Wilhelm Conrad Röntgen

07. November 2015 14:54; Akt: 07.11.2015 14:54 Print

Von einem, der zufällig Medizingeschichte schrieb

Vor 120 Jahren entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen die nach ihm benannten Strahlen. Für die Medizin war das ein Meilenstein.

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Eigentlich wollte der kauzige Professor in seinem Labor an der Universität Würzburg nur kurz die schönen Lichterscheinungen eines längst bekannten Physikexperimentes mit Kathodenröhren bewundern. Doch zufällig stellt Wilhelm Conrad Röntgen (1845-1923) dabei fest, dass in einiger Entfernung zu seinem Versuchsaufbau ein weiteres Glas strahlt.

Kathodenstrahlung reicht jedoch eigentlich nicht so weit. Röntgen hält schwarzes Papier dazwischen, das Glas strahlt weiter. Ein Brettchen – die Strahlung bleibt sichtbar.

Hand wurde als Erstes durchleuchtet

Im Grunde war es der erste dokumentierte Strahlungsunfall. «Seine wissenschaftliche Leistung war, das als ungewöhnlich zu erkennen und daran weiterzuforschen», sagt Roland Weigand, Mitglied des Röntgen-Kuratoriums in Würzburg. An diesem Sonntag jährt sich die bahnbrechende Entdeckung Röntgens zum 120. Mal.

Nach dem besagten Abend soll sich Röntgen sechs Wochen lang in seinem Labor eingeschlossen haben, um weiter zu experimentieren – obwohl sich seine Wohnung direkt über seinen Arbeitsräumen befand. In dieser Zeit fand er heraus, dass die bislang unbekannte Strahlung durch fast alles dringt. Er nannte sie X-Strahlen. Das wohl erste Röntgenbild eines menschlichen Körperteils war die Aufnahme der Hand seiner Frau vom 22. Dezember 1895.

Fachwelt aus dem Häuschen

In den Monaten danach stand die Fachwelt Kopf. Ein Kollege schlug vor, die Strahlen nach seinem Entdecker zu benennen, der Kaiser persönlich liess sich alles vorführen und verlieh Röntgen den höchsten deutschen Orden. 1901 bekam dieser den erstmals vergebenen Physik-Nobelpreis. Röntgen schrieb ganz zufällig Physik- und Medizingeschichte.

Die Entdeckung der X-Strahlen revolutionierte das Gesundheitswesen. Mit Röntgengeräten waren Diagnosen auf einmal blitzschnell und zuverlässig möglich. Im Ersten Weltkrieg wären ohne den Einsatz dieser Technik deutlich mehr Menschen gestorben.

Bis heute unverzichtbar

Auch heute noch sind die Röntgenstrahlen nicht aus der medizinischen Praxis wegzudenken. «Man muss einfach anerkennen, dass die meisten Diagnosen nach dem Einsatz von bildgebenden Verfahren wie Röntgen gestellt werden», sagt Radiologe und Nuklearmediziner Helmut Altland. Er ist der Vorsitzende des Berufsverbandes Deutscher Radiologen.

Die Röntgenstrahlen seien nach wie vor wichtig. «Aber wir ergänzen sie auch durch modernere Techniken wie die strahlungsarme Computertomographie oder die strahlenersetzende Kernspintomographie», sagt Altland. Hinzu komme, dass das Röntgen heute auch bei Therapien angewendet werde. So könnten beispielsweise Laserstrahlen gegen Tumore an die richtige Position gebracht werden.

Auch in der Industrie sind Röntgenstrahlen unabdingbar. In der Lebensmitteverarbeitung helfen die Geräte beispielsweise, Verunreinigungen zu finden. In der Sicherheitstechnik durchleuchten sie Gepäckstücke, in Maschinenhallen prüfen sie Werkstoffe auf Risse, und Archäologen untersuchen mit Hilfe der X-Strahlen Fossilien und Gesteine.

Bescheiden und bodenständig

Röntgen ist weltweit berühmt. Die Gedächtnisstätte in Würzburg ist dennoch eher unscheinbar. In einem Gebäude der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt unterhält der Verein «Röntgen-Kuratorium Würzburg» das ehemalige Labor des Forschers. Dort können sogar die Originalversuche vorgeführt werden.

Eine Inschrift an der Hauswand, ein Film, Schautafeln, Urkunden und Geräte im Gebäude – wer die Stätte nicht explizit sucht, wird an dem historisch so wertvollen Ort schlicht vorbeilaufen. Diese Bescheidenheit passt zu Röntgen.

Nur die anderen machen Kasse

Er wollte aus seiner Entdeckung nie Profit schlagen, meldete absichtlich keine Patente darauf an. Ihm war das Wohl der Menschen wichtiger. Seinen kompletten schriftlichen Nachlass liess er verbrennen. Nur die offiziellen Veröffentlichungen sind erhalten. «Medizingerätehersteller, Röhrenhersteller, Radiologen – sie alle verdienten Geld mit den X-Strahlen, nur der Entdecker selbst nicht», sagt Weigand.

Röntgen stirbt 1923 mit 77 Jahren an Darmkrebs. Auf seine Arbeit mit den für den menschlichen Körper schädlichen Röntgenstrahlen ist das gemäss Weigand nicht zurückzuführen. «Er befasste sich nur über einen relativ kurzen Zeitraum mit diesen Strahlen, und die Strahlen selbst waren noch nicht so energiereich.»

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger am 07.11.2015 15:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wissenswert

    Super Artikel! Mehr davon :)

  • Samuel Plösser am 07.11.2015 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wirkungen und Nebenwirkungen

    Leider wusste man lange nicht, dass Röntgen-Strahlen ohne entspechende, aufwändige Schutz-Massnahmen auch höchst schädlich sind. Beispiel: Eine bekannte ausländische Schuh-Firma stellte vor ca. 75 Jahren kurzzeitig in der Kinderabteilung der Läden Röntgen-Geräte auf. Damit wurden Kinderfüsse samt Schuhen geröntgt, um zu sehen ob diese passten. Das Gerät war ein edles Holz-Möbel (!). Die Röntgen-Röhre darin strahlte ohne jede Abschirmung. Verkäuferinnen standen ungeschützt daneben und röntgen 'live' hineingehaltene Kinderfüsse; möglichst lange; Wunsch der Kinder stets: "Ich will nochmal...

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  • Urs am 07.11.2015 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gab damals auch Wurst

    Darmkrebs ? Wahrscheinlich Rindfleisch .

Die neusten Leser-Kommentare

  • ich weiss am 07.11.2015 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das war wieder mal Tesla

    Erfinder war eigentlich Nikola Tesla, Röntgen hat nur damit gespielt......

  • Samuel Plösser am 07.11.2015 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wirkungen und Nebenwirkungen

    Leider wusste man lange nicht, dass Röntgen-Strahlen ohne entspechende, aufwändige Schutz-Massnahmen auch höchst schädlich sind. Beispiel: Eine bekannte ausländische Schuh-Firma stellte vor ca. 75 Jahren kurzzeitig in der Kinderabteilung der Läden Röntgen-Geräte auf. Damit wurden Kinderfüsse samt Schuhen geröntgt, um zu sehen ob diese passten. Das Gerät war ein edles Holz-Möbel (!). Die Röntgen-Röhre darin strahlte ohne jede Abschirmung. Verkäuferinnen standen ungeschützt daneben und röntgen 'live' hineingehaltene Kinderfüsse; möglichst lange; Wunsch der Kinder stets: "Ich will nochmal...

    • Rolf Raess am 07.11.2015 17:52 Report Diesen Beitrag melden

      Nur eine Firma?

      Das hatten bis in die 50er Jahre alle besseren Schuhgeschäfte. Als dann langsam durchsickerte, was bei den Atombomben-Abwürfen in Japan, für Schädigungen auftraten, wurden selbst die Schweizer Gesundheits-Behörden aktiv "nume nöd gschbrängt" so auch beim Asbest!

    • Emil Meier am 08.11.2015 00:02 Report Diesen Beitrag melden

      wir auch

      als Kind war es DAS Highlight beim Schuhe kaufen! Auch wir wollten unsere Füsse/Knochen mehrmals sehen... und leben trotzdem noch...

    • Er lebt NOCH am 08.11.2015 02:21 Report Diesen Beitrag melden

      Flachbildschirme habe viele Vorteile :-)

      Auch Monitore mit Bildröhre erzeugen Röntgenstrahlung. Interessiert hier wie üblich nicht,aber in diversen Ländern wurden Grenzwerte erlassen,TCO in Schweden...Problemchen:Werden diese eingehalten,wenn viele Geräte beieinander stehen?Was ist mit Rückseite?Bei der in der Finanzbranche üblichen Batteriehaltung der Mittarbeiter kriegt man Strahlung des eigenen Monitors,zusätzlich die von der Person,die direkt gegenüber sitzt.Wenn der Abstrahlungswinkel breit ist,zudem Strahlung direkt links&rechts und links&rechts gegenüber.Total 6,davon 3 aus Rückseite.Mögliche Folgen zeigen sich langfristig.

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  • Urs am 07.11.2015 16:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es gab damals auch Wurst

    Darmkrebs ? Wahrscheinlich Rindfleisch .

  • Rolf am 07.11.2015 15:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überschätzt

    Herr Altland irrt. 90% aller Diagnosen werden durch Anamnese und körperliche Untersuchung gestellt. Nur für die verbleibenden 10% braucht man EKG, Laborwerte und bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall etc. Aber so hält sich wohl jede Disziplin für wichtiger, als sie real ist.

  • Jasmin am 07.11.2015 15:24 Report Diesen Beitrag melden

    Röntgenstrahlen

    Wurde schon versucht mit Röntgenstrahlen Männer unfruchtbar zu machen.Leider hat es nicht geklappt.

    • Benjamin am 07.11.2015 15:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jasmin

      Leider hat es nicht geklappt. Wäre das beste und schmerzloseste gewesen und gewisse Probleme wären gelöst.

    • Gonzo am 07.11.2015 16:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jasmin

      Genau und Sie hat der Storch gebracht ?

    • Rolf am 07.11.2015 18:38 Report Diesen Beitrag melden

      Der kluge Mann

      Jasmin,der kluge Mann lässt sich freiwillig sterilisieren.Denke nur an die massiven Alimentenzahlungen.

    • Frau am 07.11.2015 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Jasmin

      Männer sind nicht fruchtbar, sondern zeugungsfähig.

    • Carmen am 08.11.2015 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rolf

      Immer das ewige gejammer wegen den alimenten! Das nervt und ist besser wenn du keine hast. Es sind deine kinder ob sie bei dir wohnen oder nicht, du musst deinen beitrag leisten. Das hat nichts mit abzocke zu tun! Soll etwa die frau für alles aufkommen? Wenn der mann das sorgerecht hat, muss die frau alimente bezahlen. Ich bin schockiert, dass die heutigen männer erwarten, dass die frau 100% arbeitet und sonst alles macht. Es sollten die aufgaben einfach partnerschaftlich verteilt werden.

    • B.R. am 08.11.2015 14:19 Report Diesen Beitrag melden

      @ Carmen

      Also ich finde Rolf ist consequent. Wenn er keine (weeiteren) Kinder will ist sterilisation die besste Loesung. Spart auch jede Menge Diskussion und beugt Streit vor.

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