Mutterkuchen mit Nebenwirkungen

16. Juli 2017 21:51; Akt: 16.07.2017 21:51 Print

Plazenta essen kann lebensgefährlich sein

Früher wurde er nach der Geburt entsorgt, heute wird der Mutterkuchen auch gegessen. Doch so gesund, wie oft behauptet wird, ist das gar nicht – im Gegenteil.

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Die Plazenta besteht aus mütterlichem und embryonalem Gewebe und schützt den Fötus vor schädlichen Keimen oder Chemikalien wie Schwermetallen. Zudem versorgt der sogenannte Mutterkuchen das Ungeborene mit Sauerstoff und Nährstoffen. Aufgrund ihrer lebenswichtigen Funktionen geniesst die sogenannte Nachgeburt mittlerweile Kultstatus. In den sozialen Medien tauchen sowohl gestrickte Versionen ... ... als auch aus völlig gewöhnlichen Zutaten hergestellte Nachahmungen auf. (Im Bild: Ein von angehenden Hebammen nach dem Vorbild einer Plazenta geformter Kuchen) Entsorgt werden echte Plazentas auch nicht mehr: Viele Eltern vergraben sie im Garten und pflanzen auf ihnen sogenannte Geburts- oder Lebensbäume. Doch manch einer geht noch einen Schritt weiter, ... ... so wie Kim Kardashian. Weil der Verzehr der Plazenta angeblich die Milchproduktion ankurbelt, das Risiko einer Wochenbettdepression reduziert und das Immunsystem stärkt, hat sie den Mutterkuchen nach der Geburt ihres Sohnes Saint West ... ... zu Kapseln verarbeiten lassen und informierte ihre Fans auf Facebook und über ihre App über ihre Erfahrungen. Monica Ivancan, Model, Celebrity und Ex von Oliver Pocher, ging ähnlich vor. Sie liess die Nachgeburt ihres Sohnes Anton zu Globuli umarbeiten. «Erste gemeinsame Produktion von Anton & Moni», kommentierte sie danach stolz auf Instagram. Doch man kann die Plazenta auch gleich selbst verarbeiten. Die entsprechenden Rezepte gibt es unter anderem vom britischen Starkoch und Fünffach-Papa Jamie Oliver. Auf Instagram lobt er diesen «Placenta Pie» als «super köstlich und super nahrhaft» sowie als «unterschätzte Proteinquelle». Doch Forscher der US-Gesundheitsbehörde CDC warnen nun: Der Verzehr der Plazenta durch die Mutter kann fürs Neugeborene lebensgefährlich sein. Das zeigte der Fall eines im September 2016 geborenen und zunächst kerngesunden Babys. Nach wenigen Tagen musste es mit schweren Atemproblemen auf die Intensivstation. Die Diagnose: eine Blutvergiftung, ausgelöst durch B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae). Nachforschungen zeigten, dass die Ursache in der Plazenta zu suchen ist, die die Mutter nach der Geburt zu Kapseln verarbeiten liess. Wahrscheinlich hatte die Firma die Plazenta nur unzureichend erhitzt, weshalb die Keime nicht abgetötet wurden und so über die Muttermilch ins Kind gelangt sind.

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Kim Kardashian hat es getan, Monica Ivancan, Ex-Freundin von Oliver Pocher, ebenfalls. Selbst Tom Cruise soll nach der Geburt von Töchterchen Suri von der Plazenta gekostet haben. Schliesslich soll sie gesund sein (siehe Box).

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Der Mutterkuchen, wie die Nachgeburt auch genannt wird, landet in Kapseln, Pfannen, Töpfen, Mixern und sogar im Backofen (siehe Bildstrecke). Sogar Starkoch Jamie Oliver ist auf den gewöhnungsbedürftigen Trend aufgesprungen und hat eine Menge Rezepte kreiert.

Zweimal knapp am Tod vorbei

Doch Forscher der US-Gesundheitsbehörde CDC warnen nun: Der Verzehr der Plazenta durch die Mutter kann fürs Neugeborene lebensgefährlich sein, wie der Fall eines im September 2016 geborenen und zunächst kerngesunden Babys zeigt.

Nach wenigen Tagen musste es mit schweren Atemproblemen auf die Intensivstation verlegt werden. Die Diagnose lautete: Blutvergiftung, ausgelöst durch B-Streptokokken (Streptococcus agalactiae). Und das, obwohl ein Abstrich während der Schwangerschaft gezeigt hatte, dass der Geburtskanal der werdenden Mutter frei war. Im Mutterleib hatte sich das Kleine also nicht anstecken können.

Zwar durfte das Kind dank Antibiotika nach elf Tagen nach Hause. Aber schon wenige Tage später musste es wieder ins Spital: Die Infektion war erneut ausgebrochen.

Erhitzen ist wichtig

Nachforschungen der behandelnden Ärzte zeigten, dass die Ursache in der Plazenta zu suchen ist, welche die Mutter nach der Geburt mit nach Hause genommen und von einer darauf spezialisierten Firma zu Kapseln hatte verarbeiten lassen. Diese hatte sie dann den Verzehrempfehlungen entsprechend zu sich genommen.

Eine Analyse der Plazenta-Pillen zeigte, dass sich aktive B-Streptokokken darin befanden. Wahrscheinlich hatte die Firma die Plazenta nur unzureichend erhitzt, sodass die Keime nicht abgetötet wurden und über die Muttermilch ins Kind gelangten.

Deshalb warnt die US-Gesundheitsbehörde nun davor, die Nachgeburt einfach zu essen, denn neben B-Streptokokken kann die Plazenta auch Schwermetalle, Bakterien und andere Viren enthalten, die sowohl der Mutter als auch dem Kind schaden können. Und nicht immer endet das so glimpflich wie im beschriebenen Fall.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Expraesi am 16.07.2017 22:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Do schau her,

    Sonntagabend und wir sind dem Wahnsinn wieder ein Stück näher

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  • meierisli am 16.07.2017 22:13 Report Diesen Beitrag melden

    tja wenns einem langweilig ist..

    es wird einen grund geben weshalb der körper gewisse sachen ausscheidet und nicht reorganisiert. ich frage mich, weshalb diese frauen nicht das mensblut trinken? das ist ja auch "nahrhaft"? zink, eisen etc.

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  • dreamdriver am 16.07.2017 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unwissend nachdenkend

    Die Plazenta scheint mir ihren Dienst nach der Geburt getan zu haben: Gutes wie Sauerstoff ins Kind rein, Schlechtes draussen lassen oder in der Plazenta "wegschliessen". Wieso soll Mami den "Abfall" anschliessend wieder auffuttern und damit das Kind vergiften?!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Rousseau am 17.07.2017 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    Aber...

    das kann doch nicht schädlich sein! Ist doch aus der Natur! Völlig unbedenklich... was aus der Natur ist, muss gut sein. Genauso wie Tollkirsche!

  • Mutter am 17.07.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Animalisch

    Wir sind doch keine Tiere. Oder doch?

  • Mamma mia am 17.07.2017 13:55 Report Diesen Beitrag melden

    Kosmetika

    Nach der Geburt wird die Placenta umgedreht und gründlich kontrolliert, ob alles in Ordnung ist oder krankhafte Verwachsungen bestehen. Früher wurde dieses Gewebe von den Spitälern an Pharmafirmen teuer verkauft, die daraus alles mögliche an Schönheits-Crémeli herstellten.

  • jogibear am 17.07.2017 13:09 Report Diesen Beitrag melden

    ..Sachen gibt's..!

    schon beim Titel lesen wird's mir speiübel. Hab nicht weiter gelesen.

  • Chris am 17.07.2017 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Leser als Wissenschaftler

    Hier ist ja in den Kommentaren wieder eitel Sonnenschein ausser den paar Berufempörten aber wehe wenn mal wieder ein veganes Paar irgendwas tut, das nicht schulmedizinisch untersucht ist, dann ist das Geschrei wieder gross. Diese Voreingenommenheit ist sowas von altbacken und lästig!