Evolution

21. Dezember 2016 11:44; Akt: 21.12.2016 11:44 Print

Zehn nutzlose Körperteile und drei Überraschungen

Der menschliche Körper hat sich im Laufe der Evolution so stark angepasst, dass einige Körperteile überflüssig geworden sind. Eine Übersicht.

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Unser Körper ist ein Wunderwerk der Natur, aber bei Weitem nicht perfekt. So finden sich in ihm heute noch viele Eigenarten von früher, die es heute so nicht mehr braucht – beispielsweise den , ein schmaler Strang unterhalb des Handgelenks. Bei zehn bis 15 Prozent der Menschen fehlt er jedoch. Nachteile haben sie deshalb nicht. Denn nützlich ist er nur noch für Tiere, die sich besonders viel mit ihren Vorderbeinen fortbewegen oder auf Bäumen klettern. Manch einem wachsen . Brauchen tut sie heute niemand mehr. Während sie unseren Urahnen zum Kauen von rohem Fleisch und harten Körnern dienten, haben sie in Zeiten, in denen die Nahrung grösstenteils fein und weich ist, keine Aufgabe mehr. Und so verkümmerten sie zum unnützen Überbleibsel. Ebenfalls überflüssig ist das sogenannte : Die kleine Falte in der inneren Ecke des Auges ist ein Überbleibsel der sogenannten Nickhaut. Diese transparente Abdeckung haben heute noch einige Vögel, Reptilien und Fische. Das Augenlid ist dazu da, das Auge zu schützen, und dabei trotzdem etwas sehen zu können. Das Überbleibsel bringt dem Menschen aber nichts. Männer brauchen keine Brustwarzen. Dass sie trotzdem welche haben, liegt daran, dass menschliche Embryos bis zur zehnten Schwangerschaftswoche erst mal weiblich sind. Erst dann sorgt das Y-Chromosom dafür, dass ein Baby zum Jungen wird. Dann ist die Entwicklung von Brustwarzen allerdings nicht mehr zu stoppen. Einen Sinn haben nicht. Stehen einem die Haare zu Berge, ist das das Werk des . Sein Tun machte Sinn, als der menschliche Körper noch mit Fell versehen war. Er half, Wärme zu speichern oder gegenüber grossen Tieren größer und gefährlicher zu wirken. Heute sorgen die Muskeln bei Kälte oder Angst nur noch für eine Gänsehaut, auch Piloerektion genannt. Unsere Verwandten, die Affen, nutzen ihre Zehen zum Greifen und Schwingen von Baum zu Baum. Dafür ist der wichtig. Der aufrechtgehende Mensch käme auch mit vier Zehen zurecht. Der Kleine ist damit praktisch nutzlos. Der , ein Knorpelfortsatz am Aussenrand der Ohrmuschel, ist nur noch selten anzutreffen. Macht nichts, denn benötigt wird er heute nicht mehr. Er ist lediglich ein evolutionäres Überbleibsel des vormals spitzen Säugetierohres. Obwohl nach Darwin benannt, wurde er zuerst vom britischen Bildhauer Thomas Woolner beschrieben. Manche Menschen haben neben der Ohrmuschel ein kleines Löchlein: eine sogenannte . Forscher wie der Evolutionsbiologe Neil Shubin gehen davon aus, dass die Löcher evolutionäre Überreste von Kiemen sind, wie sie Fische haben. Im Normalfall sind Ohrfisteln unproblematisch. Erst wenn sie schmerzen oder Sekrete ausscheiden, sollten sie behandelt werden. Die meisten Menschen besitzen 12 Rippenpaare, doch es gibt einige wenige (rund 8 Prozent), die wie Schimpansen und Gorillas noch über ein verfügen, das sich unterhalb des 12. Paars befindet. Schlimm ist das nicht, bringen tut es aber auch nichts. Früher besassen Menschen – wie fast alle Landwirbeltiere – noch eine sogenannte (hier rechts zu sehen). Doch mit der Zeit bildete sich diese zurück. Nur noch weniger als ein Prozent der Menschen plagt sich noch damit herum. In der Regel bereitet sie ihnen keine Probleme, doch sie kann auch zu Nerven- und Arterien-Problemen führen. Doch es gibt auch Körperteile, die nur vermeintlich nutzlos sind, beispielsweise das . Es wird als Überbleibsel der Schwanzwirbel der Wirbeltiere angesehen, das sich im Laufe der menschlichen Entwicklung zurückgebildet haben. Ganz überflüssig ist es aber nicht: Immerhin hilft es beim aufrechten Gang. Vor Urzeiten half der dem Menschen, grosse Pflanzenmengen zu verdrücken. Durch die veränderte Ernährung ist er in seiner ursprünglichen Funktion nutzlos geworden. Überflüssig ist er dennoch nicht: Er enthält Bakterien, die bei einer Zerstörung der Darmbakterien – zum Beispiel durch Antibiotika – die natürliche Darmflora wieder herstellen können. (Im Bild: der russische Arzt Leonid Rogosow, der sich 1961 selbst den entzündeten Blinddarm entfernte). Sind oft entzündet, werden sie entfernt. Durch diese Praxis entstand der Eindruck, die lymphatischen Organe brauche es nicht. Doch das stimmt nicht. Denn die sogenannten Tonsillen sind die erste Station des Körpers, an der Bakterien lokalisiert werden, und funktionieren somit als Detektoren schädlicher Organismen. Überflüssig sind sie also nicht.

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Der Mensch entwickelt sich kontinuierlich weiter. Und mit ihm der Körper. Manche seiner Funktionen wurden an die heutigen Lebensbedingungen angepasst. Allerdings nicht alle.

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Welche heute nutzlosen Relikte aus grauer Vorzeit wir noch mit uns herumtragen und warum der Blinddarm gar nicht so überflüssig ist, wie viele meinen, erfahren Sie in der obigen Bildstrecke.

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nächtlicher Kompass am 21.12.2016 12:00 Report Diesen Beitrag melden

    Der kleine Zeh ist unverzichtbar

    Den braucht man nämlich unbedingt zum Anschlagen an Möbelstücken.

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  • Friedlidaenu am 21.12.2016 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr

    Bei manchen Menschen ist auch das Gehirn nutzlos.

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  • hin gucker am 21.12.2016 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Bild 6

    an und für sich sind Frauenfüsse in schonen hochhackigen ein hingucker. Aber wenn eine Zehe so aus der Reihe tanzt dann lieber einen Geschlossenen Schuh

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Herbert Meier am 10.01.2017 15:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Evolution

    Wenn der Mensch nicht durch Evolution entstanden sein soll, sondern durch einen Schöpfer, ist dieser nun durch Evolution entstanden, oder durch einen noch höheren Schöpfer? usw....

  • dtec am 27.12.2016 10:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Römer 1:20

    Gott ist zwar unsichtbar, doch an seinen Werken, der Schöpfung, haben die Menschen seit jeher seine ewige Macht und göttliche Majestät sehen und erfahren können. Sie haben also keine Entschuldigung.

  • dtec am 27.12.2016 08:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pascal Jordan, Mitbegründer der Quantenmechanik

    "Die moderne Entwicklung hat die früheren Hindernisse einer Harmonie von Naturwissenschaft und religiöser Weltauffassung beseitigt. Die heutige naturwissenschaftliche Erkenntnis liefert keinen Einwand mehr gegen einen Schöpfergott."

    • empty()set am 27.12.2016 09:50 Report Diesen Beitrag melden

      Semantische Spielchen

      Die heutige Naturwissenschaft (und der gesunde Menschenverstand) liefert allerdings zuhauf Einwände gegen den Kreationismus. Das ist nur ein semantisches Spielchen.

    • dtec am 27.12.2016 11:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @empty()set

      ihnen geht es doch um die wahrheit bzw. um das wie die dinge wirklich sind..und ob sie es glauben oder nicht, mir ebenfalls...jetzt mal angenommen, man könnte für jedermann ganz klar beweisen, dass es keinen gott gibt, wäre ich sofort bereit das hirngespinst gott aufzugeben...die frage die ich mir jetzt stelle ist, ob sie im umgekehrten fall (d.h. man könnte ganz klar beweisen, dass es gott gibt) bereit wären diesen zu akzeptieren? ich bezweifle...

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  • Martial2 am 26.12.2016 16:13 Report Diesen Beitrag melden

    So reizvoll wie ein schönes Gesicht...

    Ein Po ist nicht nur da um den Darm zu entleeren, er dient als Reizstelle, ist auch mehr oder weniger attraktiv. Es geht nichts über ein sauberer Hinterteil...!

  • dtec am 26.12.2016 10:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cleves

    Wie Körperbaupläne in der Natur evolvieren, bleibt weitgehend unbekannt

    • Bill am 26.12.2016 10:38 Report Diesen Beitrag melden

      @dtec

      "Nicht in der Biologie ergibt sinn, ausser im Lichte der Evolution" - Theodosius Dobzhansky, orthodoxer Christ und Evolutionsbiologe.

    • Bill am 26.12.2016 12:08 Report Diesen Beitrag melden

      @dtec

      Was hoffen Sie mit all den Zitaten zu erreichen?

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