Medizingeschichte

17. Februar 2016 16:52; Akt: 17.02.2016 16:52 Print

Ohne Dicke gäbe es heute kein Stethoskop

von Fee Riebeling - Das Stethoskop ist wohl das Instrument, vor dem sich Patienten am wenigsten fürchten. Erfunden hat es ein kontaktscheuer Franzose.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Herzbeschwerden brachten im Jahr 1816 eine junge Frau dazu, das Pariser Necker-Spital aufzusuchen. Dort nahm sich ein junger Arzt ihrer an. Doch weit kam René Théophile Hyacinthe Laënnec nicht, denn die Patienten hatte einige Pfunde zu viel auf den Rippen: Durch blosses Handauflegen – wie damals üblich – konnte er ihre Herztöne nicht spüren.

Auch die andere zu der Zeit gebräuchliche Variante schloss Laënnec als Untersuchungsmethode aus: Sein Ohr auf die Brust der Leidenden zu legen fand er unanständig, schliesslich war die Patientin noch sehr jung. Aber aufgeben wollte er nicht. Also dachte er nach.

Simple Idee, grosse Wirkung

Zum Glück der Patientin – und wie wir heute wissen: auch zu unserem – kam ihm tatsächlich eine zündende Idee. Er rollte kurzerhand ein Blatt Papier zu einer Rolle und setzte diese mit dem einen Ende auf die Brust der Patientin. Auf das andere Ende presste er sein Ohr. Von dem Resultat war er angetan. Er hörte die Herztöne «klarer und deutlicher als je zuvor», wie er später notierte.

Inspiriert von dem Erfolg entwickelte er seine Erfindung weiter und baute ein Pendant aus Holz (siehe Bildstrecke). Dieses nannte er Stethoskop – eine Kombination der griechischen Wörter für Brust (stethos) und untersuchen (skopein). Einige der ersten Instrumente sind heute im Londoner Science Museum zu sehen.

Kurze Freude am Erfolg

Schnell wurden seine Kollegen auf das neuartige Untersuchungsinstrument aufmerksam. Und so setzte es sich nach und nach durch, zunächst in Frankreich, später weltweit. Dabei wurde es kontinuierlich weiterentwickelt.

Davon bekam Laënnec, der heute vor 235 Jahren geboren worden war, jedoch nicht mehr all zu viel mit. Denn bereits neun Jahre nach seiner Erfindung verstarb er. Und das tragischerweise an einer Krankheit, die sich heute durch Abhören mit dem Stethoskop diagnostizieren lässt: Tuberkulose.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.