Klimatag

11. April 2011 14:46; Akt: 11.04.2011 16:39 Print

Wenn der Vegi mit dem Metzger

von Runa Reinecke - «Donnerstag ist Vegitag», eine dem Klima zuträgliche Idee, die den fleischliebenden Schweizer kaum erwärmt. Andernorts wird sie sogar von Metzgern unterstützt.

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Die freundliche Verkäuferin an der Theke der Metzgerei hatte etwas für Kinder übrig. Beim Einkaufen mit dem Mami gab es immer ein Wurscht-Rädli direkt auf die Hand. Ein dünn geschnittenes Scheibchen Lyoner, das mit dem «Lachgsichtli».

Heute sind die Kinder von damals erwachsen und einigen von ihnen ist das «Lachgsichtli» längst wurst. In eine Metzgerei verirren sich die, die dem Fleisch abgeschworen haben, nur selten. Zu einem dieser seltenen Momente kommt es, wenn zum Grillfest Besuch von einem Karnivoren dräut, dem partout kein Tofu-Cervelat zuzumuten ist. Schliesslich isst er täglich Fleisch, das braucht er, ohne gehts für ihn halt nicht. Genau genommen muss es ein ganzes Kilo davon pro Woche sein - das zumindest belegen die Zahlen, die Proviande in der letzten Woche verkündete. Der Branchenorganisation zufolge wurden im vergangenen Jahr in der Schweiz rund 424 138 Tonnen Fleisch verspeist. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Konsum um 3,3 Prozent.

Klima-Stadt Gent: Mit gutem Beispiel voran

Die Chancen, einen eingefleischten Abnehmer tierischer Schlachtprodukte zum Vegetarier zu machen, sind angesichts dieses Trends nicht besser als die eines angebundenen Hundes in einer Metzgerei. Vegetarier-Argumente, die Massentierhaltung sei ein Mitverursacher des Klimawandels, oder der Hinweis auf erbärmliche Haltungsbedingungen von Schlachtvieh in vielen Ländern bleiben ungehört.

Weil Vegetarier um die ihnen oft anhaftende Bekehrungsaura wissen, geben sie sich längst mit kleinen Erfolgen zufrieden. Diese kleinen Erfolge sind es, von denen die Initianten des «Donderdag Veggiedag» («Donnerstag ist Vegitag») der belgischen Stadt Gent angetrieben wurden. Einen von sieben Tagen fleischlos gestalten – diese Idee wollte die Bewegung EVA (Ethisch-Vegetarische Alternative) den Gentern schmackhaft machen.

Da sich die Bewohner der belgischen Stadt ohnehin gegenüber Nachhaltigkeit aufgeschlossen zeigen – Gent ist EU-Klimastadt, stiess der Vorschlag auch im Ratskollegium auf Anklang: Mit einem grossen Fest zelebrierte Gent am 13. Mai 2009 den ersten offiziellen Vegitag. Seitdem wurden in der 240 000 Einwohner zählenden Stadt vegetarische Rezepte an alle Restaurants verschickt, und das Tagesmenü in den Schulkantinen ist jeden Donnerstag fisch- und fleischlos. Die Aktion stösst bei vielen Gentern auf Wohlwollen. Selbst die auf dem Marktplatz verkaufte Suppe, die donnerstags traditionell vegetarisch ist, erfreut sich grosser Beliebtheit.

CO2 für 3,7 Milliarden Kilometer eingespart

Ob ein fleischloser Tag auch in der Schweiz eine gute oder nicht mehr als eine fixe Idee ist, wollten Redaktoren des SF-Wissensmagazins «Einstein» herausfinden. Sie beauftragten die ETH-Agronomin Franziska Stössel mit der Berechnung, wie viel des klimaschädlichen Treibhausgases eingespart werden könnte, wenn alle Bewohner der Schweiz an einem Tag in der Woche auf Fleisch verzichten würden. Stössel errechnete, dass diese Einsparungen in etwa 600 000 Tonnen CO2 eq (equivalent) pro Jahr betragen würden. Das entspricht ungefähr der CO2-Menge, die bei einer Autofahrt von 3,7 Milliarden Kilometern emittiert wird.

Das Klima-Argument überzeugt – weltweit schliessen sich Städte der Genter Idee eines fleischlosen Tages an. Auch die Schweiz ist mit dabei, bislang allerdings mit bescheidenem Erfolg: «Die Schweizer Städte sind sehr zurückhaltend, wenn es um die vegetarische Ernährung geht», bestätigt Renato Pichler von der Schweizerischen Vereinigung für Vegetarismus (SVV). Ohne die Unterstützung wenigstens einer grösseren Stadt und den direkten Einfluss der Hochschulen ist es seiner Meinung nach kaum zu schaffen, den Vegitag einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Über mehr Unterstützung dürfen sich die Initianten des Vegi-Donnerstags in Deutschland freuen. Während in der Schweiz – so eine Schätzung – rund ein bis zwei Prozent der Bevölkerung vegetarisch leben, sind es bei unseren nördlichen Nachbarn rund acht Prozent, wie Silke Bott, Kampagnenleiterin des nationalen Vegitags Deutschland weiss. Von sechs deutschen Städten, von denen Bremen den Anfang machte, wird der wöchentlich wiederkehrende Aktionstag bereits unterstützt.

Mehr Vegimenüs zur Auswahl

Erreicht wurde das dank Durchhaltevermögen und viel Fingerspitzengefühl: «Mit Zwang erreicht man nichts. Es geht uns vielmehr darum, Restaurant- oder Kantinen-Chefs davon zu überzeugen, an einem Tag in der Woche, zwei statt nur ein Vegi-Menü anzubieten», sagt Bott. Auch die Reihenfolge, in der die Menüs auf Tafeln oder auf Speisekarten angepriesen werden, kann der Kampagnen-Chefin zufolge dazu beitragen, dass die Wahl eher auf das fleischlose Gericht fällt. Bott erklärt stolz, dass sogar eine Imbiss-Bude in Wiesbaden mitmacht: «Donnerstags bietet man dort neben der herkömmlichen auch eine vegetarische Bratwurst an.»

Grundsätzlich zeigen die Initianten des deutschen Klima-Veggie-Tags keine Berührungsängste: Im beschaulichen Deggendorf will sich jetzt sogar die Metzgerei-Innung für den fleischlosen Tag starkmachen. Jeden Donnerstag sollen in den örtlichen Metzgereien neben Fleischkäse, Wienerli und Schnitzel schon bald vegetarische Burger angeboten werden.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nits am 13.04.2011 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Veggitag:)

    Ich finde die idee eigentlich gar nicht so schlecht!es wird ja wohl kaum jemanden umbringen einmal kein Fleisch zu essen!

  • kein vegi am 13.04.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    ökologie

    aus ökologischengründen sollte man wirklich den fleischkonsum drastisch einschränken . ich meine dsamit produktion und herstellung der futtermittel, die haltung der tiere ist nochmal was anderes

  • Veggigirl 94 am 14.04.2011 23:25 Report Diesen Beitrag melden

    Veggiday :)

    Ich bin seit 2 Jahren Veggi und das fällt mir überhaubt nicht schwer. Ich kann nicht verstehen, dass manche Menschen keinen einzigen Tag ohne Fleisch auskommen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Veggigirl 94 am 14.04.2011 23:25 Report Diesen Beitrag melden

    Veggiday :)

    Ich bin seit 2 Jahren Veggi und das fällt mir überhaubt nicht schwer. Ich kann nicht verstehen, dass manche Menschen keinen einzigen Tag ohne Fleisch auskommen!

  • geschmak am 14.04.2011 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    geschmak

    ich ess jeden tag fleisch weil ich es gern habe, das ist grund genug.

  • nits am 13.04.2011 13:25 Report Diesen Beitrag melden

    Veggitag:)

    Ich finde die idee eigentlich gar nicht so schlecht!es wird ja wohl kaum jemanden umbringen einmal kein Fleisch zu essen!

  • kein vegi am 13.04.2011 13:06 Report Diesen Beitrag melden

    ökologie

    aus ökologischengründen sollte man wirklich den fleischkonsum drastisch einschränken . ich meine dsamit produktion und herstellung der futtermittel, die haltung der tiere ist nochmal was anderes

  • 807687 am 12.04.2011 22:33 Report Diesen Beitrag melden

    Ich habe 6 Vegitage...

    und einen Fleisch-Tag pro Woche - einfach weil es finanziell nicht drinliegt, mehr als einmal pro Woche Fleisch zu essen. Den Menschen hierzulande geht es zu gut, wenn sie sich täglich Fleisch leisten können. Übrigens: Unglücklich bin ich deswegen nicht.Zur Ernährung reicht es.