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Entzug und Rückfall
15. Februar 2012 23:23; Akt: 15.02.2012 23:24 Print
Und ewig lockt das Pillendöschen
Mindestens drei Mal wurde Whitney Houston nach dem Drogenentzug rückfällig. Warum gelingt es vielen Abhängigen nicht, sich endgültig von der Sucht loszusagen? Zwei Experten erklären den Teufelskreis.
Whitney Houston: Die Chronik eines angekündigten Todes. (Bilder: Keystone/AP)
Was bleibt, ist die Frage nach dem Warum. Wieso werden Menschen, die der Sucht unter grossen Anstrengungen und schmerzlichen Entbehrungen entsagt hatten, wieder rückfällig? Was passiert mit einem Menschen, wenn er abhängig ist? Wie kann es ihm gelingen, sich nachhaltig von den Fesseln dieses Zwangs zu befreien?
Bildstrecken Whitney Houstons Tochter im Krankenhaus Infografik Whitney Houston«Die Sucht ist eine chronische Erkrankung», bemerkt Ihsan Salloum, Professor für Psychiatrie und Leiter der Abteilung für Alkohol- und Drogenmissbrauchs-Leiden an der Universität der Miami Miller School of Medicine. «Den Betroffenen ist es möglich, von der Sucht loszukommen», sagt Salloum, gibt aber einschränkend zu bedenken, dass die Patienten «ein lebenslanges Rückfallrisiko» hätten. Tatsächlich konnten diverse Studien belegen, dass eine Abhängigkeit sichtbare Veränderungen im Gehirn bewirkt: Betroffen sind dabei Areale, die für das Glücksempfinden zuständig sind. Auch das Belohnungszentrum wird aktiviert. «Drogen nehmen diese Zentren regelrecht in Beschlag», sagt Salloum im Gespräch mit webmd.com.
Von den Substanzen loskommen - aber wie?
Die Hilfsangebote für Abhängige sind vielfältig. Jeder Betroffene muss seinen eigenen, individuellen Weg aus der Sucht finden. Auf diesem schweren Weg können ihn eine persönliche Psychotherapie, eine Gruppen- oder eine Verhaltenstherapie unterstützen. Medikamente, die das Verlangen nach bestimmten Substanzen vermindern, können für den Patienten ebenfalls wertvolle Begleiter sein.
Gemäss Bruce Goldmann, Direktor am Zentrum für Suchterkrankungen des Zucker Hillside Hospitals in Glen Oaks (New York), ist es nicht nur wichtig, dass sich Süchtige Hilfe suchen. Auch die Dauer einer Therapie kann entscheidend für den nachhaltigen Erfolg sein: «Je länger ein Patient in Behandlung ist, desto besser stehen seine Chancen, später nicht rückfällig zu werden».
In der ruhigen und schützenden Umgebung einer Entzugsklinik lernen Süchtige, ohne Drogen auszukommen. Doch spätestens wenn sie wieder in den rauen Alltag entlassen werden, müssen sie sich in Disziplin üben. Dazu gehört auch der richtige Umgang mit Stress. «Das Stress-System ist in unserem Gehirn mit dem Belohnungszentrum verknüpft. Ehemals Süchtige laufen besonders Gefahr, rückfällig zu werden, wenn sie mit Stress konfrontiert sind», erklärt Salloum. Deshalb ist es laut dem Experten besonders wichtig für die Betroffenen, dass sie lernen, mit belastenden Situationen umzugehen.
Jeder Rückfall könnte der letzte sein
Der Rückfall in die Drogensucht ist, so sehen es die Experten, ein zweischneidiges Schwert. Zum einen bietet das Zurückfallen in alte Suchtstrukturen eine Chance, aus dem begangenen Fehler zu lernen: «Ein solcher Rückschlag kann einem Betroffenen dabei helfen, langfristig clean zu werden», meint Goldmann. Andererseits könne jeder Rückfall tödlich enden.
Alkohol, Medikamente und andere Drogen gehören zu beliebten und gleichwohl gehassten Wegbegleitern der Stars. Vielen gelingt es nicht, sich von der Sucht nach Pülverchen, Flüssigkeiten oder Tabletten zu befreien, wie Goldmann ausführt: «Prominente führen ein Leben im Scheinwerfer-Licht. Anonymität ist praktisch inexistent - jeder ihrer Schritte wird von der Öffentlichkeit verfolgt. Für ihren Ruhm bezahlen viele Stars einen hohen Preis». Show-Grössen wie die kürzlich verstorbene Whitney Houston kämen überdies leichter an verschreibungspflichtige Medikamente und Drogen heran als «Normalsterbliche». Ein Umstand, der vermutlich auch Whitney Houston das Leben kostete.
(rre)


























