Infektionsrisiko

31. Mai 2017 22:45; Akt: 31.05.2017 22:45 Print

So kommen gefährliche Keime ins Spital

Forscher haben untersucht, wie sich Keime in einem neuen Spital ausbreiten: Die Bakterien eroberten die Räume im Nu und bildeten bereits Resistenzen.

Bildstrecke im Grossformat »
In Europa sterben jedes Jahr etwa 90'000 Menschen, weil sie sich im Spital eine Infektion eingefangen haben. Zu diesem Ergebnis kamen Ende 2016 Forscher des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC). US-Forscher haben nun untersucht, wie die Keime in die Spitäler kommen und wie sie sich dort ausbreiten. Die Analyse wurde im neu eröffneten Center for Care and Discovery der Universität Chicago durchgeführt. Dort fanden die Forscher ideale Bedingungen für ihre Arbeit vor: Sie konnten schon zwei Monate vor Aufnahme des Spitalbetriebs mit ihren Untersuchungen beginnen. Insgesamt nahmen sie während zwölf Monaten mehr als 10'000 Proben. Die Forscherr machten Abstriche von den Händen, aus der Nase sowie den Achseln der Patienten ebenso wie von den Oberflächen, welche sie wahrscheinlich berührt hatten. Hinzu kamen Proben vom Boden der Zimmer und den Luftfiltern. Auch das Pflegepersonal wurde untersucht. Dabei stellten die Forscher fest, dass sich unmittelbar nach Beginn des Klinikalltags Mikroben wie ... ... Corynebakterien, ... ... Staphylokokken und ... ... Streptokokken ausbreiteten. Die Aufnahme jedes neuen Patienten veränderte zudem die Zusammensetzung der Bakterien in seinem Zimmer. Die Forscher nahmen 92 Patienten genauer unter die Lupe, die über längere Zeit in dem Spital waren. Bei ihnen wurden potenziell schädliche Bakterien gefunden, die mit der Zeit Gene entwickelten, welche Resistenzen gegen Antibiotika fördern und Infektionen begünstigen können. Vor allem Staphylococcus aureus ist in seiner multiresistenten Form als Spitalkeim MRSA bekannt und gefürchtet: Während er für gesunde Menschen ungefährlich ist, ist er für etwa 30 Prozent aller Spitalinfektionen verantwortlich.

Zum Thema
Fehler gesehen?

In einem Spital soll man gesund werden. Gleichzeitig sind dort Erreger unterwegs, die für geschwächte Patienten lebensgefährlich sein können. Doch wie verbreiten sich diese in einem Spital? US-Forscher haben in einer nagelneuen Klinik, dem Center for Care and Discovery der Universität Chicago, genauer hingeschaut.

Umfrage
Haben Sie sich auch schon mal einen Spitalkeim eingefangen?

Im Gebäude sei vor der Eröffnung eine relativ geringe Vielfalt an Bakterien gefunden worden, sagt Jack Gilbert, Direktor des Mikrobiom-Zentrums an der Universität von Chicago. «Als allerdings Patienten, Ärzte und Pfleger einzogen, übernahmen die Bakterien ihrer Haut das Spital.»

Die Aufnahme jedes einzelnen Patienten änderte zudem die Zusammensetzung der beobachteten Mikroorganismen in dessen Zimmer, wie das Team um Gilbert im Fachjournal «Science Translational Medicine» schreibt.

Neuer Patient – neue Bakterien

Das Team nahm über einen Zeitraum von zwölf Monaten immer wieder Proben in dem neu eröffneten Spital. Jedes Jahr infizieren so genannte Klinikkeime weltweit Millionen Menschen, teilweise mit tödlichen Folgen. Die Ergebnisse der neuen Untersuchung könnten dabei helfen, gefährliche Keime, die in Spitälern im Umlauf sind, einzudämmen.

Die US-Forscher untersuchten, welche Faktoren die Zusammensetzung der Mikroben in der Klinik beeinflussen, wie diese sich über die Zeit entwickeln und wie sich die mit blossem Auge nicht erkennbaren Lebewesen ausbreiten.

Spital im Fokus

Im 2013 neu eröffneten «Center for Care and Discovery» fanden die Forscher ideale Bedingungen für ihre Arbeit vor: Sie konnten schon zwei Monate vor Aufnahme des Spitalbetriebs mit ihren Untersuchungen beginnen.

Insgesamt nahmen die Wissenschaftler über einen Zeitraum von zwölf Monaten mehr als 10'000 Proben – in zehn Patientenzimmern, einer Pflegestation für Krebskranke und einer für Patienten der Chirurgie.

Die Biologen und Mediziner machten Abstriche von den Händen, aus der Nase sowie den Achseln der Patienten, ebenso wie von den Oberflächen, die sie wahrscheinlich berührt hatten. Dazu gehören die Bettgitter und die Armaturen in den Bädern. Hinzu kamen Proben vom Boden der Zimmer und den Luftfiltern. Auch das Pflegepersonal wurde gründlich untersucht.

Verbreitung innerhalb 24 Stunden

Dabei stellten die Forscher fest, dass sich unmittelbar nach Beginn des Klinikalltags Mikroben wie Corynebakterien, Staphylokokken und Streptokokken ausbreiteten. Die Aufnahme jedes neuen Patienten veränderte zudem die Zusammensetzung der Bakterien in seinem Zimmer.

«Innerhalb von 24 Stunden übernahm das Mikrobiom des Patienten den Spitalraum», sagte Gilbert. Als Mikrobiom wird die Gesamtheit aller Mikroorganismen bezeichnet, die den Menschen oder andere Lebewesen besiedeln. Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass das Personal in den wärmeren Monaten verstärkt Bakterien austauschte.

Schon nach kurzer Zeit Resistenzen

Die Forscher nahmen 92 Patienten genauer unter die Lupe, die über längere Zeit in dem Spital waren. Bei ihnen wurden potenziell schädliche Bakterien wie Staphylococcus aureus und Staphylococcus epidermidis gefunden, die mit der Zeit Gene entwickelten, welche Resistenzen gegen Antibiotika fördern und Infektionen begünstigen können.

Vor allem Staphylococcus aureus ist in seiner multiresistenten Form als Spitalkeim MRSA bekannt und gefürchtet: Während er für gesunde Menschen ungefährlich ist, ist er für etwa 30 Prozent aller Spitalinfektionen verantwortlich.

(fee/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dr. Sommer am 31.05.2017 23:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Besuch als Ursache!

    Vielleicht auch darum, weil gewisse Patienten pro Tag 50 Leute auf Besuch haben....

    einklappen einklappen
  • Andy Honegger am 31.05.2017 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht überraschend

    Diese Erkenntnisse überraschen mich eigentlich nicht. Interessanter wäre gewesen, wie und was gegen diese fiesen Dinger getan werden kann. Den Erkenntnissen sollen Taten folgen.

    einklappen einklappen
  • Ch. Mensch und Kenner am 31.05.2017 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch Fragen

    Dazu braucht es keine Forscher. Wir haben in der Schweiz bereits jedes Jahr über 70000 Patienten, welche mit einem MRSA infiszieren. Davon sterben über 3500 Menschen. Wir haben über 200 Nationalitäten, welche sich in unseren Spitäler/Kliniken bewegen. Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr. Die Bakterien erfreuen sich rasanter Vermehrung. Deshalb leiden immer mehr Patienten an Antibiotika Ressistenz.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Bruno am 01.06.2017 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfrage

    89 Prozent wissen nicht,ob sie einen resistenten Keim tragen. Einige, 30 oder mehr pro hundert Reisende nach Indien und SOA werden einen mit nach Hause gebracht haben, aufgelesen in Südostasien und Indien durch gesundes Gemüse gewässert mit ungereingtem Flusswasser im Umkreis einer Antibiotikafabrik. Man macht einen Besuch in einer Gesundheitbetrieb, geht auf das WC ,gibt Küsschen et voila der Keim ist angekommen.

  • Chris am 01.06.2017 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch

    Der Mensch denk in seiner Ignoranz, dass er über der Natur steht und alles im Griff hat. Zeitweise mag das stimmen, am Ende werden die Konten, wie in der Buchhaltung, immer ausgeglichen sein. Das Massensterben des Menschen ist näher als man denkt.

  • Patrick A. am 01.06.2017 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    76% der Indien-Reisenden mit Bakterien

    Gemäss eines NZZ-Arikels vom 19.07.2016 fangen sich die meisten Schweizer Indien-Reisenden resistente Bakterien ein. Die Autoren untersuchten vor und nach einer Indien-Reise den Stuhlgang von 38 Schweizerinnen und Schweizern. 76 Prozent von ihnen kamen mit Bakterien im Darm zurück, welche gegen die gängigen Antibiotika resistent waren. Das teilte die Universität Bern mit. /// Eigentlich sollte man Reisen in exotische Länder verbieten! Dann würde aber die Tourismus-Industrie aufschreien!

  • morax am 01.06.2017 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Patienten, Besuch und Personal

    Eigentlich klar, die müssten alle erst mal entkleiden und unter eine Dusche zur Desinfektion und erst danach (in Spitalkleidung) zutritt zu den Spitalräumlichkeiten erhalten. Da sich wohl 20% nicht mal die Hände nach dem Toilettengang waschen oder alle möglichen Keime auf ihren Smartphones oder anderen alltäglichen Gegenständen herumtransportieren, ist es nicht besonders erstaunlich, dass ein viel frequentierter Ort wie ein Spital eine Bakterien-Börse ist! Da müssten die Spitäler halt Regeln einführen - aber es passiert ja zum Glück nicht oft dass sich jemand infiziert..

  • Herr Max B am 01.06.2017 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    ein Grund mehr, den Spital zu meiden