Nieren-Transplantation

03. März 2010 17:29; Akt: 03.03.2010 23:24 Print

Organspende vor dem Tod?

Würde man bei sterbenden Organspendern die Organe schon vor dem Tod entnehmen, wäre deren Qualität besser. Holländische Ärzte haben in einem Fachbeitrag das Für und Wider dieser vorzeitigen Organentnahme erwogen.

storybild

Entnahme einer Spenderniere: Grundlegende medizinethische Fragen (Bild: Keystone/AP/Manuel Balce Ceneta)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Leitung des «Erasmus Medische Centrum» in Rotterdam sah sich genötigt, auf der Homepage der Einrichtung eine Klarstellung zu publizieren: Im Gegensatz zum in verschiedenen Medienberichten erweckten Eindruck würden die Ärzte im Erasmus MC keinesfalls vorschlagen, Nieren vor dem Tod der Spender zu entfernen. Es gehe vielmehr um eine «theoretische Diskussion»; «in der Praxis» sei «keine Rede davon».

Die theoretische Erörterung der beiden Ärzte E. Kompanje und Y. de Groot, die in der nächsten Ausgabe der niederländischen Ärztefachzeitschrift «Medisch Contact» erscheinen soll, dürfte in der Tat für einen beträchtlichen emotionalen Widerhall in der Öffentlichkeit sorgen. Organspenden sind ein heikles Thema — hier stellen sich grundlegende medizinethische Fragen wie jene nach der Grenze zwischen Leben und Tod.

Massive Qualitätseinbusse

Was die niederländischen Ärzte diskutieren, sind die Vor- und Nachteile der Organentnahme bei ausgewiesenen Spendern, die auf einer Intensivstation im Sterben liegen, aber noch nicht klinisch tot sind. Dabei geht es um Patienten, bei denen die weitere lebensverlängernde Behandlung eingestellt wird, weil die Ärzte sie als sinnlos erachten. Heute müssen die Chirurgen warten, bis der Patient gestorben ist, bevor sie eine oder beide Nieren entfernen dürfen. Dies führt dazu, dass die Organe eine zum Teil massive Qualitätseinbusse erleiden; in rund der Hälfte der Fälle ist die Organspende überhaupt nicht mehr möglich.

Der Vorteil einer Organentnahme vor dem Abbruch der lebenserhaltenden Massnahmen läge somit in erster Linie in einer höheren Anzahl von Spendernieren, die sich für eine Transplantation eignen. Ihre Empfänger würden zudem von einer höheren Qualität der Organe profitieren, schreiben die Autoren. Auch könnte der todkranke Patient danach friedlich im Kreise seiner Angehörigen sterben, während er heute seinen Verwandten spätestens fünf Minuten nach dem Eintritt des Todes entrissen wird, damit die Organentnahme vorgenommen werden kann.

Misstrauen gegen Organspende

Doch es gebe auch deutliche Nachteile, warnen Kompanje und de Groot. Zunächst handle es sich bei der Entnahme einer oder beider Nieren um einen massiven Eingriff, der ohne medizinische Notwendigkeit erfolge. Dazu kommt die Gefahr, dass der Patient nach der Organentnahme nicht schnell stirbt, sondern noch mehrere Stunden an den durch die Operation verursachten Schmerzen leidet. Und endlich könnte, so die Autoren, die frühzeitige Organentnahme das ohnehin kräftige Misstrauen gegen die Organspende verstärken.

Die «dead-donor-rule» sei eine gute Regel, die sicherstelle, dass eine Organentnahme nicht zum Tod führe, schliessen die beiden Ärzte. Die Regel sei jedoch in letzter Zeit unter Beschuss gekommen; auch weil das Kriterium des Hirntods für manche Ärzte nicht mehr zu halten sei.

www.swisstransplant.org

Sind Sie Organspender? Warum nicht? Diskutieren Sie mit im TalkBack!

(dhr)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frankenstein-Chirurgie am 04.03.2010 22:50 Report Diesen Beitrag melden

    Gruselvorstelllung

    Theoretische "Gedankenspiele" heute, Realität morgen. Darum : keinen Organspendeausweis, dafür Patientenverfügung: Keine Organentnahme aus religiösen und ethischen Gründen. Thema erledigt. Amen.

  • Smokey am 05.03.2010 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    Die...

    Würde des Menschen ist unantastbar. Alles klar, jetzt kann man noch nicht mal in "Ruhe" sterben. So gewinnt man sicherlich keine Menschen für einen Organspendeausweis dazu. Unfassbar. Unvertretbar!

  • Pascal am 06.03.2010 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    ich würde!

    Ich würde mir ein Organ nehmen lassen, bevor ich für tot erklärt wäre...immerhin hätte mein Tod dann etwas Gutes bewirkt und einem kranken Menschen ein Leben ermöglicht, das ohne meine Spende nicht möglich wäre. Wofür brauche ich eine "intakte" Niere, wenn ich ja eh tot bin?!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Backdoor am 01.11.2014 00:17 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder sollte selber entscheiden

    Finde jeder sollte selber entscheiden, ob er vor dem Tot spenden möchte, vielleicht ist er Todkrank und möchte sein leiden endlich hinterlassen und ein gesundes Leben schenken.

  • Marylou am 22.03.2010 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Sollte dies Wirklichkeit werden, werde ich meinen Spenderausweis sofort zerreissen und auch von Familienangehörigen nur nach dem Tod Organentnahme bewilligen.

  • db3 am 07.03.2010 23:38 Report Diesen Beitrag melden

    Das ist ja wie Tiere schlachten!

    Allein bei der Vorstellung graust mir! Also SO bekommt niemand meine Organe! Dann lösche ich meinen Ausweis wieder!

  • Pascal am 06.03.2010 19:45 Report Diesen Beitrag melden

    ich würde!

    Ich würde mir ein Organ nehmen lassen, bevor ich für tot erklärt wäre...immerhin hätte mein Tod dann etwas Gutes bewirkt und einem kranken Menschen ein Leben ermöglicht, das ohne meine Spende nicht möglich wäre. Wofür brauche ich eine "intakte" Niere, wenn ich ja eh tot bin?!

  • Susanne Reich am 06.03.2010 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    nur im Falle der gewünschten Sterbehilfe

    Dies könnte dazu führen, dass niemand mehr seine Organe spenden möchte. Weshalb nicht im Fall der erwünschten Sterbehilfe zuerst diese Nieren entnehmen und den Patienten sanft einschlafen lassen - wie erwähnt, vorausgesetzt dieser Patient möchte Sterbehilfe in Anspruch nehmen.