine schwerwiegende Störung der Schlaf-Wach-Regulation. Die Betroffenen leiden tagsüber an Schläfrigkeit und unterliegen dem Zwang, plötzlich einzunicken - auch in Situationen, in denen Gesunde nicht einschlafen würden. Emelie Olsson braucht jeden Tag zwei bis drei halbstündige Schlafpausen. Emelie Olsson war bis zu ihrer Erkrankung eine hervorragende Schülerin mit vielfältigen Interessen. Die Narkolepsie hat ihr Alltagsleben stark beeinträchtigt, so dass sie bisweilen die Lust am Leben verlor. Neben der exzessiven Schläfrigkeit können auch nächtliche Halluzinationen, Albträume und Schlaflähmungen zum Krankheitsbild der Narkolepsie gehören. Weitere Symptome, die bei Narkolepsie sehr oft auftreten, sind Schlaflähmungen und kataplektische Anfälle. Eine Schlaflähmung ist eigentlich ein normaler Vorgang im Schlaf, der verhindert, dass Schlafende mit Muskelbewegungen auf ihre Träume reagieren. Bei Emelie und vielen anderen Narkoleptikern bleiben diese Lähmungen beim Erwachen manchmal minutenlang bestehen. Bild: Emelie schläft beim Fernsehen ein. Kataplexien sind plötzliche Anfälle, bei denen die Kontrolle über die Haltemuskulatur vorübergehend verloren geht. Betroffene lassen Dinge fallen oder stürzen sogar zu Boden. Diese Vorgänge spielen sich bei vollem Bewusstsein ab und werden durch starke Emotionen wie Lachen, Furcht, Ärger oder Erschrecken ausgelöst. Bei Emelie ist es so, dass sie solche Anfälle bekommt, wenn sie stark lacht oder sich sehr freut. Die genauen Ursachen der Krankheit sind nicht bekannt, doch offenbar weisen die Patienten einen Mangel an Orexin A und B (auch Hypocretin genannt) auf. Diese Neuropeptide aus dem Hypothalamus sind Neurotransmitter, die unter anderem den Schlafrhythmus kontrollieren. Ein niedriger Orexin-Spiegel kann genetisch bedingt sein. Gesunde Menschen benötigen mehr als eine Stunde, um im Schlaf in die REM-Phase («Rapid-Eye-Movement»-Schlaf) zu gelangen. Narkoleptiker hingegen befinden sich bei Anfällen schon nach fünf Minuten in dieser Phase; daher fehlen ihnen wichtige Tiefschlafphasen. Bild: Emelie mit ihren Eltern. Wissenschaftler vermuten, dass virale oder bakterielle Infektionen mögliche Auslöser der Narkolepsie sein könnten. Bei Emelie und vielen anderen Kindern und Jugendlichen in Skandinavien, Irland und Frankreich war es vermutlich die Impfung mit dem Impfstoff Pandemrix, die zur Erkrankung führte.

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Bis Anfang 2010 war Emelie Olsson eine hervorragende Schülerin, die gern Klavier spielte, Tennisstunden nahm, Bilder malte und sich mit ihren Freunden amüsierte. Doch dann, so berichtet die Nachrichtenagentur Reuters in einer Reportage, musste sich die heute 14-jährige Schwedin immer häufiger hinlegen, wenn sie müde von der Schule nach Hause kam. Im Mai 2010 wurde klar, dass mit Emelie etwas nicht stimmte. Plötzlich kam es vor, dass sie in der Schule einfach zusammenbrach. Die junge Stockholmerin leidet an Narkolepsie, einer neurologischen Autoimmunkrankheit, die das Alltagsleben schwer beeinträchtigt (siehe Bildstrecke oben).

Normalerweise ist Narkolepsie eine eher seltene Krankheit, vor allem bei Kindern. Schätzungsweise gibt es 25 bis 50 Fälle auf 100'000 Menschen, bei hoher Dunkelziffer. Doch in Schweden und weiteren Ländern wie Finnland, Irland und Frankreich wurde nach 2009 eine Zunahme von Narkolepsie-Erkrankungen festgestellt. Mehrere Studien nährten den Verdacht, dass dieser Anstieg etwas mit dem Impfstoff Pandemrix zu tun hat, der während der Grippesaison 2009/2010 gegen die Schweinegrippe H1N1 gespritzt wurde. In Schweden waren nicht weniger als 5,4 Millionen Menschen geimpft worden; rund 60 Prozent aller Einwohner.

Als Auslöser der Narkolepsie gilt dabei nicht der Impfstoff an sich, der vom britischen Pharmakonzern Glaxo Smith Kline hergestellt wird. Verdächtigt wird der verstärkende Zusatz AS03, ein sogenanntes Adjuvans, das den Impfstoff effektiver macht, aber auch zu stärkeren Nebenwirkungen führen kann. Der Wirkverstärker AS03 wurde zuvor in keinem anderen Impfstoff verwendet. Der Grund dafür dürfte in dem Umstand liegen, dass die Gesundheitsbehörden den Ausbruch einer Pandemie befürchteten und den Impfstoffherstellern daher ein abgekürztes Zulassungsverfahren erlaubten.

Massiver Anstieg der Inzidenzrate

Bei insgesamt 31 Millionen Impfungen in 47 Ländern führte Pandemrix zu 161 dokumentierten Fällen von Narkolepsie, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Davon traten mehr als 70 Prozent in Schweden, Finnland und Irland auf. Für geimpfte Kinder und Jugendliche in Schweden besteht eine siebenmal höhere Wahrscheinlichkeit, an Narkolepsie zu erkranken, als für Nicht-Geimpfte. In Finnland und in Irland ist die Wahrscheinlichkeit sogar 13-Mal höher. Gemäss dem deutschen Ärzteblatt stieg 2010 die jährliche Inzidenzrate in Finnland von 0,31 pro 100'000 Einwohner auf 5,3 – ein Anstieg um den Faktor 17. Die meisten Kinder erkrankten dabei innerhalb von acht Monaten nach der Impfung.

In Frankreich wurden bis September 2012 51 Narkolepsiefälle bei geimpften Patienten registriert, in Deutschland waren es gemäss Ärztezeitung dagegen nur 13 gesicherte Fälle bei Kindern und Jugendlichen. In Dänemark, Italien oder in den Niederlanden wurde keine Zunahme von Narkolepsiefällen festgestellt, obwohl auch dort Pandemrix mit Adjuvans verabreicht worden war. Glaxo Smith Kline spricht von insgesamt 795 Fällen in ganz Europa seit 2009. Aufgrund dieser Sachlage rät die Europäische Arzneimittelagentur EMA derzeit von der Verabreichung von Pandemrix an unter 20-Jährige ab.

Und in der Schweiz?

Laut dem Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic wurden in der Schweiz während der Impfkampagne schätzungsweise eine Million Dosen Pandemrix ausgeliefert. Swissmedic erhielt darauf insgesamt drei Berichte über Narkolepsie nach Impfung mit Pandemrix – somit wurden nicht mehr Erkrankungen an Narkolepsie gemeldet, als unabhängig von der Impfung ohnehin zu erwarten gewesen wären. Zurzeit wird Pandemrix in der Schweiz nach Angabe von Daniel Lüthi, Mediensprecher von Swissmedic, nicht ausgeliefert und daher auch nicht verabreicht.

Die schwedische Regierung hat den Betroffenen angeboten, jedem von ihnen eine Entschädigung von 50'000 Kronen (rund 7100 Franken) auszuzahlen. Nachdem sie ihre Volljährigkeit mit 18 Jahren erreicht haben, sollensie zudem neu darüber verhandeln dürfen. Für Emelie Olsson ist das ein schwacher Trost. Die junge Schwedin wird ihr Leben lang mit der Krankheit zu kämpfen haben – Narkolepsie ist unheilbar.

(dhr)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • hallo am 25.01.2013 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Frage..?

    Kann das auch nach 2-3 Jahren erscheinen? Ich habe die Impfung auch gemacht...nun mach ich mir doch ein bisschen Sorgen... bin nämich auch oft müede, aber natürlich nieemals so wie es da beschrieben ist.

  • Peter Stur am 25.01.2013 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Opfer der Pharmaindustrie,

    wirklich ein trauriges Schicksal. Hauptsache man konnte mit einer künstlichen Hysterie Kasse machen...

  • Peter Müller am 25.01.2013 06:48 Report Diesen Beitrag melden

    Forschung und Impfgegner

    Würde mich nicht wundern, wenn das wieder Forschungsfälschung von Impfgegnern wie z. B. damals bei der Masernimpfung wäre. Allein wegen der gefälschten Masern-Impf-Studie wurden zahlreiche Kinder nicht geimpft und leidern heute dauerhaft an den schweren Folgen der Masern-Komplikationen (von Taubheit bis schwere geistige Retardierung ist alles dabei). Man sollte nicht alles glauben, was in solchen statistisch nicht aussagefähigen Mini-Studien behauptet wird, solange es nicht wirklich bewiesen ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • A.B. am 26.01.2013 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    wissenschaftlich

    Also auf 31 Mio. Impfungen gab es 161 Fälle. Es gibt im Normalfall bis zu 50 Fälle auf 100'000 Personen, also 15'500 Fälle. Da Menschen im Schnitt ca. 75 Jahre alt werden gibt es rein daher scho mehr als 200 neue Fälle pro Jahr. Ich würde sagen, das schreit nur so nach 'wer suchet der findet'. Die 161 Fälle sind zwar leicht mehr als die 60%, die sich in Schweden geimpft haben, aber so viel auch nicht. Sprich: es trat etwa gleichhäufig auf mit Impfung wie ohne Impfung.

  • Jolanda am 25.01.2013 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    Jahr für Jahr impfen?

    Problematisch finde ich an der Grippe-Impfung besonders, dass sie Jahr für Jahr empfohlen wird. Ob das dem Körper wirklich guttut, so über die nächsten 10, 20 Jahre gesehen? So eine Impfung beinhaltet ja nicht eben nur gesundheitlich unbedenkliche Inhaltsstoffe, wie man bei näherer Information erfährt. - Schlussendlich muss jeder selber entscheiden. Von Zwang jedoch halte ich gar nichts - eben auch wegen möglicher Komplikationen wie im Artikel geschildert. Es ist nicht entschuldbar, dass junge Menschen und Erwachsene in grösserer Zahl Schäden von solchen Impfungen davontragen.

  • Meret am 25.01.2013 12:08 Report Diesen Beitrag melden

    Impfen ist nicht gleich impfen.

    Es gibt wichtige Impfungen, wie die gegen Kinderlähmung. Kinderlähmung WAR praktisch ausgerottet, bis jetzt wieder Impfgegner aufgetaucht sind, die ihre Kinder diesem Risiko aussetzen wollen. Und es gibt überflüssige Impfungen, wie dieser Grippequatsch. Gesunde Menschen (auch Kinder) mit einem gesunden Organismus überstehen eine solche Infektion ohne weiteres.

  • P.F. am 25.01.2013 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    @Impfverteufler

    Wenn bei der Impfung von 60% der schwedischen Bevölkerung 800 Fälle einer (wenig erforschten) Krankheit auftreten, kann nach gängigen Statistischen Methoden in der Testphase kein kausaler Zusammenhang festgestellt werden. Das die Schweinegrippe-Impfung total unnötig war, sollte heute den meisten klar sein. Es gibt allerdings sehr viele Krankeiten (z.B. Tollwut), die nur mit einer sofortigen Impfung behandelt werden können. Ja, unnötige Impfungen sind Quatsch. Deswegen sind es noch lange nicht alle.

  • hallo am 25.01.2013 11:34 Report Diesen Beitrag melden

    Frage..?

    Kann das auch nach 2-3 Jahren erscheinen? Ich habe die Impfung auch gemacht...nun mach ich mir doch ein bisschen Sorgen... bin nämich auch oft müede, aber natürlich nieemals so wie es da beschrieben ist.