Spiel-Störung

28. Dezember 2017 09:24; Akt: 30.12.2017 01:08 Print

Videospielsucht wird als Krankheit anerkannt

Die Weltgesundheitsorganisation WHO klassifiziert Videospielsucht erstmals als Krankheit. 2018 soll die Einstufung offiziell werden.

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Videogames sind ein schöner Zeitvertreib. Allerdings können sie aus Sicht der Weltgesundheitsorganisation auch krank machen: Sie hat Videospielsucht erstmals als Krankheit anerkannt. (Im Bild: Screenshot von «Diablo III») Videospielsucht wird als ein Muster anhaltenden oder wiederkehrenden Spielverhaltens eingestuft, das über das Internet oder offline auftreten kann. Dabei wird die Kontrolle verloren und das Spielen nimmt eine Priorität ein, die einschränkend für andere Aspekte des Lebens wirkt. Das Verhaltensmuster ist laut WHO so schwerwiegend, dass es in persönlichen, familiären, sozialen, erzieherischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen kommt. Als süchtig gilt man als Betroffener, wenn das Spielverhalten und andere Merkmale über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten sichtbar sind. Die erforderliche Dauer kann verkürzt werden, wenn alle diagnostischen Anforderungen erfüllt und die Symptome schwerwiegend sind. Dass zu ausdauerndes Spielen auch körperliche Schäden verursachen kann, musste auch eine junge Chinesin lernen: Nachdem sie ununterbrochen das Smartphone-Spiel «Honour of Kings» gespielt hatte, bemerkte die 21-Jährige, dass sie mit dem rechten Auge nicht mehr sehen konnte. Sie suchte ärztliche Hilfe. Nach Untersuchungen in mehreren Spitälern stand fest: Die Frau hatte eine Netzhaut-Arterien-Verstopfung erlitten. Bei einer solchen gelangt kein Blut mehr in die Netzhaut, was zur Erblindung führt. Während die chinesischen Ärzte das exzessive Videospielen als Ursache ansehen, meinte ein britischer Arzt gegenüber der «Daily Mail», dass es wohl eher auf eine Gefässerkrankung hindeute, denn normalerweise tritt die Erkrankung bei älteren Menschen auf. «Honour of Kings» ist eines der beliebtesten Smartphone-Games in China und hat dort rund 200 Millionen User. (Symbolbild)

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«Du bist süchtig nach Videogames» – diese Äusserung dürften schon viele gehört haben, die sich gerne und ausgiebig mit Videospielen vergnügen. Was bislang lediglich eine persönliche Einschätzung war, kann künftig eine echte Diagnose sein: Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Videospielsucht erstmals als Krankheit anerkannt.

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In einem Entwurf der neuen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD) führt die WHO Videospielsucht als Krankheit. Die jetzt als Entwurf vorliegende Version 11 des weltweit anerkannten Klassifikationssystems soll im Mai 2018 offiziell verabschiedet werden.

Das meint die Diagnose

Videospielsucht wird als ein Muster anhaltenden oder wiederkehrenden Spielverhaltens eingestuft, das über das Internet oder offline auftreten kann. Dabei wird die Kontrolle verloren (etwa Beginn, Häufigkeit, Intensität, Dauer, Beendigung, Kontext) und das Spielen nimmt eine Priorität ein, die einschränkend für andere Aspekte des Lebens wirkt. Selbst bei negativen Effekten wird das Spielen weiterhin betrieben.

Das Verhaltensmuster ist laut WHO so schwerwiegend, dass es in persönlichen, familiären, sozialen, erzieherischen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen zu erheblichen Beeinträchtigungen kommt. Das Muster des Spielverhaltens kann kontinuierlich oder episodisch und wiederkehrend sein.

Als süchtig gilt man als Betroffener, wenn das Spielverhalten und andere Merkmale über einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten sichtbar sind. Die erforderliche Dauer kann verkürzt werden, wenn alle diagnostischen Anforderungen erfüllt und die Symptome schwerwiegend sind.

(fee/red)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike Wunderlin am 28.12.2017 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cool...

    Cool, d.H. ich kann IV beantragen und noch mehr spielen? Dann wäre ich eigentlich Profigamer, da für Gamen bezahlt. Scheerz.. Ich game seit über 30 Jahren viel, aber alle mein Leben läuft in normalen Bahnen, schaue halt weniger Fernsehen als andere ;-)

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  • Joseph am 28.12.2017 09:35 Report Diesen Beitrag melden

    Behandlung

    wird als nächstes in den Katalog der von der Krankenkasse-Grundversicherung aufgenommen und von der Allgemeinheit bezahlt

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  • Globi am 28.12.2017 09:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doofe Umfrage

    Es gibt auch etwas zwischen exzessives Gamen und selten mal ein Brettspiel oder Handyspiel spielen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani B. am 29.12.2017 21:33 Report Diesen Beitrag melden

    Sucht ist nur Sucht...

    ...wenn es einen Leidensdruck gibt. Und diese Gamer leiden.

  • ES am 29.12.2017 14:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sehr gut

    Ich finde, dass das Leben eine Krankheit ist und grundsätzlich die KK für jegliche Ausgabe aufkommen sollte, egal ob für die Transportkosten zur Arbeit oder die Ferien. Schliesslich kann ich nichts dafür geboren worden zu sein ohne meine Zusage. Meine Eltern verklage ich zudem weil sie mich nicht um Erlaubnis gebeten habe mich ins Leben zu "Zwitschern" Sorry wenn ich mir sorgen mache .... aber wir haben echt die Talsohle erreicht ...

  • W.Spahni sen. am 29.12.2017 12:28 Report Diesen Beitrag melden

    Suuuuuuper, dann kann ich jetzt also

    gamen auf Krankenasse und am Ende einen Entzug in einer Reha machen.

  • Indigo am 29.12.2017 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    Suchtursache...

    ist oft, dass Menschen keine Ansprechspartner zu haben glauben, mit denen sie ihre Sörgelis und Ängste teilen können. Sie fühlen sich alleine und fressen das mit irgend einer Sucht in sich hinein und fliehen so vor ihren Sörgelis. Es liegt am Lebenssystem, das gerade vielen jungen Menschen keine Perspektiven mehr bieten kann. Also auch hier ein Systemfehler. Es ist nicht der Mensch der böse oder süchtig geboren wird, es ist das aktuelle Lebenssystem (Geldschöpfung), das ihn dazu zwingt, gerade NICHT so zu leben, wie er eigentlich möchte und Dinge zu tun, die er freiwillig nicht tun würde.

  • chrigi am 29.12.2017 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    interessant

    Also darf ich mich jetzt krank melden, wenn ich die ganze Nacht durchzocke?