Lebensrettende OP

14. Mai 2013 18:51; Akt: 24.03.2015 12:07 Print

So funktioniert eine Brustamputation

von Jean-Claude Gerber - Angelina Jolie hat sich aufgrund einer familiären Veranlagung für Brustkrebs beide Brüste abnehmen lassen. Sie konnte eine Methode wählen, die kaum sichtbare Spuren hinterlässt.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Nach einem Gentest, der ihr laut Ärzten ein Brustkrebsrisiko von 87 Prozent bescheinigte, hat sich Angelina Jolie vorsorglich beide Brüste abnehmen lassen. Im Blut der Schauspielerin, deren Mutter mit 56 Jahren an Eierstockkrebs starb, wurde das mutierte Gen BRCA-1 nachgewiesen. Die Gene sind für zwei Drittel aller familiären Brustkrebsfälle verantwortlich. Gewöhnlich liegt das Risiko einer Brustkrebserkrankung bei einer Mutation bei 60 bis 70 Prozent, während das Risiko für Eierstockkrebs 20 bis 30 Prozent beträgt.

Es wird angenommen, dass fünf bis zehn Prozent aller Erkrankungen erblich bedingt sind. Zwar erkrankt ein Teil der Hochrisikopatientinnen nie an Brustkrebs, dennoch entschied sich Jolie aufgrund ihrer Familiengeschichte für eine Mastektomie, so der Fachausdruck für eine Brustamputation.

Der Eingriff, dem sich Jolie unterzogen hat, wird als hautsparende und Mamillen-Areola-erhaltende Mastektomie bezeichnet. Dabei bleiben die Brusthaut und die Brustwarzen erhalten. Dieses Verfahren kommt bei präventiven Amputationen zur Anwendung oder wenn das erkrankte Gewebe weit genug von der Haut und den Vorhöfen und Nippeln entfernt ist, so dass diese gefahrlos erhalten werden können.

Langwieriger Eingriff

Die gesamte Prozedur dauerte laut Jolie drei Monate. Begonnen hat sie mit einem sogenannten «Nipple delay». Bei diesem ambulanten Eingriff trennt der Arzt die Blutzufuhr aus dem Innern der Brust zur Brustwarze. Damit soll der Körper angeregt, die Brustwarze von der Seite, also aus dem Hautgewebe mit Blut zu versorgen. Gelingt dies, können Vorhof und Warze erhalten werden.

Zwei Wochen später fand die eigentliche Mastektomie statt. Dabei wurde Jolie unter Vollnarkose das gesamte Brustgewebe inklusive Drüsen, Milchgänge und Fettgewebe unter der Haut entfernt. Gleichzeitig wurden ihr temporäre Platzhalter unter den Brustmuskel eingesetzt, um die Form der Brüste zu erhalten. Ob Jolie auch Lymphknoten der Achselhöhlen entfernt worden sind, ist unbekannt.

Nach der Operation folgte ein mehrtägiger Krankenhausaufenthalt. In dieser Zeit wurden Blut und Gewebeflüssigkeit, die sich nach der OP angesammelt haben, mit einer Drainage abgeleitet. Jolie beschrieb die Zeit nach der Operation in ihrem Artikel in der «New York Times» mit den Worten: «Du wachst mit Kanülen und Expandern in deinen Brüsten auf. Das ist wie in einem Science-Fiction-Film».

Amputation in den meisten Fällen nicht nötig

Befinden sich in mehreren Regionen der Brust Tumoren, ist der Tumor im Verhältnis zur Brust zu gross oder in die Haut oder die Brustwand eingewachsen, muss die Brust amputiert werden. Bei der einfachen Mastektomie wird die Brustwarze, Fettgewebe, Haut und Bindegewebe des Brustmuskels entfernt. Bei der modifizierten radikalen Mastektomie werden zusätzlich Fettgewebe und Lymphknoten der Achselhöhlen entnommen. Dieser Eingriff gilt heute als Standard, wenn eine brusterhaltende Operation nicht möglich ist.

Ist nach einer Brustamputation keine Strahlentherapie nötig, kann die Rekonstruktion der Brust noch während des Eingriffs beginnen. Die Chirurgen platzieren dann direkt ein Implantat oder einen Platzhalter, wie bei Angelina Jolie, unter den Brustmuskel. Ist keine Rekonstruktion möglich, können Frauen nach einer Mastektomie auf Büstenhalter mit Silikoneinlagen zurückgreifen, die die Silhouette des Busens ganz natürlich nachbilden.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sternschnuppe am 15.05.2013 00:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    viele haben keine ahnung

    keiner, der nicht selber in dieser situation ist, weiss was das heisst. hatte selber brustkrebs mit 38 jahren. nach positivem gentest wurde die andere seite prophylaktisch entfernt. es ist der AKTIVE ENTSCHEID zum leben. sonst nichts. habe es nie bereut. viele haben keine ahnung was das heisst. wer von euch möchte mit der ständigen angst leben? ja, der tod gehört zum leben. aber wenn man sein leben um jahre "verlängern" kann, wer würde das nicht machen?? vorallem in diesem alter. überlegt mal!!!!!

    einklappen einklappen
  • M. Vetterli am 15.05.2013 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wer würde anders handeln?

    Ich kann den Entscheid absolut nachzuvollziehen. Bei einem so hohen Risiko zur Erkrankung, sind regelmässige Kontrollen auch nur noch ein "Warten auf den Krebs". Alle sechs Monate auf Untersuchungsergebnisse hoffen, muss die Hölle sein, vor allem, wenn man damit Rechnen muss, dass der Bescheid irgendwann negativ ausfällt. Bricht die Krankheit schliesslich aus, müssen die Brüste sowieso weg, zu dem wird eine Bestrahlung notwendig. Auch wenn ich keine Brüste habe, ich hätte gleich gehandelt in dieser Situation.

  • lolo am 14.05.2013 22:05 Report Diesen Beitrag melden

    alles wegschneiden

    hat den kindern versprochen nicht an Krebs zu sterben. Und...... gibt auch noch andere Krebsarten. Meine Grossmutter hatte Gebärmutterkrebs und nach sechs Jahren Knochenkrebs..... Ausserdem die Implatate haben die keine Nebenwirkungen...... Können wir alles einfach wegoperieren......

Die neusten Leser-Kommentare

  • Donato am 15.05.2013 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    GEN-ANGST-MACHEREI

    Schade das das Thema Epigenetik noch zu wenig bekannt ist. Man spricht leider nur immer über Genetik. Ein bestimmtes Gen zu haben, muss noch nichts heissen. Wichtig ist ob das Gen auf an oder aus steht, und das wird epigenetisch gesteuert (Schalter im Erbgut: Methylgruppen). Was das steuern könnte, hat z.B. der Tages Anzeiger in einem Artikel vom 10.04.2013 Wie Essen das Erbgut verändert beschrieben. Es braucht mehr Aufklärung. Es ist höchste Zeit! Schluss mit der GEN-ANGST-MACHEREI!!!

  • Beni am 15.05.2013 10:44 Report Diesen Beitrag melden

    Sehr sehr schade

    Schade, bis anhin fand ich Angelina eine Super Tolle Frau. Wenn ich mir aber künftig vorstelle, dass die Brüste, die ich sehe, nicht mehr echt sind, empfinde ich nur noch ekel. Ich finde es auch erschreckend, wie wir uns von solch wissenschaftlichen Statistiken manipulieren lassen. Wir haben unser natürliches Gefühl zu unserem Körper völlig verloren.

  • Normale Frau am 15.05.2013 08:56 Report Diesen Beitrag melden

    Berichterstattung anschließen

    Jede Frau mit gesundem Verstand geht regelmäßig zur Brustkontrolle. Es ist Zeit das Thema Jollie abzuschließen. Meines Erachtens kann man auch zuviel darüber schreiben und diskutieren. Denn hilfreich sind diese Kommentare nicht, im Gegenteil, sie verunsichern!

  • M. Vetterli am 15.05.2013 08:48 Report Diesen Beitrag melden

    Wer würde anders handeln?

    Ich kann den Entscheid absolut nachzuvollziehen. Bei einem so hohen Risiko zur Erkrankung, sind regelmässige Kontrollen auch nur noch ein "Warten auf den Krebs". Alle sechs Monate auf Untersuchungsergebnisse hoffen, muss die Hölle sein, vor allem, wenn man damit Rechnen muss, dass der Bescheid irgendwann negativ ausfällt. Bricht die Krankheit schliesslich aus, müssen die Brüste sowieso weg, zu dem wird eine Bestrahlung notwendig. Auch wenn ich keine Brüste habe, ich hätte gleich gehandelt in dieser Situation.

  • Olivier am 15.05.2013 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Flucht nach vorn...

    Was, wenn Joli gar nicht im Vorfeld einer evt. auftretenden Krebserkrankung, sondern weil sie bereits vom Krebs befallen waren, die Brüste hat entfernen lassen? Das weiss einzig und allein Sie, ihr Mann Brad und das Ärzteteam, das der Schweigepflicht unterliegt...