Berufsrisiko

03. September 2014 23:02; Akt: 03.09.2014 23:14 Print

Piloten bekommen besonders oft Hautkrebs

Bei Piloten und Kabinenpersonal tritt schwarzer Hautkrebs mehr als doppelt so häufig auf wie im Durchschnitt. Dafür gibt es mehrere Gründe.

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Das Hautkrebsrisiko von Piloten und Flugpersonal ist stark erhöht. Das zeigt eine Analyse von 19 Studien mit insgesamt über 266'000 Teilnehmern. Martina Sanlorenzo von der Universität von Kalifornien in San Francisco und ihre Kollegen hatten die Studien aus 6258 infrage kommenden Untersuchungen herausgefiltert. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal «Jama Dermatology».

Die Strahlenbelastung nimmt mit steigender Höhe zu, weil der natürliche Schutz durch die Atmosphäre geringer wird. Welcher Dosis kosmischer Strahlung Piloten und Flugpersonal ausgesetzt sind, werde regelmässig überwacht, schreiben die Wissenschaftler. Doch «die Gefährdung durch UV-Strahlung ist kein anerkannter beruflicher Risikofaktor für das Flugpersonal».

UV-Strahlung als Risiko

Die UV-Strahlung des Sonnenlichts gilt als wichtigste Ursache von malignen Melanomen, den Tumoren des schwarzen Hautkrebses, aber auch erbliche Veranlagung. Der Tumor, der auch als malignes Melanom bezeichnet wird, ist besonders bösartig und streut leicht.

Das Team um Sanlorenzo ermittelte ein 2,22-fach erhöhtes Erkrankungsrisiko für Piloten und ein 2,09-fach erhöhtes für das Kabinenpersonal. Unterschiede zeigten sich auch bei der Auswertung nach Geschlechtern: Für Männer liegt der Risikofaktor bei 2,38, für Frauen bei 1,93. Das Risiko, an schwarzem Hautkrebs zu sterben, lag beim Flugpersonal insgesamt um 42 Prozent höher als im Schnitt der Bevölkerung.

Die Autoren der Studie erklären das Ergebnis mit einem Hinweis auf Messungen an verschiedenen Flugzeugtypen: Demnach blockieren Scheiben aus Polykarbonaten die UV-Strahlung fast vollständig. Das ebenfalls eingesetzte Verbundglas allerdings lasse 54 Prozent eines Teils der UV-Strahlung (UVA) durch, der mit dem Entstehen von Melanomen in Verbindung stehe.

In grossen Flughöhen komme hinzu, so Sanlorenzo und Kollegen, dass Wolken und schneebedeckte Berge bis zu 85 Prozent der UV-Strahlung reflektierten. Dies steigere die Belastung des Flugpersonals zusätzlich.

Mehr Sonnenbäder?

Gael Hammer vom Nationalen Gesundheitslabor in Luxemburg, Mitautor einer Krebsstudie bei deutschem Flugpersonal, betont, dass auch andere mögliche Erklärungen in Betracht gezogen werden müssten. So habe eine Studie über nordeuropäische Piloten 2003 festgestellt, dass das Melanomrisiko nicht nur an Hals und Kopf erhöht ist (2,5), sondern auch am Rumpf (2,33).

«Vielleicht hat das Flugpersonal durch Flüge in den Süden einfach mehr Gelegenheiten zum Sonnenbaden», sagt Hammer. Über die Jahrzehnte habe dieses Risiko abgenommen, was für ein zunehmend gesundheitsbewusstes Verhalten sprechen könnte.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elias am 04.09.2014 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Dann sollen

    sie sich halt jeden Morgen mit Sonnenmilch einreiben. Gehört halt dann zum Pflegestandart. Muss ich auch. Bin immer draussen.

  • Blue Wave am 04.09.2014 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Arbeitgeber weiss das längst

    So wie die anderen Airlines auch. Alle "Fliegenden" sind diesem Risiko ausgesetzt. Wir auf dem Flight Deck umso mehr. BA und jede seriöse Airline sind deshalb schon lange präventiv tätig, aber schlussendlich liegt es an uns selber, wie wir damit umgehen. Wir kennen die Risiken und was man tun kann und was nicht.

  • Roger Kuhn am 04.09.2014 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    früher hatte das Flugpersonal ...

    einfach mehr Zeit zum Sonnenbaden. Der Einsatzplan von heute ist viel enger, sodass es weniger Gelegenheit gibt sich während der Arbeitszeit am Strand zu räkeln. Vor 25 Jahren z.B. gab es bei der Swissair nur einen wöchentlichen Flug von Zürich nach Caracas. Die ankommende Crew hatte dann das Vergnügen eine Woche lang "Urlaub" auf Kosten des Arbeitgebers an der schönen venezuelanischen Sonne zu geniessen ... heute trauert man solchen Arbeitsbedingungen nur noch nach.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Leser am 04.09.2014 21:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kabine? Kaum! - Kosmische Strahlung?

    Kann mir nicht vorstellen, dass dies mit der UV-Strahlung in der Kabine zu tun hat. Unter anderem möchte man sicher mal wissen, welche Körperstellen diese Häufung betrifft - Hände und Gesicht oder andere Bereiche? Dann müsst man mal untersuchen, wieviel Sonne eine Flugbegleiterin durch die Kabinenfenster abbekommt - vermutlich weniger, als ein Pendler auf dem Arbeitsweg. Spielt vielleicht die relativ starke kosmische Strahlung in der Höhe eine Rolle?

  • simon am 04.09.2014 20:27 Report Diesen Beitrag melden

    zu teuer diese fenster.

    uv schutzfolie reicht auch und ist billiger.

  • Roger Kuhn am 04.09.2014 15:11 Report Diesen Beitrag melden

    früher hatte das Flugpersonal ...

    einfach mehr Zeit zum Sonnenbaden. Der Einsatzplan von heute ist viel enger, sodass es weniger Gelegenheit gibt sich während der Arbeitszeit am Strand zu räkeln. Vor 25 Jahren z.B. gab es bei der Swissair nur einen wöchentlichen Flug von Zürich nach Caracas. Die ankommende Crew hatte dann das Vergnügen eine Woche lang "Urlaub" auf Kosten des Arbeitgebers an der schönen venezuelanischen Sonne zu geniessen ... heute trauert man solchen Arbeitsbedingungen nur noch nach.

    • simple am 04.09.2014 17:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      genau. einfache Erklärung

      genau das hab ich auh gedacht als ich den beitrag gelesen hab. manchmal sollte man vielleicht nicht nur auf zahlen schauen sondern auch den Verstand einsetzen und das geschehen in der "richtigen" welt verfolgen...

    • Leser am 04.09.2014 21:57 Report Diesen Beitrag melden

      Guter Punkt

      Wenn man heute eine Häufung von Hautkrebs bei einer bestimmten Personengruppe beobachtet, hat das einen Zusammenhang mit dem Verhalten dieser Personengruppe vor vielen Jahren, deshalb ist kaum anzunehmen, dass heutige Flugbegleiter ebenfalls dieses Risiko haben. Es ist ein negativer Nebeneffekt von einer vergangenen Zeit, welche durchaus ihre Annehmlichkeiten hatte.

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  • Ueli am 04.09.2014 09:03 Report Diesen Beitrag melden

    Schichtarbeit / häufig an sonnigen orten

    Das hat sicher zum einen damit zu tun, dass die viel reisen und häufig an sonnigen orten sind. dazu kann es auch sein, dass wer Schicht arbeitet schlicht und einfach mehr zeit an der Sonne verbringen kann, da die Arbeit nachts stattfindet...... Abendsonne ist nicht so schlimm wie die Mittagssonne.

  • Blue Wave am 04.09.2014 08:14 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Arbeitgeber weiss das längst

    So wie die anderen Airlines auch. Alle "Fliegenden" sind diesem Risiko ausgesetzt. Wir auf dem Flight Deck umso mehr. BA und jede seriöse Airline sind deshalb schon lange präventiv tätig, aber schlussendlich liegt es an uns selber, wie wir damit umgehen. Wir kennen die Risiken und was man tun kann und was nicht.