Lärm im Spa

24. September 2011 10:11; Akt: 25.09.2011 14:34 Print

Wenn Wellness zu Quälness wirdWenn Wellness zu Quälness wird

von Runa Reinecke - Kindergeschrei im Spa-Hallenbad? Unter Wellness versprechen sich viele etwas anderes. Reise-Expertin Nina Heinemann verrät, wie man als Ruhesuchender ein geeignetes Spa-Hotel findet.

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Wellness und Kinder, passt das zusammen? Die meisten Hotels versuchen es mit einem Spagat.
(Bild: Colourbox)

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Ruhe, Entspannung, einfach mal die Seele baumeln lassen: Wenn es draussen kühler wird, suchen viele den Abstand zum Alltagsstress nicht mehr in freier Natur. Statt dessen hoffen sie, sich in einem der zahlreichen Wellness-Hotels bei einer Hot-Stone-Massage, einem Sauna-Gang oder im Wellness-Pool erholen zu können. Doch kaum wurden erste Schwimmrunden gedreht und erste Muskelverspannungen gelockert, kündigt sich bereits aus der Ferne lautes Ungemach an. Begleitet von gellendem Geschrei, stürmt eine mit Schwimmflügeli, aufblasbaren Flipper-Imitationen und Wasserbällen bewaffnete Kinderschar durch die Tür der Wellness-Anlage. Voller Vorfreude eilt sie in Richtung Beckenrand, um nur wenig später zum Sprung ins zuvor fast unberührte Nass anzusetzen.

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Kinder im Wellness-Hallenbad - was denken Sie?
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Noch eben ein ruhiges, nahezu unberührtes Idyll, jetzt ein wellenschlagendes Familien-Planschbecken:
Was für den Nachwuchs feuchtfröhliche Unterhaltung ist, kann insbesondere für ruhesuchende Einzelreisende und Paare zum Ärgernis werden. Ihrem Unmut über die wenig entspannenden Wellness-Ferien machen sich einige der Gäste zunächst an der Rezeption, später dann im Internet Luft. «Wenn sich Kinder in der Sauna austoben - natürlich unbeaufsichtigt - ist es mit der Ruheatmosphäre, die man in einem solchen Bereich sucht, vorbei. Der Pool ist unter den beschriebenen Vorzeichen nicht nutzbar», schreibt zum Beispiel ein Gast, der in einem Wellness-Hotel in Südtirol seine Ferien verbrachte.

Wellness: Ein dehnbarer Begriff

«Das ist ein ganz grosses Problem», weiss Deutschlands bekannteste Hoteltesterin, Nina Heinemann vom Hotelbewertungsportal Holidaycheck. Für Heinemann lassen sich feuchtfröhlicher Badespass für die ganze Familie und Wellness für Ruhesuchende nicht vereinbaren. Zwar gibt es auch Hotels, die sich auf Familien-Wellness spezialisiert haben, aber dort fühlen sich ruhesuchende Pärchen keinesfalls wohl. Viele Wellness-Hotels versuchen laut Heinemann, «eine möglichst grosse Zielgruppe» anzusprechen und wecken damit falsche Hoffnungen bei ihren Gästen. Da der Begriff Wellness nicht geschützt ist, kann ein Urlauber nicht automatisch davon ausgehen, dass die subjektiven Wünsche und Vorstellungen auch wirklich erfüllt werden können.

Zudem sind Begriffe wie Spa oder Wellness äusserst dehnbar: Versteht ein gestresster Manager darunter, sich in möglichst geräuscharmer Atmosphäre entspannen zu können, bedeutet es für die Kids mitunter das genaue Gegenteil: sich mal so richtig auszutoben.

Austoben, das dürfen sich auch die kleinen Gäste im hauseigenen Hallenbad des Sunstar Hotels in Davos: «Unsere Gäste haben überhaupt kein Problem damit, dass der Geräuschpegel im Hallenbad auch mal etwas höher sein kann» sagt Jürg Zürcher, Direktor des Vier-Sterne-Hauses. Geräuschsensible Gäste, die sich lieber ohne markerschütternde Frequenzen entspannen möchten, dürfen es sich für eine zusätzliche Nutzungsgebühr im schallgeschützten Wellness-Bereich mit Ruheraum, Fitness und diversen Saunen bequem machen. Dort ist der Zutritt erst ab 16 Jahren erlaubt.

Das Kids-Spa für den verwöhnten Nachwuchs

Für Kinder der gehobenen Klientel haben sich findige Marketingexperten etwas ganz Besonderes ausgedacht, das sogenannte Kids-Spa. Hier sollen dem anspruchsvollen Nachwuchs luxusverwöhnter Eltern möglichst früh die Vorzüge eines Wellness-Aufenthaltes schmackhaft gemacht werden. Auch im Steigenberger Alpenhotel in Gstaad-Saanen gibt es einen abgeteilten, beaufsichtigten Wellness-Bereich, der die speziellen Bedürfnisse von Kindern berücksichtigt. Zu den Attraktionen gehören unter anderem eine Baumsauna, eine Grotte mit Wasserfall, Erlebnisbrausen sowie eine Videowand, auf der sich die Kids mit Nintendo-Spielen die Zeit vertreiben können. Einen getrennten Ruhebereich gibt es auch im Hallenbad dieser Nobelherberge nicht, wie Hoteldirektor Ferdinand Salverda erklärt: «Wir achten darauf, dass der Lärmpegel auch für die Gäste erträglich bleibt, die Ruhe suchen».

Um es möglichst vielen Gästen Recht zu machen, bedient sich das Hotel Waldhaus Flims einer, wenn auch etwas umständlichen, Nutzungsregelung für den eigenen Spa- und Poolbereich. Damit Ruhesuchende auch das bekommen, was sie unter einem Wellness-Aufenthalt verstehen, ist die Spa-Einrichtung inklusive Pool in den Wintermonaten während vier Stunden ausschliesslich für Erwachsene reserviert. «Wir haben das im vergangenen Jahr neu eingeführt und haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht», sagt die Chefin des Hauses, Yasmin Gaschemaille-Grimm. Anfragende Hotelgäste werden bereits am Telefon auf darauf hingewiesen, dass es während der Ferienzeiten im Hallenbad auch mal etwas lauter sein kann.

Gemeinsam statt gegeneinander!

Von speziellen Zeiten, zu denen Kinder Zugang zum Wellness-Bereich haben, hält Nina Heinemann nichts: «Ich finde, ein Hotel sollte grundsätzlich diversifizieren, sich also ausdrücklich auf Wellness festlegen oder sich als Familienhotel positionieren». Wellness-Urlaubern rät die Tourismus-Expertin, sich nicht nur auf die Versprechungen der hoteleigenen Websites zu verlassen, sondern darüber hinaus per E-Mail oder per Telefon über das Wellness-Angebot zu informieren. Auch Hotelbewertungen im Internet können eine nützliche Informationsquelle sein, wie Heinemann ergänzt: «Hier lässt sich sehr schnell erkennen, ob man in dem jeweiligen Hotel auch tatsächlich Ruhe und Entspannung bekommt.»

Und falls es - aller Planung zum Trotz - mit der Ruhe im Wellness-Bereich dann doch nichts wird, lohnt es sich, den Dialog zu suchen. Vielleicht hilft es besonders «empfindlichen» Zeitgenosssen, sich in diesen Momenten an die eigene Kindheit zurückzuerinnern: Damals gab es für uns kaum etwas Nervigeres als nörgelnde Erwachsene.

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  • Milano am 14.03.2012 09:56 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderfreie Zonen

    Kein verbot für Kinder. Man kann doch Familien nicht ausschliessen. Fände es aber gut wenn es in den Hotels bereiche gibt für Familien und solche für diejenigen die Ihre Ruhe suchen ohne Kinder. (Habe ich schon in Hotel erlebt im Ausland) Oder es müsste Ordnung herschen. Viele Eltern habe ihre Kinder nicht im Griff.

  • Andrea Mordasini, Bern am 04.12.2011 22:02 Report Diesen Beitrag melden

    Kinderverbote in Hotels sind provokativ!

    Mühe habe ich aber mit Kinderverboten in Hotels/Restis. Solche Verbote schiessen am Ziel vorbei, sind diskriminierend, provokativ und ein Schlag ins Gesicht verantwortungsbewusster Eltern mit gesundem Menschenverstand. Ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich wann mit meinen Kindern zu tun bzw zu lassen habe. Ich entscheide noch immer selber und lasse mich nicht bevormunden. Dass ich die Kinder nicht überall hin mitschleppe, ist für mich als Mutter aber selbstverständlich;). Ich nehme sie an Orte mit wo sie sich wohl fühlen und sie erwünscht sind. Denn dann fühle ich mich als Mutter auch wohl

  • Andrea Mordasini, Bern am 04.12.2011 00:01 Report Diesen Beitrag melden

    Familienhotels mit SPA als Alternative

    Die wenigsten Eltern mit Kleinkindern verbringen Ferien in typischen für Paare und Kinderlose ausgerichteten Wellnesshotels. Ich bin Mutter zweier Kleinkinder und mache (noch) keine Ferien in solchen Anlagen. Da fühlen wir uns in Kinder-/Familienhotels mit Spa- und Wellnesszone wohler, wo Kinder gern gesehen und herzlich willkommen sind. Und fühlen sich dort andere Gäste durch Kinder gestört, so ist das nicht unser Problem! Mit etwas Toleranz, Rücksicht, Verständnis und gesundem Menschenverstand sollten Ferien unter Familien, Kinderlosen und Singles grundsätzlich kein grosses Problem sein :)!