Hoffnung für Krebspatienten?

06. September 2017 22:07; Akt: 06.09.2017 22:07 Print

Zika-Virus lässt Gehirne schrumpfen – und Tumore

2016 versetzte das Zika-Virus die Welt in Angst – weil es bei Ungeborenen schlimme Hirnschäden verursacht. Doch offenbar ist es auch ein Heilsbringer.

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Das Zika-Virus sorgt für ungewöhnlich kleine Köpfe (Mikrozephalie) und Gehirnmissbildungen von Babys. Das gab die US-Seuchenschutzbehörde CDC im April 2016 bekannt. Doch der Erreger könnte zum Segen für Krebspatienten werden: Möglicherweise lässt sich die Neubildung von Hirntumoren durch dieses Virus gezielt bekämpfen, legt eine US-Studie an Mäusen nahe. In Tests mit an Glioblastomen erkrankten Mäusen zeigte sich, dass das Virus die Stammzellen öfter infizierte und tötete als andere Krebszellen oder normale Gehirnzellen. Die mit Zika infizierten Tiere lebten länger und ihre Gehirntumore wuchsen langsamer. Ein weiteres Experiment zeigte: Auch eine weniger aggressive Form ... (Im Bild: Hirntumor-Stammzellen vor dem Einsatz des Zika-Virus (links), Hirntumor-Stammzellen vor dem Einsatz des Zika-Virus (rechts)). ... des Virus, das vom Immunsystem des Körpers leichter wieder beseitigt werden kann, vernichtete Glioblastom-Stammzellen. Noch grösser ist der Effekt, wenn die Tiere zusätzlich das Chemotherapie-Medikament Temozolomid erhalten, das alleine wenig Auswirkungen auf Gehirntumor-Stammzellen hat. Bis zu einem allfälligen Einsatz des Erregers in der Krebstherapie dürfte noch einige Zeit vergehen, so Diamond. Erst «müssen die gesundheitlichen Bedenken durch präklinische Tests weiter entkräftet werden.» So muss sichergestellt werden, dass vom Virus selbst kein Schaden ausgeht. Dass die Sorge nicht von ungefähr kommt, zeigt ein Blick aufs Jahr 2016. Damals breitete sich das Virus in Süd- und Zentralamerika rasant aus. Das Virus kann vor allem für Schwangere gefährlich werden, weil es zu Missbildungen am Schädel beim Embryo führen kann. Betroffene Babys werden mit Mikrozephalie (Verringerung des Schädelvolumens) geboren. (Im Bild: Ana Beatriz Martin aus Recife, 2016). Kopf-Tomogramme eines normal entwickelten Kindes und rechts eines Kindes mit Mikrozephalie. Betroffene Kinder sind häufig geistig behindert und leiden unter neurologischen Störungen, weil das Gehirn unterentwickelt ist. (Im Bild: Die drei Monate alte Alice Vitoria Gomes Bezerra aus Recife, 2016) In Brasilien hat sich die Zahl der Verdachtsfälle seit Oktober 2015 dramatisch erhöht. Über 4860 Kinder sollen Ende Februar 2016 betroffen sein. (Im Bild: Der fünf Monate alte David Henrique Ferreira aus dem Bundesstaat Pernambuco, 2016) In schweren Fällen sterben sie kurz nach der Geburt oder noch im Mutterleib. (Im Bild: Die zwei Monate alte Rackelly Dias Alves aus Recife, 2016) Neben Brasilien waren vor allem Kolumbien, El Salvador, Französisch-Guayana, Guatemala, Haiti, Honduras, Martinique, Mexiko, Panama, Paraguay, Puerto Rico, Surinam und Venezuela betroffen. (Im Bild: João Heitor Santana da Paz aus Recife, 2016) Die Diagnose Mikrozephalie bedeutet aber nicht zwangsläufig ein Todesurteil. Betroffene können durchaus das Erwachsenenalter erreichen. (Im Bild: Der zwei Monate alte Jose Wesley aus Poco Fundo, Pernambuco, 2016) In den USA ist Lester «Beetlejuice» Green bekannt. Der kleinwüchsige Entertainer wurde mit Mikrozephalie geboren. Bekannt war auch Schlitzie. In politisch weniger korrekten Zeiten schaffte er es unter anderem mit einer Rolle im Film «Freaks» (1932) und Zirkusauftritten zu einiger Berühmtheit. Übertragen wird das Zika-Virus in erster Linie von Steckmücken der Art Aedes aegyp. Eine Ansteckung kann aber auch sexuell übertragen werden,

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Die Diagnose Glioblastom endet für die Betroffenen in der Regel tödlich. Die meisten Patienten sterben innerhalb von zwei Jahren, nachdem der bösartige Hirntumor festgestellt wurde.

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Der Grund: Die Geschwulst produziert Tumorzellen hervorbringende Stammzellen, die weder auf Chemotherapien noch auf Bestrahlungen reagieren. Damit kann das bösartige Gewebe ungehindert weiterwachsen.

Doch möglicherweise ist ein Gegenmittel gefunden, wie US-Forscher im «Journal of Experimental Medicine» berichten. Es scheint, als liessen sich die Neubildung von Hirntumoren durch das Zika-Virus gezielt bekämpfen.

Gefährliches Virus verlängert Leben

Auf der Suche nach einem natürlichen Tumor-Killer war dem Team um Michael S. Diamond von der Washington University Medicine School in St. Louis der Erreger in den Sinn gekommen, weil dieser bei Ungeborenen das Gehirn schrumpfen lässt.

In Tests mit an Glioblastomen erkrankten Mäusen zeigte sich, dass das Virus die Stammzellen öfter infizierte und tötete als andere Krebszellen oder normale Gehirnzellen. Die mit Zika infizierten Tiere lebten länger und ihre Gehirntumore wuchsen langsamer.

Dass der Erreger seinerseits Schaden anrichtet, glauben die Forscher nicht, schliesslich «erleiden Erwachsene in der Regel wenig Schaden durch Zika, was darauf hindeutet, dass dieser Ansatz mit akzeptabler Toxizität eingesetzt werden könnte», so Co-Autor Jeremy Rich von der University of California in San Diego.

Resistenz aufgehoben

In einem weiteren Experiment verabreichten die Wissenschaftler den tierischen Probanden eine weniger aggressive Form des Virus. Obwohl diese vom Immunsystem des Körpers leichter wieder beseitigt werden kann, hatte es den gewünschten Effekt: Die Glioblastom-Stammzellen wurden vernichtet.

Noch grösser ist der Effekt, wenn die Tiere zusätzlich das Chemotherapie-Medikament Temozolomid erhalten, das allein wenig Auswirkungen auf Gehirntumor-Stammzellen hat.

Bis zu einem allfälligen Einsatz des Erregers beim Menschen dürfte noch einige Zeit vergehen, so Diamond. Erst «müssen die gesundheitlichen Bedenken durch präklinische Tests weiter entkräftet werden».

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der SeheR am 06.09.2017 22:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchbruch mit Methadon

    Google Chemo-Methadon: Klinische Studien könnten einen Durchbruch in der Krebsforschung bestätigen. Die Pharmaindustrie hat aber kein Interesse. Zitat Ende. Noch Fragen um was es geht?

  • S.n. am 07.09.2017 02:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Methadon

    Nun ja, habe eine Sendung gesehen, die bei hirntumor sehr effektiv ist. Das Mittel heißt Methadon! Ja, sie haben richtig gelesen. Patienten berichteten, dass durch das Mittel der Tumor praktisch innert kurzer Zeit geschrumpft ist. Leider ist es für die pharmaindustrie nicht rentabel und sehr wenige Ärzte verschreiben diese droge deswegen. Menschenleben geht vor dem Geld!

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  • Scientist am 06.09.2017 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    go science

    Spannend bis jetzt waren solche Tumore sehr schwer zu behandeln hoffe es gibt weiterhin positive Resultate.

Die neusten Leser-Kommentare

  • sepp am 09.09.2017 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Basel

    Und in Basel wurden in diesem Jahr 168 Tierversuche durchgeführt an Primaten. Europaweit die Meisten! Stoppen wir endlich diese Tierquälerei! Medikamententests an Tieren, ist endgültig zu stoppen.

  • Frank N. Stein am 08.09.2017 12:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hm

    man könnte auch methadon zur chemo nehmen...92% erfolgchance...aber da methadon günstig ist verdienen die farmamultis zu wenig und suchen weiter...

    • Arthur S. am 08.09.2017 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Frank N. Stein

      Haben Sie schon mal ein Heroin- oder Methadonopfer gesehen? Also ich weiss nicht recht...

    • Frank N. Stein am 08.09.2017 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Arthur S.

      wenn man methadon gebraucht und nicht missbraucht funktioniert das sehr wohl. Die meisten Drogen sind medikamente, zB Pretuval enthält pseudo epinephrin, ein amphetamin. Von Morfium, Codein und den ganzen anderen Opiaten sprech ich mal lieber nicht. Wie überall, die Dosis macht das Gift

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  • Cavi33 am 08.09.2017 07:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kleiner Kopf, kleiner Tumor

    Logische Folgerung wenn das Gehirn schon zu klein ist kann der Tumor ja auch nicht gross sein. Zudem schrumpft der Kopf ja schon beim Fötus also noch ohne Tumor, das scheint wieder mal ein Schnellschuss zu sein wie bei den Plastikraupen.

  • Franz am 08.09.2017 07:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fragt Brasilianer

    Wer "Zika Trinkwasser" googelt, findet heraus, dass die Ärzte in Brasilien bereits im Februar 2016 kommuniziert haben, dass ein Larvizid mit dem Namen "Pyriproxyfen" Ursache der Mikrozephalie sein soll. Gebiete, welche sich weigerten, dieses Mittel in ihre Trinkwasserreservoire zu geben haben keine Zunahme von Mikrozephalie!

    • Bill am 08.09.2017 12:44 Report Diesen Beitrag melden

      @Franz

      Quelle bitte. Die Behauptung hält sich zwar hartnäckig, aber soweit mir bekannt ist wurde der angebliche geographische Zusammenhang längst gründlich widerlegt.

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  • Krebspatient am 07.09.2017 15:22 Report Diesen Beitrag melden

    Groteske Aussagen

    Wieviele von Euch hier haben oder hatten Krebs und können bei dieser unseligen Methadon Diskussion überhaupt mitreden? Ich wette nicht 0.0005%. Als Krebspatient kommt einem der Magen hoch wenn man liest: ich habe da eine Sendung gesehen....

    • Ebenfalls Krebspatient am 09.09.2017 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Krebspatient

      Ich bin seit Jahren krebskrank . Nehme seit drei Monaten morgens und abends ein paar Tropfen medathon. Habe praktisch keine Nebenwirkungen mehr .

    • Gesunder Menschenverstand am 09.09.2017 16:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Krebspatient

      Tut mir Leid für sie, aber eine Frage habe Sie es selbst versucht? Ich hoffe doch, ansonsten kommt nämlich mir der Magen hoch......

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