Neuer Swisscom-Service

04. Mai 2011 11:29; Akt: 04.05.2011 14:15 Print

Wie sicher ist die Krankenakte im Netz?Wie sicher ist die Krankenakte im Netz?

Allergien, Blutgruppe oder die ganze Krankengeschichte im Internet speichern? Was im Notfall das Leben retten kann, wirft aus Sicht des Datenschutzes Sicherheitsfragen auf.

storybild

Die Krankengeschichte inklusive Gewicht, Blutgruppe oder Allergien auf der Chip-Karte könnte bald Realität werden. (Bild: Colourbox)

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Die persönliche Krankengeschichte ins Internet stellen? Was Microsoft und Google in den USA seit mehreren Jahren ermöglichen, bietet die Swisscom nun auch in der Schweiz an. Am Dienstag informierte die Swisscom-Tochter Evita über die Online-Patientenakte. «Im kostenlosen Gesundheitsdossier können Gesundheitsdaten online gespeichert werden und stehen jederzeit weltweit über einen sicheren Internet-Zugang zur Verfügung.

Umfrage
Würden Sie ihre Gesundheitsdaten im Internet speichern?
42 %
58 %

Der Inhaber pflegt seine Daten selbst und kann Vertrauenspersonen selektiv Zugriff auf das Dossier gewähren», heisst es. Konkret können Evita-Nutzer Arztberichte, wichtige Kontakte, Diagnosen oder Röntgenbilder im Internet speichern und dem Hausarzt oder Familienangehörigen den direkten Zugriff auf die Daten erlauben.

«Das Arztgeheimnis bleibt gewahrt»

Warum sollte jemand seine persönlichsten Daten im Zeitalter von Cyber-Kriminellen und Hacker-Attacken gegen Grosskonzerne ins Internet stellen? In Notfällen könnten Patienten wichtige gesundheitsbezogene Unterlagen oft nicht rechtzeitig finden. Es sei daher von Vorteil, wenn alle Daten an einem zentralen und beispielsweise auch im Ausland erreichbaren Ort – sprich im Internet – gespeichert seien, schreibt Evita. Ein Swisscom-Sprecher sagt auf Anfrage von 20 Minuten Online, dass «die Daten ausschliesslich auf Swisscom-Servern in der Schweiz gespeichert» werden. «Sie sind verschlüsselt und können auch von Swisscom nicht eingesehen werden.» Der Sprecher betont, dass einzig Patient und Arzt entscheiden, wer welche Daten einsehen kann.

Keine Angst vor Daten-Panne

Trotz erfolgreicher Hacker-Attacken gegen Konzerne wie Google oder Sony fürchtet man sich bei Swisscom offenbar nicht vor einer Daten-Panne: «Wir benutzen die besten heute verfügbaren Sicherheitstechnologien. Swisscom hat seit vielen Jahren Erfahrung mit schützenswerten Daten.»

So praktisch die Gesundheitsakte im Internet sein kann, so gefährlich wird es, sollten die Daten in falsche Hände geraten. Patientendaten über Krankheiten wären für Cyber-Kriminelle mindest so wertvoll wie etwa Kreditkartendaten. Zwielichtige Firmen würden vermutlich ein Vermögen für die persönliche Krankengeschichte bezahlen, um den Opfern irgendwelche (gefälschten) Medikamente oder Heilmethoden anzudrehen.

Das Online-Gesundheitsdossier ist nur in der Basis-Version gratis. Wer die Daten weiterer Familienmitglieder im Netz speichern und verwalten möchte, bezahlt drei Franken pro Monat. Im Bezahl-Angebot können zusätzlich Vitalwerte wie Gewicht, Blutdruck oder Puls erfasst oder von entsprechenden Geräten direkt ins Internet übertragen werden.

Spitäler haben Vorbehalte

Ganz so ausgereift wie die digitalen Patientenakten in den USA ist Evita allerdings noch nicht. Dort können Kunden zum Teil «ihre Informationen auf einer kleinen Karte speichern und sie beispielsweise im Portemonnaie aufbewahren», schreibt das Gesundheits-Portal kliniksprecher.de. Im Notfall fragen Rettungskräfte über einen Code relevante Daten wie die Blutgruppe ab, um den Patienten schneller und effektiver zu behandeln.

In der Schweiz stösst eine Karte mit gespeicherten Krankendaten auf grosse Vorbehalte. Die Thurgauer Spitäler weigerten sich, medizinische Daten auf den Chip der neuen Krankenversichertenkarte zu speichern. Der Datenschutz sei nicht sichergestellt, sagte Alex Steinacher, Präsident der Thurgauer Grundversorger, vor einem Jahr gegenüber der «Thurgauer Zeitung».

Bei der Swisscom scheint derzeit keine Chip-Karte mit sensiblen Patientendaten geplant zu sein. Das Unernehmen teilt mit, dass das elektronische Gesundheitsdossier als PDF-Datei gedruckt und damit auch gespeichert werden könne.

(owi)

20min Login Facebook Connect
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»

Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.

«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»

Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.

«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»

Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)

Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?

Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.

  • Peter Zimmermann am 05.05.2011 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    Träumen erlaubt

    Was ist wenn in der Hektik die falschen Daten abgerufen werden und die Blutgruppe nicht stimmt? Wie erkennt der Notfalldienst diese Situation?

  • Armin Rohrer am 05.05.2011 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Allergie uninteressant für Datendiebe

    Wenns drauf ankommt und ich per Notfall im Krankenhaus bin habe ich keine Chance, meinem Arzt noch gross Allergien zu erklären oder meine letzte Behandlungsgeschichte. Da möchte ich leben! Und mal was anderes: Wer sollte sich dafür interessieren, ob ich mal nen Abszess am Fuss hatte? Das sind doch keine Kreditkartendaten oder so wo man Geld abzocken kann.

  • Felix am 05.05.2011 07:57 Report Diesen Beitrag melden

    Sensible Daten nie ins Netz/cloud.

    Es ist unverfroren sensble Daten im Netz (der cloud) zu speichern. AUch wenn IT-Professoren und andere Besserwisser die Cloud als das Zukunftsmodell preisen - heisse Daten gehören da nicht hin! Der Schutz dieser Daten ist schlicht nicht gewährleistet. Solange auch FIrmendaten (Sony) geklaut werden-um wieviel einfacher sind Daten im Netz zu klauen?