Mehr Zusammenbrüche

26. März 2013 07:32; Akt: 27.03.2013 10:20 Print

Sport, Schule, Sex: Ab 14 herrscht Leistungsdruck

von S. Marty - Sie müssen einen super Body haben, gute Noten abliefern und möglichst früh sexuell aktiv werden: Junge Mädchen stehen von allen Seiten unter Druck. Viele halten dem nicht mehr Stand.

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Viele Mädchen sind vom ständigen Druck überfordert. (Bild: Colourbox.com)

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Die Zwänge der Leistungsgesellschaft kommen bereits mit der Pubertät. Besonders Mädchen, aber auch Jungen, stehen in einem ständigen, scharfen Wettbewerb: «Die Belastung kommt von ganz verschiedenen Seiten. Es ist der Druck, ins Gymnasium zu wollen, über den Anspruch, sexuell aktiv sein zu müssen, bis hin zum Zwang vom perfekten Aussehen», so Moana Crescionini, Beraterin bei Pro Juventute.

Viele Mädchen versuchten, all diesen Ansprüchen gerecht zu werden und sie unter Kontrolle zu bringen. Doch nicht selten ende dies in einem psychischen Fiasko: «Sie zerbrechen an den steigenden Anforderungen der Gesellschaft und erleiden in der Folge einen Nervenzusammenbruch», so Crescionini weiter.

Dieser kann sich laut Experten in Form von Schrei- und Heulkrämpfen, aber auch depressiven und gar suizidalen Gedanken zeigen. Ein Problem, mit welchem die Beraterin der Notrufnummer 147 in letzter Zeit immer häufiger konfrontiert war: «Ich beobachte seit einiger Zeit eine Zunahme solcher Vorfälle. Es gibt Mädchen, die deswegen gar therapiert werden müssen», so Crescionini.

Mehr Einweisungen in Zürich und Luzern

Dies zeigt sich unter anderem auch in der steigenden Anzahl Anmeldungen beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst des Kantons Zürich, wobei auch Knaben von dieser Entwicklung nicht ausgenommen sind. Laut Chefärztin Dagmar Pauli haben sich «Fälle von akuten, psychischen Krisensituationen bei Jugendlichen ab 14 Jahren in den letzten fünf Jahren vervierfacht.» Die Zahl aller anderen Anmeldungen von Jugendlichen in der psychiatrischen Ambulanz habe sich seit 1997 von 219 Anmeldungen bis heute mit 1999 Anmeldungen gar verzehnfacht.

Eine Entwicklung, die Simone Krähenbühl, stellvertretende Chefärztin vom Kinder- und Jungendpsychiatrischen Dienst Luzern, grosse Sorgen bereitet. Denn auch in Luzern nehmen die Fälle von überforderten Teenagern Jahr für Jahr um etwa fünf Prozent zu: «Die Nervenzusammenbrüche sind allerdings oft erst der Anfang. Aus der Belastung kann sich auch eine psychische Erkrankung entwickeln. Bei Mädchen sind das nicht selten Essstörungen», so Krähenbühl.

Anerkennung auch ohne Leistung

Ein frühes Eingreifen ist laut den Experten deshalb entscheidend. «Die Gesellschaft vermittelt den Jugendlichen das Gefühl, perfekt sein zu müssen. Davon sollte man sich zu lösen versuchen», so Dagmar Pauli. Sie rät den Eltern sowie Lehrern, «Kinder zwar ihren Fähigkeiten entsprechend zu fordern, ihnen aber auch immer wieder unabhängig von einer erbrachten Leistung Anerkennung und Zuneigung entgegenzubringen.» Komme es trotzdem zu einem Zusammenbruch, sollte das Gespräch mit Fachpersonen gesucht werden.

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Das Zwischenmenschliche fehlt heute immer mehr. Im Zug sieht man das ganz gut. Fast niemand spricht mit Fremden, man versucht sich abzukapseln. Menschen sind soziale Wesen, um psychisch gesund zu sein, muss man auch genug Kontakte pflegen. Das heisst, dass man auch mal einen Konflikt riskieren sollte. – Silas Arn

Kinder und Jugendliche brauchen von uns Eltern, dass sie gesehen, wahrgenommen und geliebt werden, sie brauchen die Zuwendung ob wir das wahrhaben wollen oder nicht. Wir Eltern sollen nicht nur die Leistung sehen sondern unser Kind, wie es uns geschenkt ist, mit allen Stärken und Schwächen. Es möchte geliebt werden, so wie es ist, nicht wie wir es gerne hätten. Es möchte Zeit zum Reden, Lachen usw. Nehmen wir uns als Eltern genügend Zeit dafür? Braucht das Jugendliche dann wirklich den Alkohol, die Drogen um die Gedanken wegzupusten, damit es den Schmerz nicht mehr spürt? – Regina Probst

.. Aber ich geh ins Gymnasium, tanz Salsa und frische nebenbei mein Taschengeld auf mit einem kleinen Aushilfsjob. Ich hab keinen Stress. Ich bin zwar nicht ganz zufrieden mit meiner Figur aber ich hab grad angefangen was dafür zu machen, aber mal im Ernst, sich gesünder zu ernähren ist kein Stress essen muss ich ja so oder so. Ich persönlich denk ich bin nicht hässlich und muss mir da keinen kopf machen. Ich bin 17, dass ich noch Jungfrau bin hat mir noch nie jemand vorgehalten. Leute werdet einfach positiver und seid mal endlich zufrieden so schlecht gehts euch nicht^^ – Ana

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Robert am 28.03.2013 12:10 Report Diesen Beitrag melden

    Strenger Kodex unter Jugendlichen

    Unter Jugendlichen sowie Kindern herrscht in Gruppen zumindest ein strenger Kodex in Sachen Verhalten und wie man zu sein hat. Wer diesen nicht erfüllen kann, muss oft schlimmste Demütigungen erfahren in Sachen Mobbing. Ich hatte als Kind juvenile Arthritis und wurde deswegen pausenlos in der Schule fertiggemacht. Wegen meiner etwas festeren Statur bezeichneten mich die Schüler und Lehrer als faule Fettsau und dergleichen. Trotz schlimmster Schmerzen wurde ich als Simulant bezeichnet. Die Schule war für mich ein Horrortrip. Jetzt stehe ich da mit einer ruinierter Gesundheit und kaputter Sehle

  • 23, männl. am 28.03.2013 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Diese ewige "Chlönerei"...

    Habt ihr ernsthaft das Gefühl, dass es uns Jungs besser geht, bzw. in meinem Fall besser ging? That's Life! Pubertät Schule, etc... Nichts ungewögnliches!! Auch ich war kein Mädchenschwarm. Auch ich hatte keine Kleider von den Brands die gerade "in" waren. Auch ich hatte Druck und Stress! Ich habe meine Ausbildung und meine Zweitausbildung erfolgreich gemeistert (Samstags Schule, 100% Arbeit). Nebenbei war ich sportlich ebenfalls aktiv. Ich musste mich halt wo nötig einschränken (Freitag kein Ausgang, etc). Im Moment studiere ich nebenbei und es wiederholt sich. Aber es geht, wenn man will!!!

  • J.R. am 28.03.2013 10:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aufs Herz hören

    Ich wünsche mir das die Menschheit aufwacht! sich zurückbesinnt und sich mit der Seele befasst. WIR können was ändern und jeder ist selber dafür verantwortlich!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonusfaber am 29.03.2013 20:58 Report Diesen Beitrag melden

    Dieses Gejammer finde ich beschämend!!!

    Dieses Gejammer finde ich schlichtweg beschämend. Wisst ihr, liebe Jugendliche, wie Gleichaltrige früherer Generationen gelebt haben? Kinderarbeit, Internate, unvorstellbar strenge Sexualmoral, echte Armut bzw. Hunger und vieles mehr. Wer einen nüchternen Blick nach hinten wirft, Geschichtsbücher liest usw. kommt nicht umhin, das heutige Leben hierzulande (auch für Jugendliche) als Schlaraffenland zu bezeichnen. Wie gesagt: Dieses Gejammer finde ich beschämend!!!

    • Maersu am 30.03.2013 17:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Bringt es auf den Punkt

      Schön gesprochen. Dasselbe ging mir auch durch den Kopf. Hauptsache man kann das Modewort "Mobbing" verwenden. Immer wieder verwundelich dass jeder ein Opfer ist.

    • Peter L. am 30.03.2013 17:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch!

      Sorry Sonusfaber! Du hast die Probleme der heutigen Zeit nicht erkannt! (Alter?) Genau die Orientierungslosigkeit und die unendlichen Möglichkeiten machen das Leben der jungen Menschen sehr schwer! Früher hatte man gar keine Zeit sich mit solchen Dingen auseinander zu setzen oder sollte man besser sagen: auseinander setzen zu müssen?? Weil eben damals viele Menschen existentiell zu kämpfen hatten. Zu glauben, die moderne, digitale Zeit voller Experten, Statistiken und Erwartungen sei einfacher für junge Menschen (eben von heute!!) ist absolut falsch! DAS nicht zu merken finde ich beschämend!!

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  • Chris von Swiss am 29.03.2013 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    War früher auch so, was solls?

    Mit Komasaufen, Facebook und sich freitanzen wird man halt nicht aufs wahre Leben vorbereitet! Alle zu verwöhnt und verweichelt! Da kann ich nur lächeln!

  • Psychater am 29.03.2013 20:20 Report Diesen Beitrag melden

    Seinen Weg gehen....

    Das grösste Problem ist, das heutige Jugendliche keine Grenzen kennen. Die meinen sie können alles machen. Man sollte die Grenzen als Eltern aufzeigen. Wenn man zu viele Wege hat, können die Kinder nicht entscheiden. Und zweitens muss man direkt mit einem KV in die Arbeitswelt einsteigen. Ein Bekannter von mir hat zuerst Maurer, dann BM und weitergebildet. Man muss nicht immer an die Gesellschaft beugen, man muss halt seinen Weg gehen.....

  • Sabrina B am 29.03.2013 12:42 Report Diesen Beitrag melden

    Depressionen

    Ich bin 18 jahre alt und nehme bereits Antidepressiva. Trotzdem weine ich oft und frage mich, wie ich die nächsten Jahre überleben soll. Der Druck ist mir viel zu gross, ich denke manchmal, ich schaffe es nicht. Zum Glück ist mir mein Glaube ein Anker, sonst würde es mir wohl noch schlimmer ergehen...

  • daniel am 29.03.2013 01:30 Report Diesen Beitrag melden

    macht euch kein stress

    einfach akzeptieren das man nicht perfekt ist ;) so kommt ihr weiter. immer nach vorne schauen was passiert ist, ist passiert. heute würd ich alles noch mal geben um wieder 16 - 19 jahre jung zu sein :D