Alternative Therapie

22. Mai 2015 13:09; Akt: 22.05.2015 13:09 Print

Viren sollen künftig Antibiotika ersetzen

von Claudia Hoffmann - Immer mehr Antibiotika verlieren ihre Wirkung, weil Erreger resistent werden. Eine Alternative testet nun das Unispital Lausanne.

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Im Spital sind Keime oft gegen Antibiotika resistent - stattdessen helfen spezielle Viren. (Bild: Keystone/Jochen Sand)

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Schon heute lassen sich bestimmte Infektionen nicht mehr behandeln, weil die krankmachenden Bakterien gegen Antibiotika resistent sind. Dazu zählen beispielsweise Tuberkulose-Erreger, aber auch Bakterien, die in Spitälern verbreitet sind und schwere Infektionen auslösen können. «Um sie zu bekämpfen, braucht es dringend Alternativen zu Antibiotika», sagt Yok Ai Que, Intensivmediziner am Unispital Lausanne.

Eine davon könnten so genannte Phagen sein. Das sind Viren, die ganz gezielt Bakterien angreifen und diese abtöten (siehe Box). Menschen können sie hingegen nicht befallen. «Deshalb sind sie ungefährlich und eignen sich für medizinische Behandlungen», sagt Que. Zudem verursachen sie kaum Nebenwirkungen.

Studie soll Zulassung vorbereiten

Erfolgreich angewendet wird die Phagentherapie bereits in Ländern wie Russland, Polen und Georgien, unter anderem bei Harnwegs- und Darminfekten. In der Schweiz ist die Behandlung jedoch bislang nicht zugelassen. «Der Grund dafür ist, dass klinische Studien fehlen», sagt Que.

Eine solche führt das Unispital Lausanne ab Juni erstmals durch. Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts soll untersucht werden, wie wirksam eine Phagentherapie bei Patienten mit infizierten Brandwunden ist. Verläuft die Studie erfolgreich, könnten zukünftig auch weitere Krankheiten mit der neuen Methode behandelt werden.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • pitsch am 22.05.2015 13:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Forschungsgelder

    Prima Genau deshalb darf Forschung in der Schweiz nicht nicht der Sparwut zum Opfer fallen.

  • Forschung am 22.05.2015 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fast ohne Nebenwirkungen!

    Wieso hat man mit der Forschung nicht schon viel früher begonnen? Die Nebenwirkungen sind ja nicht unbeachtlich. - Weil die Pharmakonzerne nie genug in den Hals kriegen können. Das gleiche mit der Ölindustrie... Hätten wir kein Benzin/Diesel mehr, würden die Fahrzeuge ev. heute umweltbewusst fahren (ohne Nebenwirkungen).

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  • Erhard Schweizer am 22.05.2015 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ab nach Georgien

    Baktriophagen galten einst (vor der Penicillinzeit) als das Mittel der Wahl gegen Bakterien. Diese Form der Behandlung wurde in der Verflossenen UdSSR noch startk genutzt. Dort ist auch noch viel Wissen zu finden. Im Westen war der Einsatz der Antibiotika einfacher. Hat man also Probleme mit antibiotikaresistenten Keimen, kann ein Basuch in einer Georgischen Klinik vielleicht helfen. Solche Beispiele sind dokumentiert!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Homo Faber am 23.05.2015 08:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pharmabashing

    Man sollte nicht vergessen, dass sich der Begriff "Pharmafirma" aus Pharma und Firma zusammensetzt. Eine Firma arbeitet nun mal gewinnorientiert! Die Entwicklung eines Medikamentes kostet - falls es sich um einen neuen Wirkstoff handelt - zwischen 1 und 1.5 Mrd. Franken (Tendenz steigend). Eine Gewinngarantie gibt es nicht und das unternemerische Risiko ist dementsprechend hoch. Im Vergleich zu den Banken, die deutlich höhere Gewinne einfahren und am Ende vom Staat gerettet werden müssen, sind die schweizer Pharmaunternehmen eher vorbildlich was das ethische Verhalten betrifft.

  • Säm s am 22.05.2015 16:04 Report Diesen Beitrag melden

    Prinzip ist ein alter Hut

    In derSowjetunion setzten sie schon auf Phagen, ua weil sie zuwenig Geld für neue Antibiotika hatten. Das Problem ist, dass die Phagen derart spezifisch sind, dass sie nur ganz nah verwandte Bakterien (innerhalb derselben Art!; sprich: zB nur eine der vielen E. coli-Sorten) befallen. Bis man die Phagen bei akuten Erkrankungen also neu angepasst hat, ist der Patient also längst gesund oder tot. Bei langer, chronischer Infektion kann die Technick aber nützlich sein, sofern die Bakterien sich nicht (zb Boreliose/Syphils) in den Zellen verbergen (da sind sie auch geschützt vor Immunsystem)

  • Erhard Schweizer am 22.05.2015 15:43 Report Diesen Beitrag melden

    Ab nach Georgien

    Baktriophagen galten einst (vor der Penicillinzeit) als das Mittel der Wahl gegen Bakterien. Diese Form der Behandlung wurde in der Verflossenen UdSSR noch startk genutzt. Dort ist auch noch viel Wissen zu finden. Im Westen war der Einsatz der Antibiotika einfacher. Hat man also Probleme mit antibiotikaresistenten Keimen, kann ein Basuch in einer Georgischen Klinik vielleicht helfen. Solche Beispiele sind dokumentiert!!

  • Clawfinger am 22.05.2015 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    und woher kommt's?

    diese Behandlungsweise haben sie damals im sowjetisch kommunistischen Russland entwickelt. Aber der Kommunismus war ja von Grund auf Schlecht, wie uns die Kapitalisten weis machen wollen. Der Kommunismus konnte nicht bestehen, weil der Kapitalismus noch um einiges aggressiver ist.

    • Säm s am 22.05.2015 16:18 Report Diesen Beitrag melden

      Ganz krumme Logik

      Mit deinem ersten ironsich formulierten "Argument" willst du eigentlich sagen, dass der Komunissmus (welchen du mit der Sowjet. gleichsetzt) ganz prima ist, da sie eine Sache prima gemacht/angewendet haben. Abgesehen von der mangelnden Logik, könnte man nach dieser Argumentationsweise Hittler und die NS gutmachen wegen der unbestreitbar nützlichen Autobahn (welche A.H. erfunden haben soll). Diesem Argument folgt dann dein aber auch gar nichts mit dem Artikel zu tun habende Begründung, warum der K. gescheitert ist. PS: siehe meinen anderen Beitrag weiter oben

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  • Forschung am 22.05.2015 13:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fast ohne Nebenwirkungen!

    Wieso hat man mit der Forschung nicht schon viel früher begonnen? Die Nebenwirkungen sind ja nicht unbeachtlich. - Weil die Pharmakonzerne nie genug in den Hals kriegen können. Das gleiche mit der Ölindustrie... Hätten wir kein Benzin/Diesel mehr, würden die Fahrzeuge ev. heute umweltbewusst fahren (ohne Nebenwirkungen).

    • Raffael am 22.05.2015 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Zuerst nachdenken

      Vielleicht gab es bisher keinen Grund dafür, weil es praktisch keine antibiotikaresistenten Keime gegeben hat? Also besser nachdenken, bevor man gegen zugegebenermassen ziemlich geldgierige Grosskonzerne wettert.

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