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Pikante Enthüllungen
14. September 2011 18:04; Akt: 14.09.2011 18:06 Print
«Martin Luther King ist schrecklich!»
Nach fast fünfzig Jahren unter Verschluss ist ein Interview mit Jackie Kennedy veröffentlicht worden. Ihr Mann kommt darin sehr gut weg – im Gegensatz zu vielen anderen Persönlichkeiten.
Die Tonbänder dieses achtstündigen Interviews lagen fast 50 Jahre unter Verschluss. Jacqueline «Jackie» Kennedy, First Lady der USA von 1961 bis 1963, hatte ihre Tochter angewiesen, die Aufnahmen erst lange nach ihrem Tod zu veröffentlichen. 17 Jahre nach dem Tod ihrer Mutter und 50 Jahre nach dem Beginn der Präsidentschaft ihres Vaters hat Caroline Kennedy nun diesen Schritt gewagt. Am Mittwoch strahlte der amerikanische Fernsehsender ABC Ausschnitte der Tonaufnahmen in einer Sondersendung aus. Die kompletten acht Stunden liegen einem zeitgleich erschienenen Buch, «Gespräche über ein Leben mit John F. Kennedy», bei.
Bildstrecken Politische Attentate in den USA Infografik Popularität der US-PräsidentenGerade einmal vier Monate waren seit der Ermordung ihres Ehemannes verstrichen, als Jackie dem Historiker und ehemaligen Berater ihres Mannes, Arthur M. Schlesinger, das Interview gewährte. Der Schmerz über den Verlust wäre eine mögliche Erklärung für die teilweise harsche Kritik, die sie an zahlreichen Persönlichkeiten übt. Sowohl über Kennedys Mitarbeiter und Verwandtschaft als auch ausländische Staatsmänner zieht sie tüchtig vom Leder.
Fauler Vize-Präsident
Über Vize-Präsident Lyndon B. Johnson, der nach der Ermordung ihres Mannes 1963 Präsident wurde, sagte sie, «er mache eigentlich nichts». Offenbar war auch Kennedy selbst kein Fan des Texaners. Er hatte den Südstaatler als Gegengewicht zu seiner elitären Ostküste-Herkunft aufs Ticket geholt. «Oh Gott, kannst du dir vorstellen, was mit diesem Land passieren würde, wenn Lyndon Präsident wäre?» soll Kennedy seine Frau gefragt haben.
Den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King bezeichnete sie als «falsch» und «durchtrieben». Kennedys Bruder, Justizminister Robert Kennedy, soll ihr gesagt haben, King habe an der Beerdigung des Präsidenten unter dem Einfluss von Drogen gestanden. «Ich kann kein Bild von Martin Luther King ansehen, ohne zu denken: dieser Mann ist schrecklich», sagte sie. Fünf Jahre später wurde auch er erschossen.
Auch ausländische Staatsmänner bekamen ihr Fett weg. Der damalige französische Staatspräsident Charles De Gaulle sei einst ihr «Held» gewesen, sagte Jackie, die an der Sorbonne in Paris studiert hatte und fliessend französisch sprach. Doch seit sie ihn anlässlich eines Staatsbesuch 1961 persönlich kennen gelernt hatte, nannte sie ihn einen «boshaften Egomanen». Die Franzosen «verachtete» sie seither. Der Held ihres Mannes entpuppte sich aus der Nähe ebenso als Enttäuschung: Kennedy habe den englischen Premierminister Winston Churchill in den 1950er Jahren getroffen, als der «arme Mann bereits ziemlich gaga war».
John-John» platzt ins Interview
Favoriten gab es wenige, aber es gab sie: Zu ihnen gehörte ihr Schwiegervater, dem sie attestierte, seinen Kindern Disziplin beigebracht zu haben. Auch Robert Kennedy sowie Verteidigungsminister Robert S. McNamara bewunderte sie. Den französischen Schriftsteller André Malraux nannte sie den «faszinierendsten Mann», mit dem sie je gesprochen hatte.
Daneben gewährte Jackie intime Einblicke in das Zusammenleben mit dem 35. Präsidenten der USA. Als während der Kubakrise 1961 ein Atomkrieg mit der Sowjetunion drohte und sie das Weisse Haus Richtung Camp David verlassen sollte, bat sie ihren Mann, bleiben zu dürfen: «Falls irgendetwas passiert, werden wir alle hier bei dir bleiben. Auch wenn es keinen Platz mehr im Schutzraum des Weissen Hauses gibt. Ich will nur bei dir sein, ich will lieber mit dir sterben, die Kinder auch – als ohne dich zu leben».
Der vielleicht authentischste und zugleich rührendste Moment ist ein Kurzauftritt des dreijährigen John Junior, der bei der Beerdigung seines Vaters vor dessen Sarg salutiert hatte. Auf den Aufnahmen ist zu hören, wie er den Raum betritt und anfängt, ins Mikrofon Schlesingers zu reden. Auf dessen Frage, was mit seinem Vater passiert sei, antwortete er: «Er ist in den Himmel gegangen.»
Nächste Veröffentlichung 2067
Ebenso bedeutsam ist, worüber Jackie und Schlesinger nicht sprachen: Die Affären Kennedys sowie dessen Ermordung in Dallas. Von insgesamt drei Interviews, die Jackie nach den tragischen Ereignissen gewährte, sind inzwischen zwei veröffentlicht worden. Die Tonbandaufnahmen des dritten mit dem amerikanischen Historiker William Manchester bleiben bis 2067 unter Verschluss. Möglicherweise könnten sie Aufschluss über diese Fragen geben.
(kri)


























