Erster Hollywood-Skandal

05. September 2011 18:32; Akt: 07.09.2011 15:58 Print

«Er hat mir das angetan!»«Er hat mir das angetan!»

von Oliver Baroni - Am 5. September jährte sich der erste Mega-Skandal Hollywoods zum 90. Mal. Dieser hat es in sich: Alkohol, Vergewaltigung, Tod – und den grössten Filmstar seiner Ära, Fatty Arbuckle.

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Bis heute weiss niemand mit Sicherheit, im Westin St. Francis Hotel in San Francisco zugetragen hat. Eines steht aber fest: An jenem Samstag vor Labor Day 1921 wurde das Starlet Virginia Rappe vor Schmerzen schreiend aufgefunden. Ein paar Tage später war sie tot. Der Mann, der dafür verantwortlich gemacht wurde war der Stummfilmstar Roscoe «Fatty» Arbuckle - der unumstrittene Superstar seiner Ära. 1921 war er auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Er war der erste Schauspieler, der mehr als eine Million Dollar pro Jahr verdiente. Am 5. September 1921 schmissen Arbuckle und einige Freunde eine Labor-Day-Party in einer Suite im Westin St. Francis Hotel in San Francisco. Einer der Gäste war Virginia Rappe, eine angehende Schauspielerin, die irgendwann mal mit Fatty Arbuckle in einem Schlafzimmer landete, von wo aus die Gäste einige Minuten später markerschütternde Schreie hörten. Man lief ins Zimmer und fand Rappe - bekleidet - auf dem Bett liegend, sich krümmend vor Schmerz. Arbuckle berichtete - er hielt bis zum Schluss an seine Version der Geschichte fest - er sei kurz ins Bad gegangen um sich zu übergeben, wo er Rappe ohnmächtig auf dem Boden vorfand. Er hätte sie daraufhin lediglich aufs Bett gelegt. Doch Rappe sagte schliesslich die Worte, die Arbuckles Untergang einläuten würden: «Er hat mir das angetan.» Rappes Zustand verschlechterte sich zusehends und drei Tage später wurde sie ins Spital gebracht, wo sie schliesslich an einer Bauchfellentzündung infolge eines Blasenrisses starb. (Bild: Rappes Sarg wird vom Spital abtransportiert.) Der Bezirksstaatsanwalt von San Francisco Matthew Brady griff den Fall auf und begann, gegen Arbuckle zu ermitteln. Er beschuldigte den Schauspieler der Vergewaltigung von Virginia Rappe, unter anderem durch die Verwendung eines in ihr eingeführten Gegenstands - gerüchteweise wurde von einer Sekt- oder einer Coca-Cola-Flasche gesprochen. Schliesslich habe er sie durch sein erhebliches Körpergewicht noch erdrückt. Arbuckle wurde von allen Vergewaltigungs- und Tötungs-Vorwürfen freigesprochen. Er wurde lediglich für schuldig befunden, an illegalen Alkohol konsumiert zu haben. Alle medizinischen Gutachten und Autopsien zu Virginia Rappe wiesen auf keine Vergewaltigung hin. Trotz des Freispruchs war Arbuckles Karriere am Ende. Neue Aufträge bekam er nicht mehr. Horrende Anwalts-Honorare hatten sein Millionenvermögen aufgebraucht. Er flüchtete sich zunehmend in Alkohol- und Heroinabhängigkeit. Am 28. Juni 1933 starb er an Herzversagen.

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Bis heute weiss niemand mit Sicherheit, was sich in Zimmer 1219 im Westin St. Francis Hotel in San Francisco zugetragen hat. Eines steht aber fest: An jenem Samstag vor Labor Day 1921 wurde das Starlet Virginia Rappe vor Schmerzen schreiend aufgefunden. Ein paar Tage später war sie tot.

Der Mann, der dafür verantwortlich gemacht wurde, war der Stummfilmstar Roscoe «Fatty» Arbuckle - der unumstrittene Superstar seiner Ära. Die Affäre war der erste grosse Skandal Hollywoods und hatte grosse Folgen für die noch junge Filmindustrie.

«Arbuckle war der Mann, der Buster Keaton entdeckte; der Charlie Chaplin als Mentor diente», so Arbuckle-Biograf im Interview mit «BBC News», «er war einer der grössten Komiker aller Zeiten». 1921 war er auf dem Höhepunkt seines Ruhms. Er war der erste Schauspieler, der mehr als eine Million Dollar pro Jahr verdiente. Doch von einem Tag auf den anderen wurde aus dem gerade bei Kindern allseits beliebten Pummelchen Arbuckle der meistgehasste Mann Amerikas.

Der Komiker und das Party-Girl

Am 5. September 1921 schmissen Arbuckle und einige Freunde eine Labor-Day-Party in einer Suite im Westin St. Francis Hotel in San Francisco. Jemand trieb ein paar Mädchen und einige Kisten illegalen Alkohols auf, man fand einen Jazz-Sender auf dem Radio und die Party lief.

Einer der Gäste war Virginia Rappe, eine angehende Schauspielerin, die irgendwann mal mit Fatty Arbuckle in einem Schlafzimmer landete, von wo aus die Gäste einige Minuten später markerschütternde Schreie hörten. Man lief ins Zimmer und fand Rappe – bekleidet – auf dem Bett liegend, sich krümmend vor Schmerz.

Arbuckle berichtete – er hielt bis zum Schluss an seine Version der Geschichte fest – er sei kurz ins Bad gegangen um sich zu übergeben, wo er Rappe ohnmächtig auf dem Boden vorfand. Er hätte sie daraufhin lediglich aufs Bett gelegt. Doch Rappe sagte schliesslich die Worte, die Arbuckles Untergang einläuten würden: «Er hat mir das angetan.»

Tod im Spital

Rappes Zustand verschlechterte sich zusehends und drei Tage später wurde sie ins Spital gebracht, wo sie schliesslich an einer Bauchfellentzündung infolge eines Blasenrisses starb. Bei der Einlieferung hatte Rappes Freundin Bambina Maude Delmont Arbuckle der Vergewaltigung bezichtigt – vermutlich um den millionenschweren Filmstar zu erpressen. Danach geriet der Vorfall ausser Kontrolle und wurde zum Skandal.

Der Bezirksstaatsanwalt von San Francisco, Matthew Brady, griff den Fall auf und begann gegen Arbuckle zu ermitteln. Er beschuldigte den Schauspieler der Vergewaltigung von Virginia Rappe, unter anderem durch die Verwendung eines in sie eingeführten Gegenstands – gerüchteweise wurde von einer Sekt- oder einer Coca-Cola-Flasche gesprochen. Schliesslich habe er sie durch sein erhebliches Körpergewicht noch erdrückt.

«Tod für Arbuckle!»

Bradys Motivation war durchaus politisch motiviert - durch den zu erwartenden spektakulären Gerichtsprozess erhoffte er sich bessere Chancen auf seinem Weg zum Gouverneursposten. Als Alliierte kamen ihm die Boulevardblätter von Medienmogul William Hearst zu Hilfe, die unerbittlich auf den Filmstar einschossen und allgemein die Verkommenheit Hollywoods anprangerten.

Moralwächter jeder Couleur verlangten für Arbuckle die Todesstrafe. Die Studiobosse Hollywoods sahen bereits ihr Imperium bröckeln und verlangten von ihren Stars, mit ihm auf Distanz zu gehen. Als weitere Folge des Skandals willigte die Filmindustrie ein, sich einer institutionalisierten freiwilligen Selbstkontrolle zu unterwerfen, welche die Moral in Hollywood-Filmen überwachen sollte. Schauspieler mussten fortan Moral-Klauseln in ihren Verträgen unterschreiben.

Freispruch – und Untergang

Arbuckle wurde von allen Vergewaltigungs- und Tötungs-Vorwürfen freigesprochen. Er wurde lediglich für schuldig befunden, illegalen Alkohol konsumiert zu haben. Alle medizinischen Gutachten und Autopsien zu Virginia Rappe wiesen auf keine Vergewaltigung hin. Die Anklageschrift war ohnehin mehr als löchrig: Die Verstorbene war als kränkliche Trinkerin bekannt, die zudem an chronischer Blasenentzündung litt. Ausserdem hatte Rappe seit ihrem 16. Lebensjahr bereits mehrere illegale Abtreibungen hinter sich gehabt, die letzte nur wenige Tage vor ihrem Tod.

Trotz des Freispruchs war Arbuckles Karriere am Ende. Neue Aufträge bekam er nicht mehr. Horrende Anwalts-Honorare hatten sein Millionenvermögen aufgebraucht. Er flüchtete sich zunehmend in Alkohol- und Heroinabhängigkeit. Seine Freunde hatten sich abgewendet. Einzig Stummfilm-Star Buster Keaton hielt zu ihn. Als Arbuckle am 28. Juni 1933 an Herzversagen starb, beharrte Keaton darauf, dass er an gebrochenem Herzen gestorben sei.

Ruhm und Skandale

Der Arbuckle-Skandal hatte einen wichtigen psychologischen Bruch verursacht: «Jedermann glaubte zuvor, Filmstars seien Zauberwesen», so Filmhistorikerin Cari Beauchamp, «nun wurde diese Illusion zerstört und die Studiobosse hatten Panik davor, dass dies Hollywood als Ganzes zerstören würde.» Fortan gingen Stars und Skandale Hand in Hand. Der Untergang eines Stars wurde und wird ebenso gefeiert wie dessen Erfolg.

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  • Gustav Linie am 06.09.2011 14:06 Report Diesen Beitrag melden

    Der arme reiche kerl

    In Alkohol und Heroinabhängigkeit flüchtet man nicht, sonder versucht von ihr zu flüchten.