Glaube und Vernunft

21. September 2014 08:46; Akt: 22.09.2014 05:44 Print

Kann man Gottes Existenz beweisen?

von Rolf Maag - Religiöse Überzeugungen haben nur selten rationale Grundlagen. Doch es sind immer wieder Argumente vorgebracht worden, die Gottes Existenz beweisen sollen.

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Vor fast 1000 Jahren predigte Anselm, der Erfinder des ontologischen Gottesbeweises, in der Kathedrale von Canterbury (Bild: Keystone/AP/Chris Ison)

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Warum glauben Menschen an Gott? Die meisten wohl deshalb, weil sie diesen Glauben von ihrem sozialen Umfeld übernommen haben. Andere meinen, sie hätten eine religiöse Erfahrung gemacht. Viele sind auch überzeugt, dass das Leben ohne Gott sinnlos wäre und die moralischen Normen und Werte keine Grundlage hätten.

Seit der Antike haben Philosophen und Theologen aber immer wieder Argumente vorgebracht, die Gottes Existenz beweisen oder zumindest plausibel machen sollen. Die drei wichtigsten werden im Folgenden kurz dargestellt. Mögliche Einwände gegen die jeweiligen Argumentationen finden Sie in der Infobox. Diese gehen im Wesentlichen auf Immanuel Kant (1724–1804) und David Hume (1711–1776) zurück. Unter «Gott» soll dabei ein ewiges, personales Wesen verstanden werden, das allmächtig, allwissend und allgütig ist, das die Welt geschaffen hat und weiterhin in sie eingreift.

Der ontologische Beweis

Dieser Beweis wurde erstmals von Anselm von Canterbury um 1080 formuliert, später aber auch von Denkern wie Descartes und Leibniz vertreten. Anselm bietet zunächst eine Definition von Gott, die seines Erachtens auch ein Gottesleugner akzeptieren muss: Gott ist «etwas, worüber hinaus nichts Grösseres gedacht werden kann», also ein vollkommenes Wesen. Zur Vollkommenheit gehört aber die Existenz, denn ein Wesen ohne Existenz wäre nicht vollkommen.

Wenn der Gottesleugner nun Anselms Definition akzeptiert, Gottes Existenz aber dennoch bestreitet, verwickelt er sich in einen Widerspruch: Beim Wort «Gott» denkt er sich ein Wesen, das vollkommen ist, gleichzeitig aber nicht vollkommen ist, denn ihm fehlt ja die Existenz. Nun, so Anselm, muss auch der Gottesleugner akzeptieren, dass Gott existiert.

Der kosmologische Beweis

Bereits Aristoteles hat dieses Argument vorgebracht, später wurde es von Thomas von Aquin und Leibniz aufgegriffen. Seine Voraussetzung ist das simple Prinzip, dass nichts aus nichts entsteht. Weil wir wissen, dass das Universum existiert, können wir annehmen, dass eine ganze Reihe von Ursachen und Wirkungen zu seinem jetzigen Zustand geführt hat. Diese Reihe kann aber nicht unendlich sein, sodass wir schliesslich auf eine erste Ursache stossen, die selbst nicht verursacht ist. Diese erste Ursache nennen wir Gott.

Der teleologische Beweis

Dieser Beweis geht ebenfalls auf Aristoteles zurück. Bis zum 19. Jahrhundert war er vermutlich der populärste von allen. Er geht von einer Absicht aus, die angeblich in der Natur wirkt. Alle Tiere und Pflanzen sind ihrer Umwelt hervorragend angepasst. Diese Anpassung können sie aber nicht bewusst vollzogen haben, da sie zu vernünftiger Überlegung nicht fähig sind. Also müssen ihnen die Instinkte, die ihr Verhalten steuern, von einem Planer einprogrammiert worden sein, den wir als Gott bezeichnen. Wie man sieht, liegt hier ein Analogieschluss vor: So wie eine Uhr nur deswegen reibungslos funktioniert, weil sie von einem kompetenten Uhrmacher konzipiert worden ist, müssen zielgerichtete Naturprozesse von einem allwissenden Schöpfer in Gang gesetzt worden sein.

Überzeugend?

Die meisten Philosophen halten diese und ähnliche Argumente nicht mehr für beweiskräftig. Interessante Ausnahmen sind der Deutsche Robert Spaemann und der Amerikaner Alvin Plantinga. Auch die vor allem in den USA verbreitete Intelligent-Design-Theorie kann als Neuauflage des teleologischen Gottesbeweises betrachtet werden. Letztlich wird jeder selbst entscheiden müssen, ob er solche Überlegungen für überzeugend hält.

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