B6 und B12

26. August 2017 17:19; Akt: 26.08.2017 17:19 Print

Vitamin-B-Pillen steigern Risiko für Lungenkrebs

Nahrungsergänzungsmittel sind umstritten: Einige sollen wirkungslos sein, andere wie Vitamin B6- und B12-Präparate sind sogar gesundheitsschädlich.

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Wer Vitaminpillen einnimmt, hofft, seiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. Doch der Plan geht nicht immer auf. Im schlimmsten Fall können die Präparate sogar schaden – so wie jene, die hochdosiertes Vitamin B6 und B12 enthalten.

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Haben Sie schon einmal Vitamin-B6- und/oder -B12-Präparate genommen?
34 %
1 %
35 %
30 %
Insgesamt 1459 Teilnehmer

Das berichten Forscher der Ohio State University in ihrer im «Journal of Clinical Oncology» veröffentlichten Studie. Dieser zufolge senken die Präparate nicht – wie häufig vermutet – das Lungenkrebsrisiko, sondern steigern es. Allerdings nur bei Männern.

Fragen über Fragen

Das Team um Theodore Brasky wertete für die Arbeit die Daten von rund 77'000 Männern und Frauen aus, die zu Studienbeginn zwischen 50 und 76 Jahre alt waren.

Unter anderem ermittelten sie, ob und in welcher Dosierung die Teilnehmer in den letzten zehn Jahren Vitamin B6 oder B12 eingenommen hatten. Zudem prüften sie die Zahl der Lungenkrebsfälle.

Männer in Gefahr

Das Resultat: Die Männer, die über Jahre hinweg täglich ein Mehrfaches der empfohlenen Tagesdosis B6 oder B12 eingenommen hatten, erkrankten in der Folge doppelt so häufig an Lungenkrebs wie jene, die die Vitamine nicht genommen hatten.

Noch schlimmer fiel das Ergebnis für männliche Raucher aus: «Bei ihnen war das Risiko um das Drei- bis Vierfache erhöht», sagt Brasky in einer Mitteilung.

Bei Frauen blieb diese zuvor unerkannte Nebenwirkung aus. Warum das so ist, ist bislang unklar. Die Forscher vermuten, dass am Stoffwechsel beteiligte Geschlechtshormone eine Rolle spielen. Offen ist auch, warum Multivitaminpräparate, in denen B6 und B12 enthalten sind, das Lungenkrebsrisiko nicht erhöhen.

Viel hilft nicht viel

Aufgrund der erhobenen Daten raten die Forscher davon ab, hochdosierte Präparate einzunehmen – schon gar nicht über mehrere Jahre hinweg.

Eine höhere Dosierung «empfiehlt sich nur dann, wenn tatsächlich ein Mangel vorliegt – was in der Allgemeinbevölkerung weder bei Vitamin B6 noch bei B12 der Fall ist», kommentiert Tilman Kühn vom Deutschen Krebsforschungszentrum die Studie gegenüber der Deutschen Presse Agentur.

Einzig Veganern würde zur Aufnahme von B12 geraten, weil dieses Vitamin hauptsächlich über tierische Produkte aufgenommen werden kann.


Männer sollten sich bei Vitamin-B-Präparaten an die Dosierungsempfehlung halten. (Video: Ohio State University Comprehensive Cancer Center / James Cancer Hospital and Solove Research Institute)

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ali ben Vitamin am 26.08.2017 17:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ich 'geflasht'! Immer hat es geheissen,

    wer einen guten Job will, braucht viel 'Vitamin-B' ! Und jetzt sowas!

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  • Lebensarchitekt am 26.08.2017 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An dieser Stelle hätte ich ein Vorschlag

    für zukünftige Berichterstattung über Studien zu machen, da echte Wissenschaft aufgrund schlechter statistischer Methodik und Manipulation in Verruf geraten ist: Gute Studien werden in Evidenzklassen eingeteilt. Mit einer kleinen Erläuterung oder auch etwas umfangreicheren Erläuterung kann der Leser dann besser beurteilen was er davon zu halten hat. Die Quelle zu nennen ist i.A. nicht mehr ausreichend. Wenn keine Evidenzklasse angegeben ist, schmeist man sie in den Müll, da sie nur verunsichert und trügerisch ist.

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  • Markus am 26.08.2017 17:29 Report Diesen Beitrag melden

    Red Bull hat B12

    Also erhöht Red Bull das Krebsrisiko

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Dani am 27.08.2017 21:24 Report Diesen Beitrag melden

    Viele offene Fragen

    Nun wenn man die Publikationen von Dr. Bodo Kuklinzki oder Dr Bieger und anderen liest, kommt man zu einem ganz anderen Schluss. Würde mich schon interessieren was ein Expertenstreit zu Tage fördern würde. Denn z.B gerade bei Patienten während der Krebstherapie wird B12 hochgeschraubt.

  • Josef der Zimmermann am 27.08.2017 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Details lesen

    Ein mehrfaches der empfohlenen Tagesdosis. Das ist die entscheidende Aussage. Ist wohl alles schädlich wenn man mehr als angegeben nimmt. Aber man verdient eben mehr bei Karpaltunneloperationen als am Vitamin B-Komplex Tablettchen.

  • Hänsel am 27.08.2017 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Suppliments

    Habe schon kapiert, die Chemie Konserne verdienen viel mehr an teuren Medikamente.

  • sepp am 27.08.2017 16:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    alles ist verseucht

    Ach je, man darf wenn man es genau nimmt, nicht mehr Atmen, denn die Luft ist mit krebserregenden Feinstaub so belastet, das jeder davon Lungenkrebs bekommen kann. Auch unser Trinkwasser ist vergiftet, also, was soll's, Gemüse, Früchte, Fleisch, alles ist mit Giften und Medikamenten verseucht. Dann einen guten Appetit euch allen.

  • U. Sartorius am 27.08.2017 12:46 Report Diesen Beitrag melden

    Vitamine nicht gleich Vitamine

    Vitamin B12 kann aus verschiedenen Quellen gewonnen werden. Die häufigste ist Cyanocobalamin. Das kann der Körper aber nicht direkt als B12 verarbeiten und muss es erst in Methylcobalamin und Adenosylcobalamin umwandeln. Bei dieser Umwandlung entstehen freie Radikale was die Studienergebnisse erklären könnten. Daher nehme ich bei B12 wie auch bei anderen Vitaminen immer die aktive Form, die der Körper sofort nutzen kann.